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	<title>Corona-Virus Archive - Atlantik-Brücke e.V.</title>
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		<title>Forschungsstrategien gegen Pandemien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[r.fehrenbach]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jan 2021 10:47:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Demokratie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die globale Corona-Epidemie führt die Notwendigkeit vor Augen, das menschliche Immunsystem besser zu verstehen. Darüber sprachen Wayne Koff, CEO des Human Vaccines Project, und Anja Langenbucher, Director Europe der Gates Foundation.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.atlantik-bruecke.org/wie-strategien-der-forschung-die-menschheit-im-zeitalter-der-pandemien-schuetzen/">Forschungsstrategien gegen Pandemien</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.atlantik-bruecke.org">Atlantik-Brücke e.V.</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die globale Corona-Epidemie führt die Notwendigkeit vor Augen, das menschliche Immunsystem besser zu verstehen. Darüber und über die Lehren der Krise sprachen Wayne Koff, CEO des Human Vaccines Project, und Anja Langenbucher, Director Europe der Bill &amp; Melinda Gates Foundation, in einer Diskussion der Atlantik-Brücke mit Karl-Theodor zu Guttenberg.</p>
<p><em>Von Robin Fehrenbach</em></p>
<p>Wissenschaftler rechnen schon länger mit dem Ausbruch einer Pandemie. Um so gut wie möglich darauf vorbereitet zu sein, arbeiten verschiedene Initiativen weltweit an der Schnittstelle von Genomforschung, Systembiologie und künstlicher Intelligenz (A.I.). Eine dieser Initiativen, das Human Vaccines Project (HVP), rief Wayne Koff 2016 an der Harvard University ins Leben. Heute fungiert er als dessen President und Chief Executive Officer. Das HVP entwickelte sich von der HIV-Forschung kommend. Mit einem globalen Netzwerk aus Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen verfolgen Koff und seine Mitstreiter ein visionäres Ziel. „Langfristig soll das Human Vaccines Project mit Hilfe von künstlicher Intelligenz ein Modell des menschlichen Immunsystems kreieren“, erläuterte Koff. Innerhalb eines Jahrzehnts, so Koffs Schätzung, würden Experten auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz ein solches Modell erschaffen können.</p>
<blockquote><p>Langfristig soll das Human Vaccines Project mit Hilfe von künstlicher Intelligenz ein Modell des menschlichen Immunsystems kreieren.[quoter]Wayne Koff[/quoter]</p></blockquote>
<p>[related]Ein zweiter bedeutender Akteur in der weltweiten Bekämpfung von Krankheiten ist die Bill &amp; Melinda Gates Foundation. Die Stiftung des Microsoft-Gründers und seiner Frau hatte ebenfalls lange vor dem Auftreten des Corona-Virus Sars-CoV-2 und der daraus resultierenden Lungenerkrankung Covid-19, die nach derzeitigen Erkenntnissen am 30. Dezember 2019 ihren Ursprung auf einem Wildtiermarkt in der chinesischen Metropole Wuhan nahm, vor dem Ausbruch einer weltweiten Epidemie gewarnt. Unter anderem ist die Stiftung darauf spezialisiert, die Entwicklung von Impfstoffen zu fördern. Die Gates Foundation unterstützt Koffs Arbeit im HVP. Anja Langenbucher, die Europa-Direktorin der Stiftung, hielt ein Plädoyer für multilaterale Zusammenarbeit. „Die Corona-Pandemie dient geradezu als Beispiel aus dem Lehrbuch, dass ein solch globales Problem nur global gelöst werden kann“, sagte sie in der von Karl-Theodor zu Guttenberg moderierten Diskussion. Der Bundesminister a.D. ist dem Human Vaccines Project verbunden.</p>
<h4>Die Effektivität des menschlichen Abwehrsystems verstehen</h4>
<p>Bei dem Bestreben, das menschliche Immunsystem zu entschlüsseln, sei die Corona-Pandemie sehr lehrreich gewesen, sagte Koff. Es stelle eine beispiellose wissenschaftliche Leistung dar, in weniger als einem Jahr eine Vakzine gegen das Corona-Virus entwickelt zu haben. Dennoch seien weiterhin viele Fragen unbeantwortet. Zum Beispiel: Warum sind Ältere besonders von dem Erreger betroffen? Oder: Warum vertragen manche Menschen die Impfung sehr gut? Warum haben andere wiederum Abwehrreaktionen? Es gebe ein „Universum an Rezeptoren“ in den Zellen des menschlichen Körpers und ein breites Spektrum an Reaktionen auf interne und externe Eindringlinge. Jeder der auf dem Planeten lebenden 7,7 Milliarden Menschen habe ein individuelles Immunsystem. Es existierten jedoch gemeinsame Regeln, nach denen das Immunsystem arbeitet. „Die am Abwehrsystem beteiligten Rezeptoren bilden gewissermaßen die Puzzleteile des A.I.-Modells, das wir erschaffen wollen“, erklärte Koff. Die Impfstoffe und die individuelle Reaktion des Immunsystems auf deren Verabreichung seien Werkzeuge dafür, die genaue Position und Funktion der Puzzleteile im Modell zu erhalten.</p>
<p>Vor einer Generation habe ein „transformativer Fortschritt“ darin bestanden, das menschliche Genom zu dekodieren. „Heute können wir mit Hilfe künstlicher Intelligenz die gewaltigen Datenmengen analysieren und interpretieren, so dass wir das Immunsystem verstehen, vor allem die Effektivität unseres Abwehrsystems“, erklärte Koff. Dank A.I. und maschinellem Lernen könne man bereits ein hohes Niveau an Sequenzierungen in Bezug auf verschiedene Erreger erreichen. Er sehe allerdings drei Hürden, die es zu überwinden gelte, um die Anstrengungen auf diesem Gebiet zu forcieren: das Bündeln der finanziellen Förderung – es werden Milliarden US-Dollar benötigt –, die Koordination internationaler Akteure und die Angleichung der verschiedenen globalen Initiativen. Die Mission des HVP sei jedoch zu erfüllen. Die Erforschung der genetischen Grundlagen des menschlichen Immunsystems wäre ein wissenschaftlicher Meilenstein.</p>
<blockquote><p>Je besser die Sequenzierung vonstatten geht, desto genauere Diagnose- und Analysetools lassen sich entwickeln. Dies kommt dem Monitoring des Verlaufs einer Pandemie zugute.[quoter]Anja Langenbucher[/quoter]</p></blockquote>
<p>Dabei geht es bei Weitem nicht nur um Corona-Viren. Die Bekämpfung und Behandlung von Polio, Malaria und diversen Krebsarten ist ebenso auf Knotenpunkte der Spitzenforschung und Entwicklung, auf technologischen Fortschritt angewiesen. „Je besser die Sequenzierung vonstatten geht, desto genauere Diagnose- und Analysetools lassen sich entwickeln. Dies kommt dem Monitoring des Verlaufs einer Pandemie zugute“, betonte Langenbucher. Die bereits bekannten Mutationen des Corona-Virus verdeutlichten dies. Es sei von größter Bedeutung nachzuvollziehen, wie sich das Virus verbreitet. Deshalb spiele Geopolitik eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von sicheren und wirksamen Impfstoffen. Ohne den Austausch von Wissen und Daten über Kontinente hinweg und ohne das gemeinsame Nutzen von Forschungsanlagen, Produktionsstätten und Lagerkapazitäten seien die Erfolgsaussichten viel geringer. Insbesondere weniger entwickelte Nationen in Afrika müssten angemessen versorgt werden mit Schutzausrüstung, Testmaterialien – und am Ende mit Impfstoffen.</p>
<h4>Moralischer Imperativ zu und ökonomische Interessen an globaler Zusammenarbeit</h4>
<p>Der viel diskutierte Impfstoff-Nationalismus und die Verteilungsdebatten stellten eine große Herausforderung dar, betonte Langenbucher. Es gebe nicht nur einen moralischen Imperativ, die Impfstoffe nicht ausschließlich der eigenen Bevölkerung zur Verfügung zu stellen. Vielmehr seien die ökonomischen Interessen daran, dass die Corona-Pandemie global gelöst wird, evident. „Wenn das Virus in einem weit entfernten Land mutiert, kommt es in einer globalisierten Welt wieder zu uns zurück“, warnte sie. Langenbucher empfahl, dass die G7 und die G20 den globalen Kampf gegen das Virus neben die Herausforderung des Klimawandels nach oben auf ihre Agenda setzen, was sich im „One Health Approach“ der führenden Industrienationen abzeichne. Die öffentliche Hand, der Privatsektor und NGOs sollten hier kooperieren, um politische, wirtschaftliche und wissenschaftliche Dynamik zu erzeugen.</p>
