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	<title>NGOs Archive - Atlantik-Brücke e.V.</title>
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		<title>Deutschland setzt seinen innovativen Standort aufs Spiel</title>
		<link>https://www.atlantik-bruecke.org/deutschland-setzt-seinen-innovativen-standort-aufs-spiel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[r.fehrenbach]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Jan 2024 13:26:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Sub-Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft & Innovation]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gravierende technologische Neuerungen stoßen in der Bundesrepublik wie auch in einigen weiteren westlichen Ländern dem Edelman Trust Barometer 2024 zufolge auf eine ablehnende Haltung in der Gesellschaft.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.atlantik-bruecke.org/deutschland-setzt-seinen-innovativen-standort-aufs-spiel/">Deutschland setzt seinen innovativen Standort aufs Spiel</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.atlantik-bruecke.org">Atlantik-Brücke e.V.</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Gravierende technologische Neuerungen stoßen in der Bundesrepublik wie auch in einigen weiteren westlichen Ländern auf eine ablehnende Haltung in der Gesellschaft. Dies ergab die exklusive Vorstellung der deutschen Daten des Edelman Trust Barometers 2024 in einer gemeinsamen Veranstaltung von Edelman und der Atlantik-Brücke.</p>
<p><em>Weitere Informationen, Daten und Ergebnisse des deutschen Reports zum Edelman Trust Barometer finden Sie <a href="https://www.edelman.de/sites/g/files/aatuss401/files/2024-01/2024%20Edelman%20Trust%20Barometer_Germany%20Report_0.pdf">hier</a>.</em></p>
<div></div>
<p>Das Edelman Trust Barometer 2024 hat für Deutschland ernüchternde Ergebnisse zu Tage gefördert. „Keiner Institution wird vertraut“, sagte Christiane Schulz, CEO von Edelman Deutschland, zu Beginn ihrer Präsentation in Berlin. Unter einer Institution versteht das amerikanische Unternehmen für PR-Beratung die folgenden vier Sektoren: die Regierung, Wirtschaft, Medien und Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Für die aktuelle Ausgabe der Studie wurden im November 2023 etwa 32.000 Menschen in 28 Ländern befragt. 50 Prozent der circa 1.150 Befragten in Deutschland gaben an, der Wirtschaft Vertrauen entgegenzubringen. Dieser Wert ist unverändert im Vergleich zu 2023. Die Bundesregierung hat dagegen im Vergleich zur Erhebung des vergangenen Jahres 5 Prozentpunkte auf jetzt 42 Prozent verloren.</p>
<div></div>
<div>[related]Auf diesem Fundament des schwachen Vertrauens in die entscheidenden Institutionen eines Landes hat die Akzeptanz von Innovationen wie zum Beispiel von Impfstoffen gegen das Corona-Virus oder auch wie der KI-Anwendung ChatGPT einen schweren Stand. Schulz verdeutlichte, dass dieser Befund für die Exportnation Deutschland problematisch ist: „Innovation bedeutet letzten Endes Wachstum. Auch Vertrauen übersetzt sich in Wachstum.“ Wie tief die Verunsicherung vieler Menschen in Bezug auf Innovationen ist, zeigt der Fakt, dass 72 Prozent der deutschen Befragten in Fragen technologischer Neuerungen ihresgleichen vertrauen, wohingegen nur 57 Prozent der Wissenschaft vertrauen. In Deutschland gebe es keine Institution, der man es zutraue, Innovationen sicher, vorteilhaft und zugänglich in die Gesellschaft zu implementieren und integrieren, betonte Schulz. Somit stehe Innovation als solche in Deutschland auf dem Spiel.</div>
<div></div>
<h3>Widerstand gegen Innovationen ist oftmals politisch geprägt</h3>
<p>Amanda Edelman, COO des Gen Z Lab und Associate Director von Edelman, lenkte den Blick der Gäste auf die globale Perspektive. „Weltweit betrachtet, fürchten sich zweimal so viele Menschen vor Innovationen wie diejenigen, die diese positiv annehmen“, sagte Edelman. Insbesondere werde es Regierungen nicht zugetraut, aufkommende Innovationen kompetent und effektiv zu regulieren. Die Mehrheit der Menschen weltweit vertrete die Ansicht, dass Innovationen schlecht gemanagt seien. 