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Mit einem großen Farewell-Dinner haben etwa 200 Mitglieder und Gäste der Atlantik-Brücke am 18. Januar 2017 US-Botschafter John B. Emerson offiziell verabschiedet. Friedrich Merz, Vorsitzender der Atlantik-Brücke e.V., begrüßte Emerson, dessen Frau Kimberly und die drei Töchter in den Bolle Festsälen. Zu den geladenen Gästen zählten die kanadische Botschafterin Marie Gervais-Vidricaire, zahlreiche Bundestagsabgeordnete sowie Entscheidungsträger aus allen Bereichen der Gesellschaft.

Es sei schwer zu glauben, dass Emersons Zeit als amerikanischer Botschafter in Deutschland schon vorüber sei, sagte Merz. „Wir alle hätten Dich sehr gerne in Berlin behalten, damit Du den Vereinigten Staaten von Amerika als Botschafter weiter dienen kannst“, betonte er. Der Vorsitzende der Atlantik-Brücke würdigte Emerson als „einen der besten und sympathischsten US-Botschafter in Deutschland der vergangenen Jahrzehnte“. Alle, die ihn kennen, würden seinen Weggang ausdrücklich bedauern. Merz lobte insbesondere den Umgang des Kaliforniers mit der NSA-Affäre unmittelbar zu dessen Amtsantritt im Hochsommer 2013 sowie mit der kontroversen öffentlichen Auseinandersetzung um das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP während der gesamten dreieinhalb Jahre von Emersons Zeit in Berlin: „Deine Offenheit, Deine Fairness und Deine Verlässlichkeit haben dazu beigetragen, dass die Atlantik-Brücke und Du innerhalb kurzer Zeit Verbündete und sogar Freunde wurden.“ Merz gab Emerson zu verstehen, dass die Türen der Atlantik-Brücke für ihn und seine Familie auch in Zukunft immer offen seien. „Wir wünschen Dir und Deiner Familie alles erdenklich Gute für die persönliche Zukunft“, schloss er.

Buhrow: John ist ruhig geblieben, hat geduldig erklärt und Verständnis geschaffen

Tom Buhrow, der Intendant des Westdeutschen Rundfunks und ehemalige US-Korrespondent der ARD in Washington, D.C., hielt die Laudatio auf Emerson. „John hat seinem Land exzellent gedient“, hob der Journalist hervor. Buhrow betonte: „Gegen den Trend, einfache Antworten in einer Welt voller Komplexitäten zu geben, ist John immer ruhig geblieben, hat geduldig erklärt und so Verständnis geschaffen.“ Emerson habe die Herzen von Berlin im Sturm erobert, weil er ein „Botschafter zum Anfassen“ gewesen sei. Dies habe sich in seiner öffentlichen Diplomatie im Gespräch mit jungen Menschen in Schulen und an Universitäten in der gesamten Bundesrepublik ausgedrückt. Emerson sei ein wahrer Demokrat aufgrund seiner Einstellungen und Werte. An die Familie des Botschafters gerichtet sagte Buhrow: „Die Emersons sind authentisch – wir haben das gefühlt.“

Der Mann des Abends sprach selbst von einem „bittersüßen Moment“ des Abschiednehmens. John B. Emerson hielt fest: „Als US-Botschafter gedient zu haben, war die Ehre meines Lebens.“ In seiner sehr politischen Grundsatzrede, die immer wieder von lange anhaltendem Applaus im Saal begleitet wurde, bedankte sich Emerson zunächst bei der Atlantik-Brücke, die als Gastgeber für seinen ersten offiziellen Empfang in Berlin im August 2013 fungierte. „Auch dank der Atlantik-Brücke haben wir wahre Freundschaften in Deutschland gewonnen.“

Emerson: Wir haben nie effektiver zusammengearbeitet als heute

Aus US-Perspektive gebe es nur wenige Länder auf der Welt, die ein solch wichtiger und verlässlicher Verbündeter für Amerika sind wie Deutschland, sagte Emerson. Er rief den Gästen in Erinnerung, welch ereignisreiche Zeit mit all ihren Herausforderungen hinter den transatlantischen Partnern liege. In diesem Kontext zählte er unter anderem die NSA-Affäre, den Bürgerkrieg in Syrien, den Terrorismus durch den „Islamischen Staat“, das russische Verhalten in der Ukraine, das Brexit-Votum, den Protest gegen TTIP und diverse Cyberattacken auf. In all diesen Krisen habe sich gezeigt, dass das transatlantische Verhältnis auf gegenseitiges Vertrauen aufgebaut ist, Versöhnung fördert, Verbindungen herstellt und Völkerverständigung lebt. „Wir haben niemals effektiver zusammengearbeitet als hier und jetzt. Lassen Sie uns weiter zusammenarbeiten“, appellierte Emerson an seine Zuhörer.

„Die jungen Menschen sind die Kraftquelle unserer Beziehungen“

Wenige Stunden vor der Übernahme des Präsidentenamts durch Donald Trump gab Emerson einige aus seiner Sicht zentrale Anregungen an die nachfolgende US-Administration, aber auch an die Regierungen in Europa. Erstens sollten es die Vereinigten Staaten mit Blick auf Russland nicht abermals zulassen, dass von außen Einfluss auf eine amerikanische Wahl genommen werde. Genauso wenig sei es zu tolerieren, dass Russland gewaltsam Grenzen von Ländern verschiebe wie im Fall der Annexion der Krim. Zweitens bleibe der Wert multilateraler Institutionen unschätzbar hoch für das Lösen von globalen Krisen. Ein unilateraler Ansatz sei in der globalisierten Welt nicht mehr zielführend. Drittens stimme er mit dem designierten Präsidenten Trump darin überein, Teile der US-Wirtschaft im mittleren Westen wiederaufzubauen und zu stärken. Die Frage sei allerdings, wie dies umgesetzt werde, durch Protektionismus oder durch einen intensivierten Handel mit verbündeten Nationen. Der gegenseitige Austausch von Waren und Dienstleistungen und die Investition in anderen Märkten führten zu höherem Wohlstand. Die transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft TTIP böte außerdem die herausragende Chance für die USA und Europa, gemeinsam höhere Standards im internationalen Handel zu setzen.

Schließlich gab Emerson allen in Politik und Wirtschaft Verantwortlichen mit auf den Weg, sich ernsthaft mit der populistischen Anti-Establishment-Stimmung in westlichen Gesellschaften auseinanderzusetzen. „Unsere komplexe Welt der Globalisierung und Digitalisierung löst Gefühle der Unsicherheit aus. Das Vertrauen in Politik, Wirtschaft und Medien schwindet in bedenklicher Weise“, konstatierte der Botschafter. Dies sei schädlich für die Demokratien westlicher Prägung.

Für die Zukunft der transatlantischen Beziehungen ist Emerson nach wie vor optimistisch. Diese blieben stark und wichtig, auch weil die wirtschaftlichen Verbindungen so eng geknüpft und erfolgreich seien. Im Kern der Freundschaft über den Atlantik hinweg stehe aber unverändert der persönliche Kontakt zwischen Amerikanern und Europäern. „Die jungen Menschen sind die Kraftquelle unserer Beziehungen. Sie alle können immer wieder Teil der Lösung sein“, rief Emerson den Gästen zu.

Wer Emersons Nachfolger in der amerikanischen Botschaft am Pariser Platz wird, steht noch nicht fest. In der Übergangsphase wird der Gesandte Kent Logsdon, der sein Amt seit dem 24. August 2015 bekleidet, die diplomatischen Geschäfte führen.