<p>Koff stimmte dieser Forderung zu. Es stelle sich nicht die Frage, ob ein neues Virus entsteht, sondern wann. Die Forschung wisse zwar, dass die Sterblichkeit bei Sars 10 Prozent beträgt und bei Mers 33 Prozent – jedoch nicht warum. „Ohne die grundlegenden Prinzipien des Immunsystems zu verstehen, sind wir äußerst verwundbar, was neu aufkommende Erreger angeht“, stellte Koff fest. Kurz vor der Veranstaltung wurde bekannt, dass sich weltweit bereits 100 Millionen Menschen mit dem Corona-Virus infiziert haben. Koff hält weitere „Hunderte Millionen“ an Infektionen mit Covid-19 für wahrscheinlich. „Also müssen wir doch alles dafür unternehmen, um vor die Kurve zu kommen“, betonte er.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Transatlantic Relationship during the Covid-19 Pandemic</title>
		<link>https://www.atlantik-bruecke.org/transatlantic-relationship-during-the-covid-19-pandemic/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[r.fehrenbach]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Apr 2020 08:54:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Demokratie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>On April 9, the American Council on Germany (ACG) and Atlantik-Brücke (AB) partnered to host the first in what will be a series of webinars. The Chairmen of the two organizations – Ambassador John B. Emerson and former Foreign Minister and Vice Chancellor Sigmar Gabriel – discussed a range of issues influencing the transatlantic relationship [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>On April 9, the American Council on Germany (ACG) and Atlantik-Brücke (AB) partnered to host the first in what will be a series of webinars. The Chairmen of the two organizations – Ambassador John B. Emerson and former Foreign Minister and Vice Chancellor Sigmar Gabriel – discussed a range of issues influencing the transatlantic relationship during the Covid-19 pandemic. The discussion was moderated by journalist Juliane Schäuble, the U.S. Correspondent for the daily <em>Der Tagesspiegel</em>. You can watch the conversation <a href="https://www.atlantik-bruecke.org/john-emerson-and-sigmar-gabriel-in-conversation/">here</a>.</p>
<p>The speakers could not address all of the questions posed during the event. They have responded to some of the questions in writing:</p>
<p><strong>Ambassador Emerson, Mr. Gabriel, do you think that the German approach to dealing with the crisis can or will be seen as a best practice/leadership role?</strong></p>
<p><strong>John B. Emerson</strong>: So far, yes, especially in terms of their ability – and willingness – to do comprehensive testing. The proof will be in how well the gradual re-opening of the economy goes. But there’s no question that providing fact-based, science-based, and non-politicized information to the public coupled with the formulation of clear and coherent public policy is a good model.</p>
<p><strong>Sigmar Gabriel</strong>: If we look only at how Germany is handling the crisis internally, things seem to be going in the right direction. We need to keep in mind, however, that we have been lucky enough to have some more time to prepare ourselves for the outbreak of the virus than other European countries. If we look at how Germany is dealing with the pandemic as a European leader, things look much worse. Germany has been much too slow and hesitant to come to the help of its allies and neighbors.</p>
<p><strong>Specific to Germany, since it seems to be weathering this situation comparatively well and was historically helped by the Marshall Plan, should it not take a leadership role in helping other countries in the EU like Spain and Italy? Specifically financial reconstruction, for example “Eurobonds” or “Corona-bonds.”</strong></p>
<p>[related] <strong>JBE:</strong> There is talk about a new Marshall Plan – but the focus should really be on the future of the European project, as Emmanuel Macron so starkly put it in his FT interview this past week. Sigmar Gabriel made note of this in our discussion. After marathon negotiations, European Finance Ministers signed off on massive aid packages to help cover the cost of healthcare during the corona crisis.</p>
<p>“Corona-bonds” are not easy. There are serious concerns in Germany about German taxpayers being “on the hook” for Italian, Spanish, or Greek debt is politically toxic. But perhaps a more creative approach can be developed.</p>
<p><strong>SG</strong>: On the one hand, it is a very basic humanitarian gesture to help those in need during a crisis. Germany’s success is built to no small part on the European Union, and now is the time to give back. We need to help because we can. However, we should also note that it is in our own best interest to make sure that Europe recovers – as a whole. If we leave countries behind, these countries will lose faith in the European idea. And if Europe falls apart, Germany, too, will suffer. Politicians need to communicate this very clearly – because citizens are understandably worried at a time like this.</p>
<p>We also need to make sure that the discussion about bonds does not turn into a very general discussion of mutualized debt. We need to discuss our help in this very specific context. This is an unprecedented situation, in which we do not want to burden the countries in need with high interest rates when they need to take out loans to pay for the damage caused by the pandemic.</p>
<p><strong>What are your opinions on the short-term future of the European project after seeing how EU member states have reacted to the Covid-19 pandemic?</strong></p>
<p><strong>JBE</strong>: See my answer to the previous question. Beyond that (and the idea of corona bonds), the EU member states will be judged in part by their actions taken to help struggling members deal with the public health crisis – and this includes providing personal protection equipment (PPE) for healthcare workers as well as medical equipment, and even hospital beds (i.e., taking patients from overwhelmed regions). But, it is not limited to the public health response. Direct financial aid to meet the challenge of the corona crisis AND support to drive economic recovery as the pandemic subsides will both be critical.</p>
<p><strong>SG</strong>: The outlook for Europe’s future is bleak if we are narrow-minded now and everyone thinks only of their own country. We need to take comprehensive action to help and make sure no country in Europe is left behind. Only then can we call ourselves a union.</p>
<p><strong>Regardless of one’s political vantage point (Right, Left, or otherwise), this crisis has highlighted the need for bureaucratic reform and efficiency in much of the West. What effects – positive or negative – will the response in the Euro zone have? And, what will be the response and impact to what is happening in Hungary?</strong></p>
<p><strong>JBE</strong>: The determinative factor will be whether at the end of the day people feel that government action served them well. This will obviously differ country by country, and region by region. If people end up angry at government incompetence or inaction, we might see a resurgence of populism and anti-Euro, anti-immigrant movements. On the other hand, it is not clear that authoritarian societies have handled this better than our messy democracies. Look at China – as the truth comes out, it becomes clearer that the lack of transparency and attempts to suppress the truth created a more dangerous situation for the populace – theirs and ours. On the other hand democracies like New Zealand, South Korea, Taiwan, and even Germany are getting good marks so far.</p>
<p>Regarding Hungary and Orban’s attempt to use these dual crises to consolidate his power, this will undoubtedly be a challenge for the EU.</p>
<p><strong>SG</strong>: I don’t think that a clunky and inefficient bureaucracy is the biggest weakness this crisis has revealed, in Europe or in the West as a whole. What the pandemic has shown is a lack of political will to work together. We are suffering from a “my nation first”-virus. Hopefully, as mentioned above, the European Union can come around and commit to shouldering this crisis together.</p>
<p>In managing the crisis, it is essential that democratic governments make sure people feel that they can trust the authorities – that they are well taken care of, that the necessary steps are being taken, and that all measures are communicated in a transparent fashion. If there is a sense of security and trust, and an understanding that we will all be better off if we work together, populists and authoritarian figures will have a hard time finding supporters.</p>