54 Prozent aller Befragten gaben an, dass die jeweilige Regierung zu viel Einfluss auf die Wissenschaft nehme. Dabei sei der Widerstand gegenüber Innovationen in westlichen Demokratien politisch konnotiert: Als eher rechts orientierter Mensch lehne man technologische Veränderungen mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit ab als eine linksgerichtete Person, die Neuerungen viel wahrscheinlicher annehme. Für den Fall von Deutschland beträgt diese Differenz 20 Prozentpunkte. Das politische Spektrum griff Schulz auf, indem sie in Bezug auf die derzeit in ganz Deutschland stattfindenden Demonstrationen gegen die AfD Vorstandsvorsitzende ausdrücklich lobte: „Die Menschen erwarten, dass sich CEOs in der Öffentlichkeit deutlich zu Werten wie Demokratie und Diversität bekennen und gegen Rechtspopulismus stellen. Ich habe noch nie so viele CEOs in Deutschland gesehen wie jetzt, die genau das tun.“</p>
<p>Was die Glaubwürdigkeit von Informationsquellen angeht, vertrauen 57 Prozent der deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der eigenen Online-Recherche – mehr als sie Wissenschaftlern vertrauen. Immerhin 48 Prozent der befragten Deutschen vertrauen lokalen Medien in ihrem Umfeld. Nur 20 Prozent schenken den zahlreichen Social-Media-Plattformen ihr Vertrauen. „Menschen wollen erkennen, dass Innovationen eine bessere Zukunft mit sich bringen. Alle Institutionen sind gefordert, an konkreten Beispielen aufzuzeigen, welchen persönlichen Nutzen insbesondere Künstliche Intelligenz hat, etwa in der Diagnose und Behandlung verschiedener Krebsarten“, betonte Edelman. Auf diese Weise könnten Bürgerinnen und Bürger die Kontrolle über die Wirkung von neu entwickelten Technologien erlangen.</p>
<h3>Thoms: &#8220;Bei Künstlicher Intelligenz hätte ich mehr Enthusiasmus erwartet&#8221;</h3>
<p>In der anschließenden von Emily Schultheis, freie Journalistin und Young Leaders Alumna der Atlantik-Brücke, moderierten Panel-Diskussion gingen die Sprecherinnen und Sprecher zunächst auf die überraschendsten Ergebnisse des Trust Barometers ein. „Gerade bei Künstlicher Intelligenz hätte ich etwas mehr Enthusiasmus erwartet“, sagte Anahita Thoms, Partnerin und Head of Germany’s International Trade Practice bei Baker McKenzie und Mitglied des Vorstands der Atlantik-Brücke. Im weiteren Verlauf wurde klar, dass vor allem die Regierung gefragt ist, Vertrauen wiederherzustellen. „Politiker müssen klare Prioritäten setzen, um Orientierung zu geben. Das sehe ich in Deutschland derzeit nicht“, sagte Thomas Silberhorn, MdB (CDU/CSU), Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für transatlantische Beziehungen und Mitglied der Atlantik-Brücke. In diesem Kontext sei der Fokus auf Bildung der Schlüssel, um die Akzeptanz für Innovationen zu erhöhen. Es brauche eine Begeisterung für Neugier.</p>
<p>Thoms betonte, wie wichtig eine verbesserte Kommunikation von offiziellen Regierungsstellen ist. „Die Politik sollte sich verständlich ausdrücken. Sie muss so die Transparenz ihres Handelns erhöhen. Außerdem sollten sich speziell in Deutschland Regierung und Opposition nicht in zu vielen Streitpunkten verkämpfen, das schreckt nur ab“, sagte sie. Silberhorn nahm diesen Beitrag selbstkritisch auf und bemängelte, dass die deutsche Politik Schwierigkeiten damit habe, wissenschaftliche Evidenz zu akzeptieren: „Im legislativen Prozess gibt es keine offene Beteiligung von Expertinnen und Wissenschaftlern. Parlamentarier holen sich häufig nur solche Expertise ein, die vorgefertigte politische Positionen bestätigen.“ Zu einer verbesserten Kommunikation gehöre auch, Best-Practice-Beispiele von Innovationen öffentlich klar in den Vordergrund zu rücken. So sei es ein riesiger Erfolg der Wissenschaft gewesen, innerhalb kürzester Zeit effektive Vakzine gegen Corona entwickelt zu haben.</p>
<h3>Mit Zuversicht gegen den Abstieg stemmen</h3>
<p><em>Ein Kommentar von Robin Fehrenbach</em></p>
<p>Die zentrale Erkenntnis des Edelman Trust Barometers 2024 spiegelt eine brandgefährliche Entwicklung für Deutschland wider: Wenn ein Großteil der Bevölkerung weder der Bundesregierung noch der freien Wirtschaft, den Medien und den NGOs vertraut, ist sie folglich nicht offen für Neues, vor allem nicht für technologische Erfindungen. In einem derart negativen Klima, in einer gesellschaftlichen Atmosphäre der andauernden Skepsis und Vorbehalte verschließen sich die Menschen gegenüber Innovationen. Diese mentale Abschottungshaltung kann sich ein Land wie Deutschland, das als wichtigsten Rohstoff Bildung und Wissen von klein auf fördern muss und auf kreative Köpfe in Forschung und Entwicklung im großen Stil angewiesen ist, schlicht nicht leisten.</p>
