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	<title>Europäische Verteidigung Archive - Atlantik-Brücke e.V.</title>
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	<title>Europäische Verteidigung Archive - Atlantik-Brücke e.V.</title>
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		<title>Warum neue Player über Europas Sicherheit  entscheiden</title>
		<link>https://www.atlantik-bruecke.org/warum-neue-player-ueber-europas-sicherheit-entscheiden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mateusz Borkowski]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Mar 2026 13:14:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sicherheit & Geopolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Sub-Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Außen- und Sicherheitspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehr]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Schwere Plattformen, lange Beschaffungszyklen, schwerfällige Institutionen: Sven Weizenegger, Leiter des Cyber Innovation Hub der Bundeswehr, erklärt, warum Europa den Wettbewerb um Talente und Technologien nicht aus Mangel an Ideen verliert, sondern an seinen eigenen Strukturen scheitert.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.atlantik-bruecke.org/warum-neue-player-ueber-europas-sicherheit-entscheiden/">Warum neue Player über Europas Sicherheit  entscheiden</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.atlantik-bruecke.org">Atlantik-Brücke e.V.</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Schwere Plattformen, lange Beschaffungszyklen, schwerfällige Institutionen: <strong>Sven Weizenegger</strong>, Leiter des Cyber Innovation Hub der Bundeswehr, erklärt, warum Europa den Wettbewerb um Talente und Technologien nicht aus Mangel an Ideen verliert, sondern an seinen eigenen Strukturen scheitert.</em></p>
<p>Verteidigung löst im öffentlichen Diskurs noch immer Reflexe aus: Bilder von schweren Plattformen, komplexen Beschaffungsprozessen und schwerfälligen Institutionen dominieren. Doch dieses Verständnis greift zu kurz. Moderne Kriegsführung befindet sich in einem fundamentalen Umbruch – technologisch, strukturell und strategisch.</p>
<p>Tatsächlich entwickelt sich Verteidigung zu einem der dynamischsten Technologiefelder unserer Zeit. Die zentrale Frage lautet längst nicht mehr, ob Technologie die Kriegsführung verändert, sondern wer die Systeme entwickelt, die in wenigen Jahren über Sicherheit und Handlungsfähigkeit in Europa entscheiden.</p>
<h4>Vom Produkt zur Fähigkeit</h4>
<p>[related] Ein Kernproblem liegt im tradierten Verständnis von Beschaffung. Über Jahrzehnte hinweg war Verteidigung auf den Erwerb von Produkten ausgerichtet: Plattformen, Hardware, klar definierte Systeme mit langen Lebenszyklen. Doch moderne Einsatzrealität verlangt etwas anderes. Gefragt sind heute adaptive Fähigkeitspakete, die sich kontinuierlich weiterentwickeln. Software wird zum zentralen Element. Systeme bestehen nicht mehr aus abgeschlossenen Einheiten, sondern aus vernetzten Architekturen, sogenannten „System-of-Systems“.</p>
<p>Ein Drohnensystem ist in diesem Kontext kein statisches Produkt mehr, sondern ein dynamischer Software-Stack mit angeschlossener Hardware. Es benötigt regelmäßige Updates, schnelle Iterationen und unmittelbares Nutzerfeedback. Ebenso entscheidend ist die Bedienbarkeit: Systeme, die im Einsatz nicht intuitiv funktionieren, verlieren unabhängig von ihrer technischen Qualität an Wert. Wer weiterhin auf die Logik klassischer Produktbeschaffung setzt, riskiert, an den Anforderungen moderner Kriegsführung vorbeizuarbeiten.</p>
<h4>Strukturelle Trägheit als Ergebnis politischer Entscheidungen</h4>
<p>Die oft kritisierte Langsamkeit bestehender Systeme ist kein Zufall. Sie ist das Resultat politischer Prioritätensetzungen der vergangenen Jahrzehnte. Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde gezielt auf Stabilität, Effizienz und Risikominimierung optimiert. Das heutige System erfüllt genau diese Anforderungen. Aber es ist nicht auf Geschwindigkeit ausgelegt. Mit der Rückkehr geopolitischer Spannungen und einer zunehmend dynamischen Bedrohungslage verschiebt sich jedoch der Maßstab. Technologische Entwicklungen und operative Anforderungen verändern sich in immer kürzeren Zyklen. Systeme, die in Jahrzehnten denken, geraten unter Anpassungsdruck. Die notwendige Beschleunigung ist daher weniger eine technische als vielmehr eine politische und strukturelle Frage.</p>
<h4>Innovationsdynamik und industrielle Realität</h4>
<p>Technologische Sprünge entstehen häufig außerhalb etablierter Strukturen. Neue Unternehmen können ohne institutionellen Ballast agieren, iterieren schneller und denken Lösungen konsequent vom Problem her. Etablierte Akteure hingegen sind auf Stabilität und langfristige Verpflichtungen ausgerichtet. Neue<br />