<p>As far as Hungary is concerned, Orban is clearly seizing the opportunity to establish himself as an authoritarian leader even more than before under the guise of managing the virus. The EU must react, but it also has to make sure not to make the Hungarian people pay for a political conflict during this crisis.</p>
<p><strong>How can/should the EU deal with power plays such as in Hungary?</strong></p>
<p><strong>JBE</strong>: I would defer to Sigmar on this and the prior question. Briefly, however, my sense is that right now there isn’t a lot it can be done other than raising concerns and focusing the EU’s efforts on the dual public health and economic crises facing Europe – and the world. Once we’ve moved beyond the immediate crisis, and see whether the disturbing policies imposed by the Orban government continue and whether they are in compliance with the EU’s governing principles, this will be a matter for debate and action. Hard to be more specific than that at this point.</p>
<p><strong>SG</strong>: Viktor Orban has shown before that he has no qualms about walking all over democratic procedures and institutions. His latest coup has been in line with his previous actions. The EU needs to ultimately send a clear signal to Orban. Ultimately, he will not react to diplomatic scolding. So the response has to be firm, but also measured. In the corona-crisis more than ever, Orban is holding his own people hostage.</p>
<p><strong>European nations, including Germany and the U.K., have been highly opportunistic in their approach to China vs US, with the Europeans weighing the size of the Chinese market more heavily than our historic shared principles. This was already the case when Obama was President. Trump’s policies aggravate this problem. How do we coordinate our China policies so as to move the CCP to shift its search for global dominance to global cooperation. The CCP is likely incapable of shifting its outlook without focused action by the West. What should Germany do to initiate a more unified front in the West to deal with China and the continuing threat of epidemics emerging from China?</strong></p>
<p><strong>JBE</strong>: Unquestionably the West would be better off coordinating its efforts to ensure that China plays by the rules when it comes to trade, commercial transactions, and the global economy in general. I think the pandemic and the initial lack of transparency coming from China will cause European nations to re-think this process. However, I see the U.S. continuing to go on its own regarding China until there is a change in administrations, either in 2020 or 2024. Look for expressions of increasing U.S. hostility toward China as we move toward the fall presidential election.</p>
<p><strong>SG</strong>: China is currently seizing the opportunity to consolidate its influence in the world at large by providing help and medical equipment to countries in need. In doing so, China is aiming to establish itself as a reliable and responsible power. This is precisely where the West has left a big gaping hole: taking responsibility globally. Europe needs to take on some of this global responsibility – ideally side by side with America. As long as the current administration is defining American interest very narrowly, though, it does not seem that we will stand a chance at acting together. The same goes for uniting our efforts vis-á-vis China in other respects. We would indeed be better off facing China together, as partners. This is only possible if we can respect each other’s outlook towards China while agreeing to consolidate our efforts.</p>
<p>Last but not least, epidemics can originate everywhere. It is not very helpful to play the blame game. We live in a globalized world, and we cannot turn back the clock – nor should we want to.</p>
<p><strong>Thanks for your thoughts on China. How do you see Russia responding to the crisis?</strong></p>
<p><strong>JBE</strong>: With a lack of transparency and by looking for opportunities to create more discord within Western democracies. Clearly the oil fight with the Saudi’s remains unresolved as well.</p>
<p><strong>SG</strong>: Just like China, Russia is using the crisis to try and establish its role as a globally responsible power by sending help to countries in need. This, of course, is not selfless. The European Union should see this as yet another wake-up call. Russia is following all signs of discord within the EU very closely, and is always happy to lend a helping hand where it senses weakness.</p>
<p><strong>Listening to the virologists and immunologists we could be in for a long road towards normality. What would Mr. Emerson and Mr. Gabriel see as a long-term strategy for economic and financial recovery, in particular with the aspect of an increasing and enormous debt burden?</strong></p>
<p><strong>JBE</strong>: I see a fitful re-opening of economies on a regional basis. The speed of this recovery will depend on the size and effectiveness of the various stabilization packages that are being implemented by national governments, the EU, and the central banks – as well as thorough testing and tracking. It will ebb and flow depending on future waves of the disease and progress on treatment for those who are infected as well as the ultimate development of a vaccine. Until then, social distancing will be largely a fact of life, as will wearing masks when engaging with others, and testing at the business, customer and local level, with no return of large events (think concerts, sporting events, hotel ballroom dinners and celebrations, etc.) until the development and wide distribution of a vaccine.</p>
<p>In terms of debt, we will see a real world test of whether Modern Monetary Theory, which essentially holds that deficit spending doesn’t matter in an economy that controls its own currency, is accurate or not!</p>
<p><strong>SG</strong>: Taking the European perspective, the long-term strategy starts with immediate emergency measures to help businesses of all sizes. This step is necessary to keep the unemployment rate under control. The statistics already show that almost ten million French people are working reduced hours as a result of the corona crisis, this equals every second employee in the private sector. The German federal government also expects several million employees on short-time work. So far, 725.000 applications have been filed. And data from Spain’s social security show that since mid-March 2020 about 900.000 people have lost their jobs due to the pandemic. In this highly challenging situation, it is crucial for the countries of the EU and the Euro zone to give their citizens a prospect of economic stability.</p>
<p>Right now we see heavy frictions when it comes to really receive money from funds, to get loans or to use guarantees to keep specific businesses running. So far, Germany has set up a package with the volume of 1.2 trillion euro in order to absorb the deepest economic shocks. The European Central Bank is also trying to prevent a tremendous recession from unfolding. With high probability, the EU and its member states will experience a setback regarding the debt burden. In this acute emergency, we have to accept increasing debt to some degree.</p>
<p>Regarding Germany specifically, we should not hesitate to use up to ten percent of our Corona-related debt burden to support Italy’s and Spain’s economies. These two EU member states have been hit the hardest by the pandemic.</p>
<p><strong>Can you comment on the dangers of increased social discrepancies and distortion this crisis might create? The wealthy might end up even wealthier by timely investing; the digitally educated will become even more digital with the majority of non-haves falling further behind. How to mitigate this?</strong></p>
<p><strong>JBE</strong>: Unquestionably the discussion of the disparities in society between the haves and the have nots will increase. If you don’t have access to broadband, how can you work from home; many jobs aren’t work at home capable in any event; if you don’t have shelter, how can you shelter in place? On and on. This will become an increasingly important discussion not only within specific countries but also between the developed and the developing world.</p>