<p>Die Bundesrepublik war mal Exportweltmeister – das ist mittlerweile 20 Jahre her. Inzwischen lässt sich der mannigfaltige Abstieg Deutschlands beobachten, beispielsweise in OECD-Rankings zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit und nicht zuletzt in der jüngsten, absolut verheerenden Pisa-Studie. Niemand sollte das hierzulande einfach so über sich ergehen lassen und hinnehmen. Vielmehr gilt es, mit Zuversicht und Optimismus gegen den Abstieg zu kämpfen und eine Aufbruchsstimmung zu erzeugen.</p>
<p>Zugegeben: Technologische Neuerungen einer zunehmend digitalisierten Welt halten mit einer Wucht und in einem Tempo Einzug in den beruflichen wie privaten Alltag, dass einem angst und bange werden kann. Dieser erste Impuls ist menschlich nachvollziehbar. Dagegen hilft nur, sich mit diesen Innovationen genauestens zu befassen, deren Hintergründe und Zusammenhänge weitgehend verstehen zu wollen – eben damit man selbst einen produktiven Beitrag für diese Gesellschaft leisten kann. Dies hat den positiven Effekt, all die Vorteile von Innovationen für sich persönlich und für das Land als Ganzes zu erleben. Auch wenn es noch so schwerfallen mag: Man muss sich nur trauen, dieses Wagnis jeden Tag aufs Neue einzugehen. Eventuell entsteht auf diese Weise sogar neues Vertrauen in die Institutionen dieses Landes. Sie hätten es – bei aller berechtigten Kritik – verdient, denn sie sind besser als ihr Ruf.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.atlantik-bruecke.org/deutschland-setzt-seinen-innovativen-standort-aufs-spiel/">Deutschland setzt seinen innovativen Standort aufs Spiel</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.atlantik-bruecke.org">Atlantik-Brücke e.V.</a>.</p>
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		<item>
		<title>Deutschland zwischen wenig Vertrauen und wachsender Polarisierung</title>
		<link>https://www.atlantik-bruecke.org/deutschland-zwischen-wenig-vertrauen-und-wachsender-polarisierung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[r.fehrenbach]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Feb 2023 16:56:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Demokratie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Regierung, Wirtschaft, Medien und NGOs haben nach wie vor einen schweren Stand in der Bundesrepublik, was das Vertrauen der Bevölkerung in diese Institutionen angeht. Dies zeigt der Edelman Trust Barometer 2023.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.atlantik-bruecke.org/deutschland-zwischen-wenig-vertrauen-und-wachsender-polarisierung/">Deutschland zwischen wenig Vertrauen und wachsender Polarisierung</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.atlantik-bruecke.org">Atlantik-Brücke e.V.</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Regierung, Wirtschaft, Medien und NGOs haben nach wie vor einen schweren Stand in der Bundesrepublik, was das Vertrauen der Bevölkerung in diese Institutionen angeht. Dies zeigte die exklusive Vorstellung des Edelman Trust Barometers 2023 in einer gemeinsamen Veranstaltung von Edelman und der Atlantik-Brücke.</p>
<p><em style="font-weight: 400;">Weitere Informationen, Daten und Ergebnisse zum Edelman Trust Barometer finden Sie </em><span style="font-weight: 400;"><a href="https://www.edelman.com/trust/2023/trust-barometer"><em>hier</em></a></span><em style="font-weight: 400;">.</em></p>
<p style="font-weight: 400;">Die angespannte Weltlage mit ihren vielfältigen, sich überlagernden Krisen geht auch an Deutschlands Bevölkerung nicht spurlos vorüber. Das Vertrauen in Regierung, Wirtschaft, Medien und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) verharrt auf einem niedrigen Niveau. Dies ist das zentrale Ergebnis der deutschen Daten des Edelman Trust Barometers 2023, die das Unternehmen exklusiv in einer Kooperation mit der Atlantik-Brücke in Berlin vorgestellt hat. Von den vier untersuchten Institutionen steht die Wirtschaft noch am besten da: 50 Prozent der Befragten gaben an, der Wirtschaft zu vertrauen; dies ist ein leichter Anstieg um zwei Prozentpunkte im Vergleich zu Edelmans Erhebung von 2022. Jeweils 47 Prozent vertrauen nach eigener Aussage der Regierung und den Medien; beide Werte sind unverändert zu 2022. Und nur 41 Prozent vertrauen dem Barometer zufolge NGOs; dies entspricht einem kleinen Zuwachs von einem Prozentpunkt verglichen mit dem vergangenen Jahr.</p>
