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Amerika und Europa, nur gemeinsam - Ein Aufruf der Atlantik-Brücke zum transatlantischen Zusammenhalt

Eine gekürzte Version dieses Aufrufs erschien am 12. Februar 2017 in der WELT und am 15. Februar 2017 auf »WELT online

In seiner Antrittsrede hat Präsident Donald Trump betont, er wolle sich nicht lange mit der Vergangenheit beschäftigen. Nur der Blick nach vorn sei jetzt wichtig, sein Anliegen nun zuerst das Wohl seines Landes: „America first“. In den ersten Tagen seiner Amtszeit hat Präsident Trump gezeigt, was er darunter versteht.

Wir wissen und stellen nicht in Zweifel: Jede Regierung ist zunächst und vor allem dem Wohl des eigenen Landes verpflichtet. Aber Frieden und Freiheit auf der Welt sind auch davon abhängig, dass Nationen über ihre eigenen Grenzen hinaus Verantwortung übernehmen. Der Blick nach vorn geht nur in die richtige Richtung, wenn die Erfahrungen aus der Vergangenheit beachtet und die erprobten Institutionen, die aus diesen Erfahrungen errichtet wurden, nicht leichtfertig aufgegeben werden. Wir betrachten daher mit großer Sorge die politische Entwicklung diesseits und jenseits des Atlantiks.

Die erste Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts war geprägt von Krieg, Zerstörung, Genozid und entfesselter Barbarei. Nach zwei Weltkriegen konnten verantwortliche Politiker in Amerika und Europa eine neue politische Ordnung schaffen, die uns mehr als sieben Jahrzehnte eine einzigartige Periode des Friedens und der Freiheit gegeben hat. Präsident Truman, der mit der Unterzeichnung des Marshallplans den Grundstein zu Deutschlands Wiederaufbau legte, sah genau hier die historische Zäsur.  Auf die „Ära des nationalen Misstrauens, der ökonomischen Feindseligkeit und des Isolationismus“ folge nun ein neues „Zeitalter der Kooperation, um den Wohlstand der Menschen auf der ganzen Welt zu mehren.“

Diese politische Ordnung ist bis heute geprägt von gemeinsamen Grundwerten und der Überzeugung, dass eine verlässliche Partnerschaft zwischen Nationen und Staatengemeinschaften nur möglich ist, wenn die Regeln, die wir uns in demokratischen Prozessen selbst gegeben haben, eingehalten, die bestehenden Institutionen der internationalen Zusammenarbeit wie die Vereinten Nationen, die NATO und die Europäische Union, geachtet und die Gespräche und Verhandlungen über deren Weiterentwicklung von gegenseitigem Respekt und Verständnis füreinander geprägt werden.

Genau deshalb gründeten die Bankiers Eric M. Warburg und Gotthard Freiherr von Falkenhausen, der Unternehmer und Politiker Erik Blumenfeld, die Journalisten Marion Gräfin Dönhoff und Ernst Friedlaender sowie der Unternehmer Hans Karl von Borries vor 65 Jahren die Atlantik-Brücke. Sie waren überzeugt, dass offene Gespräche und Begegnungen das Misstrauen zwischen der jungen Bundesrepublik Deutschland und Amerika überwinden und zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit führen würden. Seither hat die Atlantik-Brücke Tausende von Deutschen und Amerikanern zusammengebracht, deren Ideen- und Wissensaustausch zu neuen Gedanken und Initiativen auf beiden Seiten des Atlantiks und zu engen persönlichen Freundschaften geführt hat. Menschen unterschiedlichster politischer und beruflicher Erfahrungen, aller Hautfarben und Lebensformen verbindet in der Atlantik-Brücke die Überzeugung, dass die transatlantische Partnerschaft auch heute und in Zukunft die Voraussetzung für Frieden und Freiheit auf unseren Kontinenten ist und bleibt.

Wir verkennen nicht, dass nach den großen Veränderungen in Osteuropa und dem Zerfall der Sowjetunion neue Antworten und neue Formen der internationalen Zusammenarbeit dringend notwendig sind. Wir wissen und bedauern zugleich, dass die Europäische Union diesen Herausforderungen gegenwärtig nicht gerecht wird. Nationalismus, Abschottung und Protektionismus sind darauf aber genau die falschen Antworten.

Wir sind in unseren Ländern mit neuen Konfliktformen und neuen Bedrohungen unserer äußeren und inneren Sicherheit konfrontiert. Der Terrorismus bedroht Amerika und Europa in gleicher Weise. Wir müssen darauf hart und konsequent reagieren. Die Qualität unserer offenen und freiheitlichen Gesellschaften wird sich allerdings auch daran erweisen, ob wir gerade angesichts dieser Bedrohungen unsere Grundwerte und unsere freiheitlichen Prinzipien achten und wahren. Bei allen Unterschieden, die es zwischen Europa und Amerika auch in Zukunft gibt, ist dies das gemeinsame Fundament, auf dem wir stehen, und von dem aus wir handeln können. Europa und Amerika können auch in Zukunft nur gemeinsam Freiheit, Demokratie und Menschenrechte wahren. Wenn die Zweifel daran weiter wachsen, werden Europa und Amerika großen Schaden nehmen.

Schließlich: Offene Gesellschaften und offene Märkte gehören zusammen. Wir übersehen keineswegs, dass die globale Entwicklung der letzten Jahrzehnte nicht nur Vorteile mit sich brachte. Europa und Amerika müssen gemeinsam mit gutem Beispiel vorangehen, um die drastischsten Auswirkungen des Klimawandels aufzuhalten. Wir müssen uns noch intensiver mit der Frage befassen, wie alle Menschen von der Globalisierung einen Nutzen haben können. Nationalismus, Abschottung und Protektionismus sind aber auch hier die falschen Antworten. Die Wohlstandszuwächse der letzten Jahrzehnte sind dort am größten, wo die Grenzen offen sind und ein Klima des Respekts, der Verantwortungsbereitschaft und des sozialen Ausgleichs herrscht. Deshalb setzen wir uns in der Atlantik-Brücke nicht nur für den freien Handel ein, sondern auch und vor allem für den Fortbestand unserer gemeinsamen Grundwerte wie Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Pressefreiheit und die Freiheit der Wissenschaft.

Amerika und Europa dürfen sich nicht allein nach innen wenden. Regierungen und Parlamente, zivilgesellschaftliche Institutionen und die Wirtschaft auf beiden Seiten des Atlantiks haben angesichts der großen internationalen Herausforderungen und Bedrohungen gerade jetzt die Pflicht und die Verantwortung zu einer engen und partnerschaftlichen Zusammenarbeit.

Der Geschäftsführende Vorstand der Atlantik-Brücke:

Friedrich Merz, Vorsitzender

Dr. h.c. Edelgard Bulmahn MdB, Stellvertretende Vorsitzende

Professor Dr. Burkhard Schwenker, Stellvertretender Vorsitzender

Professor Dr. Andreas Dombret, Schatzmeister

Dr. David Deißner, Geschäftsführer