<p><strong>SG</strong>: One lesson the Corona crisis drives home: Our education systems, our businesses, and our daily lives will become increasingly digital. We need to equip everyone with the necessary know-how and tools to participate in this highly complex and interconnected world – regardless of their economic background. The responsibility to educate lies with our governments and education systems, but also with employers and civil society.</p>
<p><strong>What can ACG and AB do jointly to address the issue of recovery after Covid-19? </strong></p>
<p><strong>JBE</strong>: We discussed this during the session. The German-American relationship is indispensable – and in times like this we must recognize that we face common global challenges (that know no international boundaries). In order to fully recover, we need to work together. ACG and Atlantik-Brücke can continue to serve as an important forum for dialogue and engagement across the Atlantic. This event with Sigmar Gabriel is the first in a series of conversations we will have in the coming weeks about the impact of Covid-19 on economics, politics, and society. We should also consider forming a working group to think about what the transatlantic partnership will look like after the pandemic.</p>
<p><strong>SG</strong>: The American Council on Germany and Atlantik-Brücke share a long history of strong cooperation. My impression so far is that both organizations offer their members and networks a lot of food for thought in this crisis. We analyze the Covid-19 pandemic from different perspectives that resonate with our transatlantic and Western mission. This video call between John Emerson and myself is a good example of how ACG and AB cooperate. We will continue to speak with American and German as well as other European experts to increase the exchange of knowledge and to discuss solutions to manage recovery from the pandemic. And of course, our institutions need your input and ideas for concrete action – maybe more than ever.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.atlantik-bruecke.org/transatlantic-relationship-during-the-covid-19-pandemic/">Transatlantic Relationship during the Covid-19 Pandemic</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.atlantik-bruecke.org">Atlantik-Brücke e.V.</a>.</p>
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		<title>„Man muss den Zahlen leider ins Auge sehen“</title>
		<link>https://www.atlantik-bruecke.org/man-muss-den-zahlen-leider-ins-auge-sehen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[r.fehrenbach]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Apr 2020 07:42:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Der Biochemiker Philipp Merkl rechnet für den Verlauf der Corona-Pandemie in den USA mit dem Schlimmsten. Er spricht über Gesundheitswesen an der Grenze.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.atlantik-bruecke.org/man-muss-den-zahlen-leider-ins-auge-sehen/">„Man muss den Zahlen leider ins Auge sehen“</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.atlantik-bruecke.org">Atlantik-Brücke e.V.</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Biochemiker und Virologe Philipp Merkl rechnet für den Verlauf der Corona-Pandemie in den USA mit dem Schlimmsten. Merkl, der auch an der Harvard Medical School gearbeitet hat, spricht im Interview über Gesundheitssysteme an der Kapazitätsgrenze, die Lage in Deutschland und internationale Solidarität in Zeiten der globalen Krise.</p>
<p><em>Von Robin Fehrenbach</em></p>
<p><strong>Herr Merkl, die USA sind das neue Epizentrum der Corona-Pandemie. Die Zahl der Infizierten in den Vereinigten Staaten übertrifft inzwischen China. Präsident Trump rechnet mit bis zu 100.000 Toten. Welchen Verlauf der Pandemie erwarten Sie für die USA?</strong></p>
<p>Aktuelle epidemiologische Modelle prognostizieren eine Zahl von 80.000 bis 200.000 Toten in den USA, sofern die ergriffenen Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie streng umgesetzt werden. Auch Dr. Anthony Fauci, Direktor des NIAID und Mitglied der Corona Task Force im Weißen Haus, geht von Zahlen in dieser Größenordnung aus, denen man leider ins Auge sehen muss. Worst Case-Szenarien von Mitte März, vor Ergreifung der Maßnahmen zur Eindämmung, sagten bis zu 2 Millionen Tote voraus, was wesentlich zum Umschwenken der Strategie der Administration beitrug.</p>
<p>[related]Grundsätzlich ist anzumerken, dass die Datengrundlage für die epidemiologischen Modelle zur Ausbreitung von SARS CoV-2 immer noch dünn ist, so dass die Prognosen fehlerbehaftet sind. Zudem ist unklar, wie hoch die Dunkelziffer der Infizierten, die die Vorhersagen maßgeblich beeinflusst, tatsächlich ist. Klar ist, dass die USA immer noch am Anfang der Epidemie stehen und eine rasante Entwicklung der Fallzahlen zu erwarten ist. Der Bundesstaat New York mit 20 Millionen Einwohnern hat heute Deutschland mit 82 Millionen Einwohnern in der Zahl der bestätigten Infektionen überholt. Dort ist das Gesundheitssystem punktuell bereits an der Kapazitätsgrenze. Laut Gouverneur Andrew Cuomo wird jede realistische Prognose des Verlaufs der Epidemie die medizinische Infrastruktur überfordern. Es ist davon auszugehen, dass sich dies in anderen Hotspots wie New Orleans, Chicago und Detroit fortsetzen wird. Der Ausgang der Pandemie in den USA wird auch wesentlich davon abhängen, ob Patienten aus derzeit besonders betroffenen Gebieten in anderen Landesteilen versorgt werden können, so lange dort noch Kapazitäten vorhanden sind bzw. ob Kapazitäten, auch personell, vor Ort verstärkt werden können.</p>
<blockquote><p>Klar ist, dass die USA immer noch am Anfang der Epidemie stehen und eine rasante Entwicklung der Fallzahlen zu erwarten ist.</p></blockquote>
<p><strong>Sie kennen das Gesundheitssystem der USA sehr gut und haben lange an der Harvard Medical School geforscht. Wie fällt ihr erstes Zwischenfazit aus, wenn Sie die gesundheitspolitische Reaktion der Amerikaner mit der Antwort Deutschlands auf die Covid-19-Krise vergleichen?</strong></p>
<p>Alle Staaten haben die Gefährlichkeit der Pandemie zunächst unterschätzt, das gilt für die USA wie für Deutschland. Die USA haben aber gerade zu Beginn des Infektionsgeschehens im eigenen Land auf Grund der Probleme mit den SARS CoV-2 Tests und der Haltung von Präsident Trump zusätzlich Zeit verloren. Bereits in der zweiten Januarhälfte wurde ein SARS CoV-2 Test von Virologen der Berliner Charité veröffentlicht und von der WHO freigegeben. Die CDC entschied aber, mit ihrem eigens entwickelten Test zu arbeiten, bei dem Anfang Februar festgestellt wurde, dass er fehlerhaft war. Andere, in universitären Labors entwickelte Testverfahren waren zu diesem Zeitpunkt von der FDA noch nicht zugelassen. Das führte in der Summe zu extrem wenigen Tests in den USA bis Ende Februar. Es ist daher im Vergleich zu Deutschland von einer deutlich höheren Dunkelziffer nicht entdeckter Infektionen in den USA auszugehen. Dies spiegelt sich sowohl im rasanten Zuwachs von bestätigten Infektionen in den USA als auch in der Anzahl der Todesopfer wider.</p>
<p>Von der US-Administration wurden zügig Grenzschließungen für Reisende aus besonders betroffenen Ländern angeordnet, die den Import von vielen Infizierten verhindert haben dürfte. Allerdings war die Epidemie zu diesem Zeitpunkt bereits im Land angekommen. Auf der anderen Seite hat die späte Schließung der Außen- und Binnengrenzen des Schengenraums die Ausbreitung der Epidemie in Europa begünstigt. In Deutschland konnte das Infektionsgeschehen abgesehen von den ersten Fällen in München nicht unter Kontrolle gehalten werden. Maßgeblich verantwortlich für die Entwicklung der deutschen Hotspots dürften infizierte Rückkehrer aus dem Skiurlaub, die Karnevalssaison und beginnende Frühlingsfeste sein.</p>
<blockquote><p>Deutschland hat so in der Summe im Vergleich zu den USA vermutlich etwas mehr Zeit gewonnen, um die medizinische Infrastruktur auf den Ansturm der Patienten vorzubereiten.</p></blockquote>