<p><span style="font-weight: 400;">[related]Das geringe Vertrauen in zentrale Institutionen trübt die Aussichten für die Zukunft. 85 Prozent rechneten damit, dass es ihnen und ihren Familien in fünf Jahren schlechter gehen werde als heute. 2022 kamen noch 78 Prozent zu dieser pessimistischen Einschätzung. So ist es wenig überraschend, dass die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung des Landes die Menschen am meisten umtreibt und Ängste auslöst. 80 Prozent der Befragten brachten zum Ausdruck, dass ein möglicher Verlust des Arbeitsplatzes sie belaste. Und 69 Prozent gaben an, dass die hohe Inflation ihnen Sorgen bereite. Eine besondere Rolle als Stabilitätsanker in solch herausfordernden, unsicheren Zeiten kommt in diesem Kontext den Arbeitgebern zu. 76 Prozent sprachen diesen ihr Vertrauen aus, dies ist ein klarer Zuwachs um 5 Prozentpunkte zu 2022.</span></p>
<h2>Wirtschaft wird Kompetenz und ethisches Verhalten zugeschrieben</h2>
<p style="font-weight: 400;">Christiane Schulz, Geschäftsführerin von Edelman Deutschland, ermutigte die Unternehmenslenker dazu, durch konkretes positives Handeln weiteres Vertrauen herzustellen. „Die Wirtschaft muss kontinuierlich führen, wenn es um Kompetenz-Werte und ethische Standards geht. Sie sollte stets konstruktiv mit Regierungen zusammenarbeiten im Sinne der besten Lösung für die Bevölkerung. Sie sollte sich daran beteiligen, Optimismus in Bezug auf das wirtschaftliche Handeln wiederherzustellen. Und schließlich sollte sich die Wirtschaft für die Wahrheit einsetzen“, sagte sie. All diese Faktoren zusammengenommen könnten dazu beitragen, Orientierung zu geben und sinnstiftend zu wirken.</p>
<p><span style="font-weight: 400;">Mit der manifesten Vertrauenskrise geht auch in Deutschland eine zunehmende Polarisierung in der Gesellschaft einher. 66 Prozent sind der Ansicht, dass die Deutschen gespaltener sind als in der Vergangenheit. Gleichzeitig schwindet laut dem Trust Barometer die Zuversicht, diese Polarisierung überwinden zu können. Dieser Befund spiegelt sich auch im schrumpfenden sozialen Zusammenhalt wider: 70 Prozent gaben an, dass der Mangel an Anstand und gegenseitigem Respekt noch nie so groß gewesen sei. Es muss ein Land nachdenklich stimmen, wenn nicht sogar alarmieren, wenn nur 26 Prozent der Menschen anderen Personen in einer unmittelbaren Not-Situation helfen würden, die eine andere Haltung in einer bestimmten gesellschaftspolitischen Frage als man selbst vertreten. Ähnliche Entwicklungen sind in den USA traurige Normalität und durch zahlreiche Studien nur allzu bekannt und gut dokumentiert. „Global betrachtet haben wir einen Zuwachs an Polarisierung ermittelt. Dies hängt damit zusammen, dass Ideologie zur alles bestimmenden Identität wird. Diskussionen und zivile Diskurse finden dann nicht mehr statt, es werden nur noch verbissene und verbitterte Kämpfe ausgetragen“, sagte Richard Edelman, Präsident und CEO des gleichnamigen Unternehmens, in seiner Präsentation der diesjährigen weltweiten Daten.</span></p>
<h2>Röttgen: „Zu selten vermitteln Regierungen realistische Lösungsansätze“</h2>
<p style="font-weight: 400;">Die 23. Ausgabe des Edelman Trust Barometers, für den mehr als 32.000 Menschen in 28 Ländern befragt wurden, bestätigte einige langfristige Trends der Studie. Dazu gehört, dass NGOs bis zum Jahr 2020 regelmäßig das meiste Vertrauen entgegengebracht wurde. Mit dem Auftreten der Corona-Pandemie Anfang 2020 lösten Regierungen die NGOs für kurze Zeit ab als diejenige Institution, der die Bevölkerung am meisten vertraut. Doch die Regierungen wurden der hohen Erwartungshaltung der Menschen offenbar nicht gerecht. Inzwischen führt die Wirtschaft in dieser Hinsicht – Deutschland bestätigt hier die globalen Daten. Ein weiterer besorgniserregender Trend ist, dass es einen regelrechten Kampf um die Wahrheit gibt. „Viele Menschen glauben Fakten und den etablierten Medien nicht mehr, die erheblich an Autorität verloren haben. Die Pandemie hat dies nochmals verstärkt und das Vertrauen in Fachexpertise unterminiert“, hielt Edelman fest. Er rate Unternehmen deshalb dazu, nicht mehr digitale Plattformen zu unterstützen, die Desinformation verbreiten. Der dritte markante Trend betrifft das Verhältnis von Autokratien und Demokratien. Seit etwa einem Jahrzehnt würden autokratische Staaten aus Sicht der Befragten bessere Leistungen erbringen als demokratische Länder, wobei China an der Spitze stehe, erläuterte Edelman. Autokratischen Systemen gelinge es effektiver, spürbare Ergebnisse und schnellere Verbesserungen in Bezug auf den Lebensstandard zu liefern, als dies hochentwickelte demokratische Industrienationen könnten.</p>