Technologien bedeuten für sie häufig tiefgreifende Anpassungen bestehender Geschäftsmodelle und Prozesse.</p>
<p>Daraus ergibt sich kein Gegensatz, sondern ein Spannungsfeld: Innovation entsteht oft bei neuen Akteuren, während Skalierung, Integration und langfristiger Betrieb die Stärken etablierter Strukturen bleiben. Die strategische Herausforderung besteht darin, beide Welten wirksam miteinander zu verbinden.</p>
<h4>Der Wettbewerb um Talente und Technologien</h4>
<p>Gerade an dieser Schnittstelle zeigt sich eine Schwäche des europäischen Systems. Viele technologiegetriebene Unternehmen, die Lösungen für sicherheitsrelevante Fragestellungen entwickeln, finden in Europa nur eingeschränkt geeignete Rahmenbedingungen vor. Entscheidend sind dabei zwei Faktoren: der Zugang zu ersten Aufträgen und der direkte Kontakt zu Nutzern. Fehlen diese, bleibt Innovation im frühen Stadium stecken.</p>
<p>Lange Beschaffungszyklen und komplexe Verfahren erschweren es jungen Unternehmen, tragfähige Geschäftsmodelle aufzubauen. Andere Innovationsökosysteme setzen hier gezielt an: mit schnellen Pilotprojekten, frühen Vertragsmöglichkeiten und klaren Zugängen zu Anwendern. Die Folge: Talente und Unternehmen orientieren sich zunehmend an Standorten, die schnellere Umsetzung ermöglichen. Europa verliert diesen Wettbewerb nicht aus Mangel an Ideen, sondern aufgrund struktureller Rahmenbedingungen.</p>
<h4>Systemische Filtereffekte</h4>
<p>Diese Rahmenbedingungen wirken wie ein Filter. Komplexität, Intransparenz und lange Entscheidungsprozesse begünstigen etablierte Akteure, während neue Unternehmen häufig an Markteintrittsbarrieren scheitern. Das System selektiert damit strukturell gegen Geschwindigkeit. Gerade jene Akteure, die durch neue Ansätze und kurze Entwicklungszyklen zur Anpassungsfähigkeit beitragen könnten, finden oft keinen Zugang. Gleichzeitig verstärken bestehende Prozesse die<br />
Dominanz etablierter Strukturen. Das Ergebnis ist ein Innovationssystem, das sein eigenes Potenzial nicht vollständig ausschöpft.</p>
<h4>Von der Absicht zur operativen Wirkung</h4>
<p>Zahlreiche Initiativen zeigen, dass die Notwendigkeit von Innovation erkannt wurde. Strategiepapiere, Programme und Organisationseinheiten sind vorhanden. Entscheidend ist jedoch die operative Umsetzung. Wirksame Innovation erfordert konkrete Mechanismen: die Übersetzung realer Bedarfe in umsetzbare<br />
Problemstellungen, den schnellen Einsatz von Lösungen im Feld sowie die systematische Überführung erfolgreicher Ansätze in die Breite.</p>
<p>Genau hier liegt das Alleinstellungsmerkmal des Cyber Innovation Hub der Bundeswehr. Als „Bundeswehr-Startup“ verfolgt er den Auftrag, unkonventionelle Lösungen für die Truppe zu identifizieren und umzusetzen. Der Ansatz ist bewusst operativ: nah am Nutzer, iterativ, ergebnisorientiert. Im Zentrum steht nicht die Entwicklung abstrakter Konzepte, sondern die konkrete Verbesserung von Fähigkeiten im Einsatz. Der Hub fungiert dabei als Brücke zwischen technologischer Innovation und militärischer Anwendung – und adressiert genau jene Schnittstelle, an der klassische Systeme an ihre Grenzen stoßen.</p>
<h4>Zeit als strategischer Faktor</h4>
<p>Moderne Kriegsführung ist zunehmend durch Geschwindigkeit geprägt. Die Fähigkeit, schnell zu lernen, anzupassen und umzusetzen, wird zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Zeit entwickelt sich damit zu einer strategischen Ressource. Innovationsfähigkeit bedeutet in diesem Kontext, technologische Entwicklungen nicht nur zu erkennen, sondern sie in operative Wirkung zu übersetzen. Unter realen Bedingungen und innerhalb kurzer Zeiträume. Neue Akteure spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie bringen Geschwindigkeit, neue Denkweisen und technologische Dynamik in ein System, das traditionell auf Stabilität ausgelegt ist.</p>
<h4>Fazit</h4>
<p>Die Transformation der Verteidigung ist in vollem Gange. Sie betrifft nicht nur Technologien, sondern auch Strukturen, Prozesse und Denkweisen. Für Europa ergibt sich daraus eine klare Herausforderung: ein Innovationsökosystem zu schaffen, das Geschwindigkeit ermöglicht, ohne Stabilität zu verlieren. Das neue Akteure integriert, ohne bestehende Stärken zu vernachlässigen. Und das aus Ideen schnell Wirkung werden lässt. Moderne Kriegsführung entscheidet sich nicht allein auf dem Gefechtsfeld, sondern in der Fähigkeit zur Anpassung. Oder zugespitzt formuliert: Neue Player sind kein Trend. Sie sind ein strategischer Faktor.</p>
<figure id="attachment_64923" aria-describedby="caption-attachment-64923" style="width: 184px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" class=" wp-image-64923" src="https://www.atlantik-bruecke.org/app/uploads/Sven_Weizenegger_Bild-e1774446136587-497x500.jpg" alt="" width="184" height="185" /><figcaption id="caption-attachment-64923" class="wp-caption-text">Sven Weizenegger</figcaption></figure>