<p>Sowohl in den USA als auch in Deutschland ergriffen zunächst einzelne besonders betroffene Bundesländer bzw. -staaten, wie Kalifornien, New York oder Bayern die Initiative und führten restriktive Maßnahmen ein, was auch in der föderalen Struktur beider Länder begründet liegt. Da das Portfolio an Maßnahmen (Schulschließungen, social distancing, Verbot von Veranstaltungen, Ausgangssperren) bis heute in den USA je nach Bundesstaat sehr unterschiedlich umgesetzt wird und auch der Flugverkehr innerhalb des Landes weitgehend möglich ist, wird die weitere Ausbreitung derzeit nicht so effektiv unterbunden, wie durch die strikten Maßnahmen in Deutschland bzw. Europa. Deutschland hat so in der Summe im Vergleich zu den USA vermutlich etwas mehr Zeit gewonnen, um die medizinische Infrastruktur auf den Ansturm der Patienten vorzubereiten.</p>
<p><strong>Große Pharmaunternehmen suchen mit Hochdruck im Verbund mit Start-ups und Universitäten nach einem Impfstoff und einem Medikament gegen Covid-19. Auch der internationale Austausch und Kooperationsgedanke wird in der Krise nach und nach sichtbar. Wie bewerten Sie derzeit die Suche nach einem Impfstoff?</strong></p>
<p>Wie alle Experten derzeit betonen, ist mit der Verfügbarkeit eines Impfstoffs erst im nächsten Jahr zu rechnen. Impfstoffkandidaten auf verschiedener Basis werden bereits im Labormaßstab getestet. Doch der Weg über drei Phasen von klinischen Studien hinweg bis zur Zulassung ist langwierig. Selbst wenn ein Impfstoffkandidat zunächst vielversprechend scheint, so muss gewährleistet sein, dass er sicher und wirksam ist. Auch die Suche nach neuen antiviralen Medikamenten wird aus denselben Gründen Zeit benötigen. Der schnellste Erfolg könnte tatsächlich in bereits für andere Erkrankungen zugelassenen Medikamenten liegen. Ein inzwischen durch die Medien bekannt gewordenes Beispiel ist der Wirkstoff Remdesivir, der ursprünglich während der Ebola Epidemie 2013-2016 entwickelt wurde und in Einzelfällen Wirksamkeit gegen SARS CoV-2 zu zeigen scheint. Klinische Studien dazu laufen derzeit.</p>
<blockquote><p>Wenn einzelne Länder in dieser Krise primär ihr eigenes Wohl verfolgen, wird das im Gedächtnis der Bevölkerung nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Gerade deshalb ist es jetzt wichtig und richtig, dass Solidarität gelebt wird, wo es möglich ist.</p></blockquote>
<p>Was die internationale Kooperation betrifft, bin ich verhalten optimistisch. Die Zusammenarbeit zwischen akademischen Institutionen untereinander und auch zu Industriepartnern wird wie bisher weitgehend reibungslos laufen. Größere Sorgen bereitet mir die Kooperation im zwischenstaatlichen Bereich, exemplarisch ist hierfür der Vorfall um die Firma CureVac. Wenn einzelne Länder in dieser Krise primär ihr eigenes Wohl verfolgen, wird das im Gedächtnis der Bevölkerung nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Gerade deshalb ist es jetzt wichtig und richtig, dass Solidarität gelebt wird, wo es möglich ist. Ein gutes Beispiel dafür ist die Aufnahme von Patienten aus besonders betroffenen Gebieten innerhalb Europas in angrenzenden Ländern, solange es deren Kapazitäten noch zulassen. Das gebieten die Vernunft und die Menschlichkeit.</p>
<p><strong>Man muss davon ausgehen, dass virale Pandemien in einer globalisierten und hochgradig vernetzten Welt eher noch zunehmen werden. Bei allem Leid, bei aller Einschränkung hat doch die Corona-Krise im Grunde allen Staaten der Welt auch vor Augen gehalten, woran es unseren Gesundheitssystemen mangelt. Egal wie gut man ausgestattet war, fehlen Intensivbetten, medizinisches Schutzmaterial und nicht zuletzt das Personal, das derzeit weit über die Belastungsgrenze Leben rettet. Wo würden Sie nach der Krise ansetzen, um hier eine höhere Resilienz für künftige Pandemien aufzubauen?</strong></p>
<p>Offensichtlich war kein Staat der Welt ausreichend auf diese Pandemie vorbereitet. Bei der fälligen Anpassung der Pandemiepläne nach der Krise muss aber auch ein Schritt vorausgedacht werden. Bei allem Leid, das derzeit durch SARS CoV-2 verursacht wird, müssen wir uns vor Augen führen, dass es Viren gibt, die Erkrankungen mit weit höheren Mortalitätsraten hervorrufen. Wenn neue Pandemiepläne nun alleine an den Erfahrungen mit SARS CoV-2 ausgerichtet werden, würden sie bei noch gravierenderen Erkrankungen, bei Pandemien, die sich noch schneller ausbreiten, oder die ganz andere medizinische Ausrüstung benötigen, wieder ins Leere laufen.</p>
<p>Der Bundesinnenminister hat am 31. März angekündigt, dass zukünftig größere Mengen von Schutzausrüstung bevorratet werden sollen. Weiterhin soll die Produktion medizinischer Güter in Deutschland erhöht werden. Beide Ansätze sind grundsätzlich vollkommen richtig, die konkrete Umsetzung wird über den Erfolg entscheiden. Deutschland benötigt eine strategische Reserve für haltbare medizinische Güter analog zur Ölreserve und die industriellen Kapazitäten zu deren Herstellung im Notfall.</p>
<blockquote><p>Deutschland benötigt eine strategische Reserve für haltbare medizinische Güter analog zur Ölreserve und die industriellen Kapazitäten zu deren Herstellung im Notfall.</p></blockquote>
<p>Grundsätzlich ist die Politik auch dazu aufgerufen, Kosteneinsparungen, Personalabbau, Klinikschließungen und die Bezahlung von Pflegekräften im Gesundheitswesen zu hinterfragen. Der Abbau von Überkapazitäten für die alltägliche Versorgung muss gegen mangelnde Belastbarkeit im Krisenfall abgewogen werden. Ein Gesundheitssystem, das nur auf Wirtschaftlichkeit getrimmt ist, ist anfälliger in Krisenzeiten, wie in den USA oder im Vereinigten Königreich zu beobachten. Bei Klinikschließungen sollte geprüft werden, ob die Standorte als schnell reaktivierbare Notfallreserve im Schlafmodus vorgehalten werden können. Zusätzlich ist eine Strategie vorstellbar, auf Basis von eingelagerten, modularen, transportablen Einheiten im Krisenfall an Ort und Stelle Notfallkrankenhäuser aufzubauen, um so dynamisch reagieren zu können. Geschwindigkeit ist ein zentraler Faktor bei der Bekämpfung von Epidemien.</p>
<p>Neben nationalen Lösungen ist es meines Erachtens auch nötig, eine europäische Strategie zur Vorratshaltung notfallmedizinisch wichtiger Güter, zur Verteilung von Patienten auf andere Länder und zur europaweiten Abstimmung von Eindämmungsmaßnahmen zu entwickeln. Am 19. März hat die EU-Kommission in einem ersten Schritt die Schaffung einer strategischen Reserve von Schutzausrüstung, Impfstoffen, Geräten für die Intensivmedizin und Labormaterial angekündigt, was ich ausdrücklich begrüße.</p>
<p><strong>In einer beispiellosen Art und Weise haben moderne Industriestaaten das wirtschaftliche und öffentliche Leben quasi auf null heruntergefahren. Die Bundesregierung peilt aktuell den 20. April als Tag eines Wiedereintritts in die gesellschaftliche Normalität an. In den USA wird dagegen der 30. April diskutiert. Ab wann halten Sie es aus medizinischer Sicht für vertretbar, die allseits geltenden Einschränkungen stufenweise zu lockern?</strong></p>
<p>Derzeit kann keine seriöse Aussage getroffen werden, wann und in welchem Umfang die Beschränkungen aus medizinischer Sicht gelockert werden können, da die Wirksamkeit der getroffenen Maßnahmen noch nicht abschätzbar ist. Ausgehend von einer maximalen Inkubationszeit von 14 Tagen ist genau diese Zeitspanne der jeweilige Zeithorizont, der mindestens abzuwarten ist, bevor weitere Bewertungen vorgenommen werden können. Wie von Ministerpräsident Söder und Kanzleramtsminister Braun betont, kommt die Diskussion über eine Exit-Strategie daher jetzt zur falschen Zeit. Eine zu frühe Lockerung der Beschränkungen würde wieder zu einer unkontrollierbaren exponentiellen Zunahme der Infektionen führen und die bisherigen Maßnahmen ad absurdum führen.</p>
<p>Viele europäische Länder verfolgen eine Strategie zur Eindämmung, die als „Hammer and Dance“ beschrieben wird. Nachdem die Epidemie durch fortgesetzte Übertragung in der Bevölkerung außer Kontrolle geraten war, wird jetzt die Verringerung der Infektionszahlen durch den „Hammer“, die Summe aller derzeitigen Maßnahmen, erzwungen. Dies geschieht besonders im Hinblick darauf, dem Gesundheitssystem Zeit zur Vorbereitung zu verschaffen. Darauf folgt der „Tanz“ mit dem Virus, die Kontrolle lokaler Infektionsherde durch massives Testen im Umfeld der infizierten Personen und Isolationsmaßnahmen. Bestes Beispiel dafür sind die ersten in Deutschland aufgetretenen Fälle bei Mitarbeitern von Webasto, die lokal unter Kontrolle gehalten werden konnten.</p>