<p><span style="font-weight: 400;">Da Regierungen unter einem anhaltenden Vertrauensverlust litten, seien Unternehmen gefordert, die Lücke bei nicht unmittelbar mit der Wirtschaft verknüpften Themen zu schließen. Eine Mehrheit der Menschen erwarte, dass CEOs sich klar zu gesellschaftlichen Fragen wie Nachhaltigkeit, Inklusion, Diversität und lebenslanger Weiterbildung positionieren, führte Edelman aus. In der anschließenden Podiumsdiskussion, die Julia Friedlander, Geschäftsführerin der Atlantik-Brücke, moderierte, nahm Norbert Röttgen, MdB (CDU/CSU) und stellvertretender Vorsitzender der Atlantik-Brücke, den politischen Betrieb selbstkritisch in die Pflicht. „Zu selten vermitteln Regierungen realistische Lösungsansätze, die offen und ehrlich kommuniziert werden. Stattdessen sehen wir ein Muster, in bloße Rhetorik zu verfallen. Auf Dauer verwirrt und frustriert dies die Bevölkerung“, sagte Röttgen. Damit sei der Nährboden für Misstrauen und Polarisierung bereitet. An die Wirtschaftsakteure gerichtet, sagte Metin Hakverdi, MdB (SPD) und Mitglied im Vorstand der Atlantik-Brücke: „CEOs könnten doch jetzt öffentlich erklären, dass sie qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland als neue, willkommene Mitarbeiter suchen und brauchen.“ Dies könnte die Polarisierung eventuell abschwächen. Und neues, dringend benötigtes Vertrauen schaffen.</span></p>
<h2>Die politische Elite ist gefordert</h2>
<p><em>Eine Analyse von Robin Fehrenbach</em></p>
<p style="font-weight: 400;">In der Gesamtschau ist das Ergebnis des diesjährigen Edelman Trust Barometers kaum verwunderlich. In Deutschland herrscht weiterhin wenig Vertrauen in die Regierung, Wirtschaft, Medien und zivilgesellschaftliche Organisationen. Wo soll das Vertrauen auch herkommen angesichts der Fülle an sehr schwierigen Problemen? Krieg in Europa, Energiekrise, eine hohe Inflation, ein ungebremster Klimawandel, eine nachwirkende Corona-Pandemie: Dies sind nur fünf besonders dringliche und wichtige Herausforderungen unserer Zeit. Zu gewaltig wirken die Aufgaben, zu gravierend die Versäumnisse oder Verfehlungen der Bundesregierung, von Vertretern der Wirtschaft, aber auch der Medien und NGOs. Das Edelman Trust Barometer bietet den diversen Entscheidungsträgern nun eine relevante Ausgangsbasis, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken und neues Vertrauen zu schaffen. Denn darum sollte es allen seriösen und konstruktiven gesellschaftlichen Akteuren im Kern gehen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Es darf allerdings bezweifelt werden, ob der Wirtschaft mit all ihren Ausprägungen in Größe, Gesellschaftsform und Branchenzugehörigkeit hier eine führende Rolle zugeschrieben werden sollte, wie dies empfohlen wird. Es ist zwar sehr positiv, wenn Unternehmen durch ihre Produkte, ihre Dienstleistungen und insgesamt ihr Handeln am Markt Kompetenz und Glaubwürdigkeit nachweisen. Dies ist der bedeutsame Teil, den sie in der Interaktion mit Kunden, Zulieferern und nicht zuletzt ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beitragen können. Aber es ist nicht die Funktion der Firmen, gesamtgesellschaftliches Vertrauen herzustellen. Die Regierung – und das Parlament – sind vielmehr gefordert, politische Rahmenbedingungen für ein geordnetes Wirtschaften zu setzen. Sie sollten die ersten Adressaten sein, wenn es darum geht, in Vertrauensfragen an der Spitze voranzugehen. Die Mitglieder des Kabinetts und die Abgeordneten des Bundestages sind die gewählten Repräsentanten des Volkes und haben einen Eid darauf geschworen, Schaden von diesem abzuwenden. Dies ist weit mehr als ein verfassungsbezogener oder rechtstheoretischer Auftrag. Der Exekutive kommt im Idealfall eine Vorbildfunktion zu, um konkrete Lösungen für die vielen anstehenden Aufgaben zu erarbeiten und umzusetzen. Nur auf diesem Weg kann die Bevölkerung wieder Vertrauen in die politische Elite fassen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Generell ist zudem festzuhalten, dass zu selten und nur unzureichend über Gelungenes gesprochen wird. Dies soll kein Aufruf zu plumpem Eigenlob sein. Aber es ist doch auffällig, dass in allen Bereichen Klagen darüber zu vernehmen sind, dass man dieses oder jenes „zu schlecht kommuniziert“ habe. Ausnahmslos alle Stakeholder sind gefordert, besonders gute Gesetze, Produkte, Berichterstattung und Initiativen, oder einfach gesagt Taten, als solche auch klar zu benennen. Das Wissen um Best Practices hat immer die Chance, nachhaltig Vertrauen zu fördern.