<blockquote><p>Eine zu frühe Lockerung der Beschränkungen würde wieder zu einer unkontrollierbaren exponentiellen Zunahme der Infektionen führen und die bisherigen Maßnahmen ad absurdum führen.</p></blockquote>
<p>Aus medizinischer Sicht ist somit klar, dass eine Lockerung erst in Betracht kommt, wenn die Neuinfektionsrate auf ein Maß gesunken ist, das für das Gesundheitssystem verkraftbar ist. Wann dies der Fall sein wird, ist noch nicht abschätzbar. Gleichzeitig müssen in diese Bewertung auch Experten anderer Disziplinen eingebunden werden, die z.B. Auswirkungen der Kontaktverbote auf die Psyche der Menschen beurteilen können.</p>
<p><em>Dr. Philipp Merkl ist Technology Manager an der Technischen Universität München. Seine Antworten in diesem Interview spiegeln nicht zwingend die Meinung seines Arbeitgebers wider. Zuvor forschte er als Postdoctoral Research Fellow an der Harvard Medical School. Merkl ist zudem Young Leader Alumnus der Atlantik-Brücke aus dem Jahrgang 2018.</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.atlantik-bruecke.org/man-muss-den-zahlen-leider-ins-auge-sehen/">„Man muss den Zahlen leider ins Auge sehen“</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.atlantik-bruecke.org">Atlantik-Brücke e.V.</a>.</p>
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		<title>Die Corona-Krise und die Trump-Administration</title>
		<link>https://www.atlantik-bruecke.org/wie-die-reaktion-der-trump-administration-auf-die-corona-pandemie-in-den-usa-bewertet-wird/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[r.fehrenbach]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Mar 2020 10:48:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Anthony Fauci]]></category>
		<category><![CDATA[CDC]]></category>
		<category><![CDATA[Corona-Pandemie]]></category>
		<category><![CDATA[Corona-Virus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Höhepunkt der Pandemie des Corona-Virus Sars-CoV-2 und der dazugehörigen Atemwegserkrankung Covid-19 ist noch nicht erreicht. Die USA entwickeln sich zunehmend zu einem neuen Epizentrum der weltweiten Krise. In unserem US Corona-Monitor werfen wir einen genaueren Blick auf die Reaktion der Regierung.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.atlantik-bruecke.org/wie-die-reaktion-der-trump-administration-auf-die-corona-pandemie-in-den-usa-bewertet-wird/">Die Corona-Krise und die Trump-Administration</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.atlantik-bruecke.org">Atlantik-Brücke e.V.</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Von Robin Fehrenbach</em></p>
<p>Der Höhepunkt der Pandemie des Corona-Virus Sars-CoV-2 und der dazugehörigen Atemwegserkrankung Covid-19 ist auch fast drei Monate nach der Entdeckung des Erregers in der chinesischen Stadt Wuhan noch nicht erreicht. Während die <a href="https://coronavirus.jhu.edu/map.html">aktuellen Fallzahlen von Infizierten und Toten der Johns-Hopkins University</a> zufolge in China auf eine leichte Entspannung im asiatischen Raum hindeuten und in Europa nach wie vor Italien und Spanien am stärksten von der Pandemie betroffen sind und sich Deutschland, Frankreich und Großbritannien auf eine Zuspitzung der Lage vorbereiten, entwickeln sich die Vereinigten Staaten zunehmend zu einem neuen Epizentrum der weltweiten Krise. Am 17. März dieses Jahres erfasste Covid-19 sämtliche US-Bundesstaaten, als letzter war West Virginia davon betroffen.</p>
<p>In der ersten Ausgabe unseres US Corona-Monitors werfen wir daher einen genaueren Blick auf die Reaktion der Regierung von Präsident Trump. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie unterschiedliche Experten und Entscheidungsträger aus gesundheitspolitischer, wirtschaftspolitischer und wissenschaftlicher Perspektive die Abwehrmaßnahmen bewerten.</p>
<h4>Wie schätzt das National Institute of Allergy and Infectious Diseases unter der Leitung von Dr. Anthony Fauci das gesundheitspolitische Krisenmanagement der Regierung ein?</h4>
<p>Die Corona-Pandemie hat US-Präsident Trump sichtbar dazu gezwungen, seinen bisherigen Kurs der Geringschätzung von insbesondere wissenschaftlicher Expertise zu verändern. Kostensenkungen im Gesundheitswesen und strukturelle Einschnitte wie die Auflösung des Nationalen Seuchenbekämpfungsrates im Weißen Haus unter Präsident Trumps Führung zeitigen heute negative Effekte, was eine robuste Antwort auf diese Krise angeht. Nach einem ersten Besuch der Seuchenschutzbehörde CDC in Druid Hills, Georgia Anfang März bezog die Regierung nach und nach mehr Fachexpertise ihrer Behörden in ihre Strategie gegen Covid-19 ein. So hält der Präsident mittlerweile täglich ein <a href="https://www.nytimes.com/2020/03/23/us/politics/coronavirus-trump-briefing.html">Update-Briefing zur Corona-Pandemie im Presseraum des Weißen Hauses</a> ab – ein Ort, an dem er in den drei Jahren seiner bisherigen Amtszeit zuvor äußerst selten vor den amerikanischen und internationalen Berichterstattern aufgetreten war.</p>
<p>[related]In den Briefings steht für die meiste Zeit Trump am Sprecherpult und informiert die Öffentlichkeit über die aktuelle Entwicklung. Doch die von ihm berufene Task Force unter der Leitung von Vize-Präsident Mike Pence zur Bekämpfung der Corona-Krise stützt sich inzwischen sehr auf die Ratschläge des National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID), einer Bundesbehörde unter der Leitung von <a href="https://www.niaid.nih.gov/about/director">Dr. Anthony Fauci</a>. Dieser hat seit 1984 insgesamt sechs US-Präsidenten gedient und unter anderem zu HIV und Aids, Tuberkulose, Malaria, Ebola und Zika geforscht. Das NIAID verfügt für das Haushaltsjahr 2020 über ein Jahresbudget von 5,9 Milliarden US-Dollar. Es ist nicht übertreiben, neben dem bereits erwähnten CDC das NIAID als nationale Instanz in der Covid-19-Pandemie zu betrachten. Dies erkennt Präsident Trump mittlerweile an.</p>
<p>Fauci verfolgt die Briefings neben Trump, die kurz vor der Prime Time der großen US-Fernsehsender mitunter bis zu 90 Minuten dauern, und gibt dann seine Einschätzung zur Lage ab. Dabei drückt er nicht nur Zustimmung zu Trumps Kommentaren aus, sondern bewahrt <a href="https://www.sciencemag.org/news/2020/03/i-m-going-keep-pushing-anthony-fauci-tries-make-white-house-listen-facts-pandemic">in beharrlicher Art und Weise</a> seine <a href="https://www.newyorker.com/magazine/2020/03/30/how-the-coronavirus-shattered-trumps-serene-confidence">Unabhängigkeit als Wissenschaftler und Behördenleiter</a> zugleich. Fauci hält das Corona-Virus für zehnmal so tödlich wie die saisonale Influenza-Grippe. Argumentative Unterfütterung für seine Sicht erhielt Fauci von einer <a href="https://www.imperial.ac.uk/news/196234/covid19-imperial-researchers-model-likely-impact/">Studie des Imperial College London</a>, die 2,2 Millionen am Corona-Virus gestorbene Amerikaner prognostiziert – auch angesichts eines angeschlagenen und durch die Pandemie überlasteten Gesundheitssystems.</p>
<p>Seitdem Trump diese Zahlen verinnerlicht hat, rät auch er nicht nur zu verstärkten hygienischen Maßnahmen, sondern auch zu einem strikten Social Distancing, zu dem derzeit alle Staaten der Welt greifen, um die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen und damit zeitlich zu strecken. Die gebündelte Kompetenz von Wissenschaftlern innerhalb des politischen Systems der Vereinigten Staaten entwickelt sich in diesen Tagen einer nie dagewesen Herausforderung auf allen Ebenen des Staates also zur Richtschnur des Handelns. Diese zumindest vorübergehende Akzeptanz von Fakten und evidenzbasierten Aussagen stellt eine neue Qualität für eine Administration dar, die den Begriff der „alternativen Fakten“ geprägt hat und damit der Debatte um eine postfaktische Welt neue Nahrung gegeben hat.</p>
<h4>Welche Positionen nehmen die Republikanische Partei und die Demokraten in Bezug auf die wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Trump-Administration im Kampf gegen Covid-19 ein?</h4>
<p>Zunehmend diskutieren weltweit Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft, was eigentlich mehr Schaden verursacht: das Corona-Virus oder die <a href="https://www.nytimes.com/2020/03/21/business/economy/coronavirus-recession.html">wirtschaftliche Rezession</a>. Zwischen den Vertretern der Republikaner und der Demokraten im US-Senat war zunächst auch <a href="https://wsjshop.com/products/the-wall-street-journal-monday-march-23-2020">um diese grundsätzliche Frage ein Streit entbrannt</a>. Die <a href="https://www.nytimes.com/2020/03/21/us/coronavirus-republicans-cash-payments.html">republikanischen Senatoren</a> um ihren Mehrheitsführer, Senator Mitch McConnell, unterstützten das Vorhaben der Trump-Regierung, ein insgesamt 1,3 Billionen US-Dollar schweres Hilfspaket zur Stabilisierung der Wirtschaft zu verabschieden.</p>
<p>Dagegen äußerten Repräsentanten der Demokratischen Partei unter der Leitung ihres Minderheitsführers, Senator Chuck Schumer, deutliche Kritik an diesem Plan. Das ursprüngliche Maßnahmenpaket nehme die Belange der Angestellten, denen Arbeitslosigkeit und der Verlust jeglicher Einnahmen drohen, sowie der Bundesstaaten, Kommunen und Krankenhäuser viel zu wenig in den Blick und konzentriere sich zu einseitig auf die Nöte der großen US-Konzerne wie beispielsweise des Flugzeugbauers Boeing, der Fluggesellschaften Delta Air Lines und United Airlines sowie des Technologieunternehmens General Electric.</p>
<p>Im Senat blieb es aber nicht bei den sonst üblichen Schuldzuweisungen beider Parteien. Sowohl die Republikaner als auch die Demokraten stimmten dafür, weiter an einem Kompromiss und der finalen Verabschiedung des Pakets zu arbeiten. Schließlich stimmten die Senatoren nach einer Einigung mit dem Weißen Haus mit 96:0 einem <a href="https://www.washingtonpost.com/us-policy/2020/03/24/trump-coronavirus-congress-economic-stimulus/">zwei Billionen US-Dollar umfangreichen Hilfspaket</a> zu. Dieses beinhaltet Einmalzahlungen von 1.200 Dollar an Angestellte mit einem Bruttojahreseinkommen von bis zu 75.000 Dollar, die Ausweitung von Arbeitslosengeld, die Unterstützung von kleinen Unternehmen mit Krediten in einem Volumen von 367 Milliarden Dollar und finanzielle Hilfen für Krankenhäuser. Noch muss das Repräsentantenhaus der Vorlage zustimmen, was als wahrscheinlich zu betrachten ist. Die Unterschrift von Präsident Trump unter das Gesetz gilt dagegen als Formsache.</p>
<p>Zuvor hatte die Sprecherin des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, angekündigt, dass ihre Fraktion an einer eigenen Gesetzesinitiative zur ökonomischen Abfederung der Folgen der Corona-Pandemie arbeite. Dies würde die Verabschiedung eines Gesetzes merklich verzögern.</p>
<blockquote><p>„Wir können nicht zulassen, dass das Heilmittel schädlicher ist als das Problem selbst.“[quoter]US-Präsident Donald Trump[/quoter]</p></blockquote>
<p>Unabhängig vom Hilfspaket für die amerikanische Wirtschaft beabsichtigt Präsident Trump, dass die meisten Unternehmen nach Ostern ihren Betrieb in den Vereinigten Staaten wieder voll aufnehmen und die Menschen an ihre Arbeitsplätze zurückkehren. „Wir können nicht zulassen, dass das Heilmittel schädlicher ist als das Problem selbst“, <a href="https://twitter.com/realDonaldTrump/status/1241935285916782593">schrieb Trump dazu auf Twitter</a>. Über dieses Vorhaben wird in den USA nun intensiv debattiert. Der öffentliche Diskurs dürfte sich in den nächsten Tagen und Wochen schwerpunktmäßig darauf konzentrieren.</p>
<h4>Welche politischen Maßnahmen empfehlen führende amerikanische Think Tanks der Regierung und dem Kongress in der aktuellen Krise?</h4>
<p>Auch die professionelle Politikberatung in den USA beschäftigt sich in einem 24/7-Modus mit den Folgen des Corona-Virus und mit möglichen Lösungsansätzen für die Entscheidungsträger in Politik und Ökonomie.</p>
<p>Für die überparteiliche <a href="https://www.brookings.edu/blog/up-front/2020/03/23/covid-19-and-the-u-s-economy-faq-on-the-economic-impact-policy-response/">Brookings Institution</a> hat Jay Shambaugh die ökonomische Wirkung von Covid-19 und die generelle politische Reaktion auf die Pandemie untersucht. Shambaugh stellt zunächst fest, dass es für die Wirtschaft in den USA und das Wohlergehen der amerikanischen Bevölkerung entscheidend darauf ankommt, die Verbreitung von Sars-CoV-2 so stark wie möglich einzudämmen. Davon hänge der Erfolg aller anderen politischen Maßnahmen direkt ab. Die Geschwindigkeit der bereits feststellbaren Arbeitsplatzverluste überträfen das Tempo des Jobabbaus aus der Zeit der Großen Depression Ende der 1920er Jahre. Shambaugh rechnet mit einem schweren Einbruch der US-Wirtschaft, der sich aus seiner Sicht mindestens bis zum Ende des zweiten Quartals 2020 hinzieht. Sobald die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus wieder gelockert werden, stelle sich die Frage, ob die Wirtschaft wieder anspringt.</p>
<p>Die Maßnahmen der US-Notenbank Federal Reserve, über das Senken des Leitzinses auf nahezu 0 Prozent und einen einsetzenden Anleiheaufkauf im Sinne eines Quantitative Easing mehr Liquidität in die amerikanische Finanz- und Realwirtschaft zu pumpen, reichten nicht aus, schreibt Shambaugh weiter. Dafür seien die mangelnde Binnennachfrage, das Schließen von Geschäften und das heruntergefahrene Reisen zu gravierend. Deshalb komme es jetzt darauf an, von Seiten des Kongresses die schwersten Schocks für die US-Wirtschaft fiskalpolitisch abzufedern.</p>
<p>Die vordringlichste Aufgabe der Fiskalpolitik bestehe darin, den Menschen nach einem Arbeitsplatzverlust unmittelbar mit einem stärkeren sozialen Netz über die kommenden Monate zu helfen. Shambaugh rät des Weiteren zu einer Ausweitung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, die in den USA eher untypisch ist. Familien sollten darüber hinaus direkt mit finanziellen Mitteln versorgt werden, um private Haushalte so lange wie möglich liquide zu halten.</p>
<p>Kleinen und mittleren Unternehmen sollten direkte Kredite garantiert werden. Schließlich sollte die Bundesregierung den Bundesstaaten finanzielle Unterstützung etwa für medizinische Ausrüstung und Schutzkleidung (Atemschutzmasken, Handschuhe, medizinische Kittel) zukommen lassen – denn es seien gerade die Bundesstaaten, die an vorderster Front mit öffentlichen Gesundheitsmaßnahmen die Pandemie bekämpfen. All diese Maßnahmen zusammengenommen, würden das größte fiskalische Einzelpaket in der Geschichte der Vereinigten Staaten ergeben.</p>
<p>Robert Spalding analysiert für das der Republikanischen Partei nahe stehende <a href="https://www.hudson.org/research/15835-coronavirus-unmasks-america-s-real-national-security-vulnerabilities">Hudson Institute</a> die Implikationen der Corona-Pandemie für die nationale Sicherheit der USA. Die Anfälligkeit globaler Lieferketten mit ihrer granularen Arbeitsteilung an zahlreichen Orten der Welt zeige, wie wichtig eine industrielle Basis und Kapazitäten der Wertschöpfung im Inland als zentrale Komponente einer widerstandsfähigen nationalen Sicherheit seien. Amerika sei regelrecht abhängig von der Versorgung mit pharmazeutischen Produkten aus China, betont Spalding.</p>
<p>Industriepolitik, die die nationale Sicherheit unterstützt, beginne in den USA im Department of Defense. Dafür stehe auf rechtlicher Ebene beispielhaft der Defense Production Act. Spalding zieht als historische Referenz Präsident Eisenhowers Einsatz für das nationale Highway-System der USA zu Zeiten des Kalten Krieges heran. Auch jetzt in der Corona-Krise sollte die Regierung die Gelegenheit nutzen, die Infrastruktur des Landes zu ertüchtigen, vor allem ein Hochgeschwindigkeitsnetz für Züge und ein stabiles und modernes Stromnetz auszubauen. Ein solches Projekt würde private Investitionen im Umfang von Hunderten von Milliarden US-Dollar freisetzen.</p>
<p>Das Pentagon sollte darüber hinaus auch gezielt und verstärkt in Forschung und Entwicklung investieren, empfiehlt Spalding. Das US-Verteidigungsministerium sollte insbesondere Mittel für Bildungsstipendien im Bereich von Naturwissenschaften, Technologie, Ingenieurswissenschaften und Mathematik freigeben. Eine Lehre der Corona-Krise für strategische Sicherheitspolitik im globalen Kontext werde sein, Wirtschaftswachstum und Wohlstand durch kluge Industriepolitik im Inland in den Fokus zu rücken.</p>