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.atlantik-bruecke.org/deutschland-zwischen-wenig-vertrauen-und-wachsender-polarisierung/">Deutschland zwischen wenig Vertrauen und wachsender Polarisierung</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.atlantik-bruecke.org">Atlantik-Brücke e.V.</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Nur wer Haltung bezieht, genießt Vertrauen</title>
		<link>https://www.atlantik-bruecke.org/deutsche-blicken-pessimistisch-in-die-zukunft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[r.fehrenbach]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Jan 2020 15:12:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Sub-Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Alexander Graf Lambsdorff]]></category>
		<category><![CDATA[David Deißner]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
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		<category><![CDATA[Wirtschaftsunternehmen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Richard Edelman, Präsident und Global CEO der gleichnamigen Kommunikationsfirma, warnt vor einem international wachsenden Vertrauensverlust in Institutionen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.atlantik-bruecke.org/deutsche-blicken-pessimistisch-in-die-zukunft/">Nur wer Haltung bezieht, genießt Vertrauen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.atlantik-bruecke.org">Atlantik-Brücke e.V.</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Richard Edelman warnt vor einem international wachsenden Verlust des Vertrauens von Bürgern gegenüber Institutionen. Der Präsident und Global CEO des gleichnamigen Kommunikationsunternehmens sprach sich bei einer Präsentation des Trust Barometers 2020 mit der Atlantik-Brücke für eine „Verteilung von Autorität“ aus und forderte die Zusammenarbeit von staatlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entscheidungsträgern.</p>
<p><em>Von Robin Fehrenbach</em></p>
<p>Eine ethische Verhaltensweise in Form von Fairness bei politischen, wirtschaftlichen, zivilgesellschaftlichen und medialen Akteuren entscheidet im Kern darüber, ob Bürger in Demokratien diesen Vertrauen entgegenbringen. Das zumindest ist die zentrale Aussage von Richard Edelman während der mit der Atlantik-Brücke veranstalteten Präsentation des Edelman Trust Barometers 2020. Vor etwa 150 Gästen in Berlin, die von Dr. David Deißner, Geschäftsführer der Atlantik-Brücke, begrüßt wurden, erklärte Edelman zunächst, dass sein Unternehmen für die renommierte Umfrage insgesamt 34.000 Teilnehmer in 28 Ländern online befragt hatte. Edelman führt die Trust-Barometer-Erhebung bereits seit 20 Jahren durch. Bei den Teilnehmern der Untersuchung unterscheidet das Unternehmen stets zwischen einer informierten Öffentlichkeit und einer breiten Öffentlichkeit. Zur informierten Öffentlichkeit zählen in diesem Modell Menschen im Alter von 25 bis 64 Jahren mit einem Hochschulabschluss, einem überdurchschnittlichen Haushaltseinkommen innerhalb der Top 25 Prozent und einem intensiven Medien- und Informationskonsum.</p>
<p>[related]Im Zentrum des Trust Barometers steht, ob und wie die befragten Bürger den vier Sektoren – Regierungen, Wirtschaftsunternehmen, Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Medien – vertrauen. Edelman schlussfolgerte anhand seiner Langzeitergebnisse, dass mehrere Ereignisse von internationaler bzw. globaler Bedeutung das Vertrauen erschüttert hätten. Dazu zählen unter anderem das gewalttätige Vorgehen des italienischen Staates gegen die Protestierenden während des G8-Gipfels in Genua 2001, der im Jahr 2003 einsetzende Irak-Krieg, die Finanz- und Wirtschaftskrise von 2007 an, das Aufkommen von Social-Media-Plattformen und der Kampf um Wahrheit und um die Deutungshoheit in Bezug auf Fakten mit den Wahlausgängen in den USA und Großbritannien jeweils in 2016.</p>