<p>Das demokratische <a href="https://www.americanprogress.org/issues/early-childhood/news/2020/03/24/482086/u-s-coronavirus-response-must-meet-health-workers-child-care-needs/">Center for American Progress</a> (CAP) beleuchtet neben den wirtschaftspolitischen und sicherheitspolitischen Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie auch soziale und gesellschaftliche Aspekte, die ebenso dringend adressiert werden sollten. Cristina Novoa und Steven Jessen-Howard nehmen die Kinder von Eltern in systemkritischen Gesundheitsberufen in den Blick. Im Zentrum der Bereitschaft und Effektivität des Gesundheitssystems, schnell und angemessen auf eine Pandemie reagieren zu können, stehe in erster Linie das Personal in den Kliniken, also Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger.</p>
<p>Ein Großteil dieses Gesundheitspersonals – knapp fünf Millionen Mitarbeiter bzw. 29 Prozent des Personals – hat junge Kinder im Alter von unter 14 Jahren, die in der Phase geschlossener Schulen und Betreuungsprogramme nicht unbeaufsichtigt und unbetreut zu Hause bleiben können, berichten die Autoren auf der Basis neuester Datenauswertungen. Sie ziehen aus diesem Umstand die Schlussfolgerung, dass eine intelligente und verlässliche Kinderbetreuung fester Bestandteil von Notfallplänen sein müsse.</p>
<p>79 Prozent der fast fünf Millionen Angestellten in systemkritischen Gesundheitsjobs mit kleinen Kindern sind Frauen, wie die weitere Analyse des CAP ergibt. Dies gefährde den Arbeitseinsatz dieser Mütter und setze das ohnehin angespannte Gesundheitssystem unter zusätzlichen Druck. Hinzu komme das schwerwiegende strukturelle Problem, dass eine Kinderbetreuung für die meisten Mitarbeiter des amerikanischen Gesundheitssektors kaum zu finanzieren sei. Daher fordern die Autoren die Bundesregierung dazu auf, in ihrem Rettungspaket finanzielle Mittel für eine geregelte Kinderbetreuung der Mitarbeiter im Gesundheitswesen zu berücksichtigen.</p>
<h5>Quellen und weiterführende Lektüre</h5>
<p><a href="https://wsjshop.com/products/the-wall-street-journal-monday-march-23-2020">Jennifer Calfas, Natalie Andrews, Lindsay Wise: Partisan Clash Delays Rescue Bill.</a> The Wall Street Journal, 23. März 2020.</p>
<p><a href="https://www.sciencemag.org/news/2020/03/i-m-going-keep-pushing-anthony-fauci-tries-make-white-house-listen-facts-pandemic">Jon Cohen: ‘I’m going to keep pushing.’ Anthony Fauci tries to make the White House listen to the facts of Pandemic.</a> Science, 22. März 2020.</p>
<p><a href="https://www.imperial.ac.uk/news/196234/covid19-imperial-researchers-model-likely-impact/">Dr. Sabine L. van Elsland, Ryan O’Hare: COVID-19: Imperial Researchers model likely impact of public health measures.</a> Imperial College London, 17. März 2020.</p>
<p><a href="https://coronavirus.jhu.edu/map.html">Johns Hopkins University &amp; Medicine: Corona-Virus COVID-19 Global Cases by the Center for Systems Science and Engineering (CSSE) at Johns Hopkins University.</a> Coronavirus Resource Center at Johns Hopkins University, abgerufen am 24. März 2020.</p>
<p><a href="https://www.nytimes.com/2020/03/21/us/coronavirus-republicans-cash-payments.html">Carl Hulse: Push for Cash in Rescue Package Came From Unlikely Source: Conservatives.</a> The New York Times, 21. März 2020.</p>
<p><a href="https://www.nytimes.com/2020/03/23/us/politics/coronavirus-trump-briefing.html">Annie Karni: In Daily Coronavirus Briefing, Trump Tries to Redefine Himself.</a> The New York Times, 23. März 2020.</p>
<p><a href="https://www.niaid.nih.gov/about/director">National Institute of Allergy and Infectious Diseases: Anthony S. Fauci, M.D., NIAID Director.</a> NIAID, abgerufen am 24. März 2020.</p>
<p><a href="https://www.americanprogress.org/issues/early-childhood/news/2020/03/24/482086/u-s-coronavirus-response-must-meet-health-workers-child-care-needs/">Cristina Novoa, Steven Jessen-Howard: The U.S. Coronavirus Response Must Meet Health Workers’ Child Care Needs.</a> Center for America Progress, 24. März 2020.</p>
<p><a href="https://www.newyorker.com/magazine/2020/03/30/how-the-coronavirus-shattered-trumps-serene-confidence">David Remnick: How The Coronavirus Shattered Trump’s Serene Confidence.</a> The New Yorker, 22. März 2020.</p>
<p><a href="https://www.nytimes.com/2020/03/21/business/economy/coronavirus-recession.html">Nelson D. Schwartz: Coronavirus Recession Looms, Its Course ‘Unrecognizable’.</a> The New York Times, 21. März 2020.</p>
<p><a href="https://www.brookings.edu/blog/up-front/2020/03/23/covid-19-and-the-u-s-economy-faq-on-the-economic-impact-policy-response/">Jay Shambaugh: COVID-19 and the US economy: FAQ on the economic impact &amp; policy response.</a> The Brookings Institution, 23. März 2020.</p>
<p><a href="https://www.hudson.org/research/15835-coronavirus-unmasks-america-s-real-national-security-vulnerabilities">Robert Spalding: Coronavirus Unmasks America’s Real National Security Vulnerabilities.</a> The Hudson Institute, 17. März 2020.</p>
<p><a href="https://www.washingtonpost.com/us-policy/2020/03/24/trump-coronavirus-congress-economic-stimulus/">Erica Werner, Mike DeBonis, Paul Kane, Jeff Stein: Senate, White House reach $2 trillion stimulus deal to blunt coronavirus fallout.</a> The Washington Post, 25. März 2020.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.atlantik-bruecke.org/wie-die-reaktion-der-trump-administration-auf-die-corona-pandemie-in-den-usa-bewertet-wird/">Die Corona-Krise und die Trump-Administration</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.atlantik-bruecke.org">Atlantik-Brücke e.V.</a>.</p>
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		<title>„Wir brauchen eine westliche Antwort auf die Pandemie“</title>
		<link>https://www.atlantik-bruecke.org/wir-brauchen-eine-westliche-antwort-auf-die-pandemie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[r.fehrenbach]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Mar 2020 10:36:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft & Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Alexander Kekulé]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgangssperre]]></category>
		<category><![CDATA[Corona-Pandemie]]></category>
		<category><![CDATA[Corona-Virus]]></category>
		<category><![CDATA[Covid-19]]></category>
		<category><![CDATA[David Deißner]]></category>
		<category><![CDATA[Sars-CoV-2]]></category>
		<category><![CDATA[Sigmar Gabriel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Virologe Prof. Dr. Alexander Kekulé fordert im Gespräch mit Sigmar Gabriel einen demokratischen Umgang mit der Corona-Pandemie.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Pandemie des Corona-Virus Sars-CoV-2 und die dazugehörige Atemwegserkrankung Covid-19 fordern sämtliche Akteure der Weltbevölkerung heraus, also Politik, Wirtschaft, Medizin und Gesellschaft gleichermaßen. Im Transatlantic Call der Atlantik-Brücke fordert <a href="https://www.kekule.com/blog/coronavirus-update/living-with-corona/">Professor Dr. Alexander Kekulé, Inhaber des Lehrstuhls für Medizinische Mikrobiologie und Virologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg</a>, im Gespräch mit Sigmar Gabriel, Vorsitzender der Atlantik-Brücke, und Dr. David Deißner, Geschäftsführer der Atlantik-Brücke, von den transatlantischen Partnern einen westlichen Umgang mit der Corona-Pandemie.</p>
<p>Dazu zählen für den Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle (Saale) vier Säulen, die eine solche Reaktion auf die Gesundheitskrise tragen sollten: ein aufgeklärter, liberaler Stil im Gegensatz zur autoritären Antwort der Volksrepublik China auf das Corona-Virus, eine demokratische Legitimation sämtlicher Maßnahmen, eine transparente Kommunikation aller Beteiligten und ein stabiles Grundvertrauen in die Intelligenz und Bereitschaft zu konkreten Schritten des Volkes. Kekulé und Gabriel diskutierten auch die Möglichkeit einer Ausgangssperre, deren rechtliche Grundlage und psychologische Folgen für eine moderne Industriegesellschaft wie Deutschland.</p>
<p>Das Gespräch zum Nachhören:</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.atlantik-bruecke.org/wir-brauchen-eine-westliche-antwort-auf-die-pandemie/">„Wir brauchen eine westliche Antwort auf die Pandemie“</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.atlantik-bruecke.org">Atlantik-Brücke e.V.</a>.</p>
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