<h4>Ethisches Verhalten und Kompetenz sind die Basis für Vertrauen</h4>
<p>„Vertrauen basiert auf ethischem Verhalten und Kompetenz“, sagte Edelman und sprach zugleich eine zweite Dimension seines Vertrauensmodells an. Das Trust Barometer 2020 ermittelte eine Rekordzahl von Ländern, in denen die informierte und die breite Öffentlichkeit den vier genannten institutionellen Akteuren ungleich vertrauen. Konkret heißt das: 23 Märkte weisen zweistellige Lücken zwischen informierter und breiter Öffentlichkeit in Bezug auf den Trust-Index von Edelman auf. Für Deutschland beträgt diese Lücke einen Wert von 20; die USA weisen hier einen Wert von 8 auf. Es gebe ein globales, universelles Problem zwischen breiteren Bevölkerungsschichten und vermeintlichen Eliten, sagte Edelman.</p>
<p>Die größte Kluft tut sich in Bezug auf das Vertrauen in Wirtschaftsunternehmen auf. Die Vertrauenslücke hat hier global gesehen einen Wert von 15. Richard Edelman begründete dies mit dem persönlichen Status der befragten Bürger. „Die Menschen haben Angst vor Einkommensverlusten und davor, sozial zurückgelassen zu werden. Dies gilt für jede untersuchte Demokratie“, sagte Edelman. In jedem westlich geprägten Land geht eine Mehrheit der Teilnehmer Edelman zufolge davon aus, dass ihr Einkommen in fünf Jahren abnimmt. Sorgen über den Verlust des Arbeitsplatzes als Effekt zunehmender Automatisierung zeigten sich sowohl in vielen Industriezweigen als auch in Dienstleistungsbranchen. Autonomes Fahren von Automobilen und Lastkraftwagen sei nur ein Beispiel für diese Entwicklung.</p>
<h4><strong>Trust Barometer zeigt: Für Mehrheit richtet Kapitalismus mehr Schaden an, als Gutes zu stiften</strong></h4>
<p>Das Vertrauen der Teilnehmer im deutschen Markt ist insbesondere durch die Diesel-Affäre und die Krise der Deutschen Bank erschüttert worden, wie Edelman ausführte. „Die Deutschen fragen sich, ob ihr Land vertrauenswürdig ist“, sagte er. Global betrachtet, bejahe eine Mehrheit der Teilnehmer – und zwar 56 Prozent – die Aussage, dass Kapitalismus mehr Schaden anrichtet, als eine Kraft für Gutes zu sein. Edelman nannte diesen Befund „schockierend“. Was bedeutet das für die Zukunft der Arbeit generell? 83 Prozent der Bürger machten sich – ebenfalls global betrachtet – Sorgen über einen Arbeitsplatzverlust. Als eine der Ursachen dafür hob Richard Edelman den Mangel an Weiterbildung und fehlende Fähigkeiten hervor: „Diese 83 Prozent fühlen sich nicht hinreichend darauf vorbereitet, die Jobs der Zukunft ausführen zu können.“</p>
<p>Was Medien angeht, so vertrauten ihnen Edelman zufolge 49 Prozent der Studienteilnehmer in Deutschland, was einem Anstieg von 5 Prozentpunkten zum Trust Barometer 2019 entspricht. Im Vergleich zu den Vereinigten Staaten wies er auf die dortige, viel stärkere politische Polarisierung hin: Während in den USA etwa 70 Prozent der demokratischen Wähler Medien vertrauten, gelte dies dagegen nur für circa 30 Prozent der republikanischen Wähler. 76 Prozent aller Teilnehmer sagten, dass sie sich darüber Sorgen machten, dass falsche Informationen oder Fake News als Waffe genutzt werden. Dies entspricht einem Anstieg von 6 Prozentpunkten in Relation zu 2018.</p>
<h4><strong>Edelman: Vertrauen ist lokal verankert</strong></h4>
<p>Konsequenzen für mögliche Lösungen dieser Herausforderungen leitete Richard Edelman daraus ab, dass Akteure etwa in Bezug auf Klimawandel, Märkte für Selbstständige, Umweltschutzpolitik und die #MeToo-Bewegung die Zukunft vermehrt in die eigenen Hände nehmen würden. „Autorität sollte verteilt und gestreut werden“, forderte Edelman. Es sei Zeit für einen Wandel. Da Vertrauen lokal verankert sei, gelte es, eine Balance des Vertrauens zwischen der ethischen Ebene und der Kompetenz-Dimension wiederherzustellen. Wirtschaftsunternehmen werden zwar auf einer Skala von -50 bis +50 mit einer Punktezahl von +14 aus Sicht der Befragten als kompetent wahrgenommen. Sie hätten aber Nachholbedarf auf der ethischen Ebene. Dagegen weise der Trust Barometer aus Sicht der Teilnehmer Betrieben durchaus Kompetenz zu. Edelman plädierte dafür, dass sich Unternehmen wesentlich stärker auf Weiterbildung und Umschulung fokussieren, ebenso auf bessere Löhne und Gehälter ihrer Mitarbeiter. „Wirtschaftsunternehmen sind sehr gut darin, Werte zu schaffen und Kundenerwartungen zu erfüllen. In Bezug auf Fairness verhalten sie sich jedoch nicht optimal“, konstatierte Edelman. Zuverlässigkeit, Sinnhaftigkeit und vor allem Integrität als die drei ethischen Treiber der Vertrauensbildung gegenüber Unternehmen würden in Deutschland und global gesehen in Frage gestellt. Man könne auch die Frage stellen: Hat man es mit einer anständigen agierenden Wirtschaftsgemeinschaft zu tun?</p>
<p>Edelman empfahl diesem Sektor, zu zeigen, dass er leiten kann. Denn derzeit sei eine Leere in Bezug auf Führungsqualitäten zu beobachten. „Bürger wollen, dass die Wirtschaft in erster Linie den Arbeitnehmern zugutekommt – nicht den Interessenvertretern und den Kunden“, sagte Edelman. Es gehe letztlich um Werte für die Mitarbeiter. Vorstandsvorsitzende sollten aus Sicht des Global CEO von Edelman auch verstärkt Stellung zu gesellschaftspolitischen Themen beziehen, etwa zu den Rechten der LGBTQ-Gemeinschaft. „Die CEOs sind die entscheidende Schwelle hin zu mehr Vertrauen in Wirtschaftsunternehmen“, schloss Richard Edelman seinen Vortrag.</p>
<h4><strong>Röttgen und Lambsdorff diskutieren Ursachen von System-Defiziten in Demokratien  </strong></h4>
<p>In der daran anschließenden Podiumsdiskussion lenkten die Protagonisten den Blick auf die Verantwortung von Regierungen und Parlamenten im Kontext des Vertrauens von Bürgern in Schlüsselinstitutionen. Zunächst hielt Norbert Röttgen, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages und stellvertretender Vorsitzender der Atlantik-Brücke, fest: „Es gibt zwar kein ideologisches Misstrauen in das Konzept der sozialen Marktwirtschaft. Aber man sieht sehr häufig, wie das System aus Regierung und Wirtschaft auf Krisen nur reagiert. Das System ist außer Kontrolle geraten.“ Als Beispiel nannte der CDU-Bundestagsabgeordnete gegenüber Moderatorin Christiane Schulz, CEO Germany von Edelman, die Migrationskrisen. Bereits lange vor 2015 habe insbesondere die Europäische Union im Libanon, in Jordanien und im Jemen den Grad der Verzweiflung gesehen und sehe sie nach wie vor. Aber die Staatengemeinschaft habe dieser Krise nicht genug Beachtung geschenkt.</p>
<p>Auch Alexander Graf Lambsdorff, stellvertretender Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion und Mitglied im Vorstand der Atlantik-Brücke, stellte kritisch fest, dass das politische System sich weigere, in Krisen entschlossen zu handeln. Ursächlich dafür sei eine „Angst davor, Bürger zu beunruhigen“. Er gab ein anderes Beispiel für Vertrauensverlust und bemerkte am Gedenktag zur Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz vor 75 Jahren, dass sich die Europäische Volkspartei (EPP) weiter weigere, die Repräsentanten der ungarischen Partei Fidesz aus ihrer Fraktion des Europaparlamentes auszuschließen – und dies obwohl die Fidesz antisemitische Standpunkte vertrete.</p>
<p>Mit Blick auf mögliche Lösungen für vielfältige Krisen schlug Richard Edelman eine Zusammenarbeit von Regierungen, dem Wirtschaftssektor und NGOs vor. Ein Ergebnis einer stärkeren Kooperation könnte „idealtypisch“ in Steuererleichterungen für Unternehmen bestehen, die konsequent auf Umschulungsmaßnahmen für ihre Belegschaften setzen. Diesem Ansatz stimmte Graf Lambsdorff zu. Ein gesetzliches Rahmenwerk für das lebenslange Lernen fehle derzeit. Norbert Röttgen ergänzte, dass eine Vernetzung von Regierungen, Parlamenten, Unternehmen und zivilgesellschaftlichen Organisationen notwendige Kompetenzen erhalten und verbessern würde. Er sehe bislang einen Mangel an Kommunikation zwischen den Sektoren. Gerade diese sei aber wichtig, um Verantwortung zu übernehmen. Es sei jetzt erforderlich, eine „Partnerschaft zur verantwortungsvollen Führung“ zu schmieden. Westliche Demokratien müssten an Gestaltungskraft gewinnen, um besser auf Krisen vorbereitet zu sein.</p>
<p><a href="https://www.edelman.com/trustbarometer">Hier</a> finden Sie die globalen Ergebnisse des Trust Barometers 2020.</p>
<p><a href="https://www.edelman.de/research/edelman-trust-barometer-2020">Hier</a> sehen Sie die Kernergebnisse des Trust Barometers 2020 für Deutschland.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.atlantik-bruecke.org/deutsche-blicken-pessimistisch-in-die-zukunft/">Nur wer Haltung bezieht, genießt Vertrauen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.atlantik-bruecke.org">Atlantik-Brücke e.V.</a>.</p>
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