<p><em>Sven Weizenegger leitet den Cyber Innovation Hub der Bundeswehr, der „Change Agent“ der deutschen Streitkräfte. In seiner Rolle agiert er als Chef-Transformator und Mittler zwischen zivilem und militärischem System. Das Ziel: die Bundeswehr durch digitale Exzellenz und technologische Souveränität für ihren Auftrag zur Landes- und Bündnisverteidigung zu befähigen.</em></p>
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		<title>Kann Europa aus Fehlern lernen?</title>
		<link>https://www.atlantik-bruecke.org/kann-europa-aus-fehlern-lernen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mateusz Borkowski]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Mar 2026 12:31:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sicherheit & Geopolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Sub-Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Außen- und Sicherheitspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehr]]></category>
		<category><![CDATA[Donald Trump]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Verteidigung]]></category>
		<category><![CDATA[NATO]]></category>
		<category><![CDATA[Wladimir Putin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Europa hat Putins Expansionsdrang unterschätzt, setzt weiter auf Trump  und versäumt es, aktiv zu gestalten: NATO-Veteranin Dr. Stefanie Babst über eine Serie politischer Fehlentscheidungen – und warum der Kontinent endlich den Mut zur Korrektur braucht.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.atlantik-bruecke.org/kann-europa-aus-fehlern-lernen/">Kann Europa aus Fehlern lernen?</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.atlantik-bruecke.org">Atlantik-Brücke e.V.</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Europa hat Putins Expansionsdrang unterschätzt, setzt weiter auf Trump als Vermittler und verharrt in der Reaktion statt zu gestalten. <strong>NATO-Veteranin Dr. Stefanie Babst</strong> über eine Serie politischer Fehlentscheidungen – und warum der Kontinent endlich den Mut zur Korrektur braucht.</em></p>
<p>Die Konsequenzen politischer Fehlentscheidungen sind häufig schwerwiegend und langfristig. Das gilt besonders für die zwischenstaatlichen Beziehungen. Ob die Gründe dafür in persönlicher Hybris, Ignoranz oder schlicht Torheit liegen, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Beispiele für fatale Fehlentscheidungen, die zu massiver Instabilität, Krisen und im schlimmsten Fall Krieg auf der Welt geführt haben, füllen ganze Geschichtsbücher. Und doch wiederholen sie sich stets.</p>
<p>[related] Europa, das sich jahrzehntelang als Hort von Frieden, Stabilität und Wohlstand verstand, ist davon nicht frei. Geflissentlich ignorierte es Russlands imperiale Expansionsgelüste. Spätestens 2008 bei dem Überfall Moskaus auf das benachbarte Georgien hätten Europas Regierende begreifen müssen, dass Präsident Putin nicht vor dem Einsatz massiver militärischer Gewalt zurückscheut, um seine Fantasien von der territorialen Wiederherstellung ‚russischer Größe‘ durchzusetzen. Dass er besonders die pro-europäische Ukraine im Visier hatte, konnte jeder sehen, der hinsehen wollte. Es war eine klassische Fehleinschätzung vieler Regierender in Europa, gerade auch in Deutschland, Putins strategische Ambitionen und seine Kriegsbereitschaft zu unterschätzen.</p>
<p>Die menschlichen, wirtschaftlichen, sozialen, finanziellen und ökologischen Folgen für die Menschen in der Ukraine sind immens. Es wird sicher länger als eine Generation dauern, bevor sich die Ukraine von Russlands Krieg erholen kann. Auch die strategischen Konsequenzen der brutalen militärischen Angriffe auf die Ukraine sind nicht abzusehen.</p>
<p>Dies liegt vor allem an einer zweiten Fehleinschätzung, an der die Mehrheit der europäischen Regierenden auch im 5. Kriegsjahr penetrant festhält: sie hoffen weiter, dass man den russischen Aggressor mit Hilfe von U.S. Präsident Trump zu einem irgendwie gearteten ‚Friedenskompromiss‘ überreden kann, vorausgesetzt, man provoziert Moskau nicht, beteiligt sich nicht direkt an dem Verteidigungskampf der Ukrainer und stellt Putin eine straffreie Koexistenz zwischen Russland und dem Westen in Aussicht. Die Realität zeigt jedoch, dass die Grundprämissen dieses Kalküls falsch sind. Wladimir Putin hat keinerlei Interesse daran, seine strategischen Ziele in Europa aufzugeben; und Präsident Trump ist weder daran interessiert, die Ukraine bei ihrer Verteidigung zu unterstützen noch sieht er in Putins Russland eine Sicherheitsbedrohung für Europa. So unterschiedlich Putin und Trump in ihrem Wesen auch sind: beide betrachten sich als Alpha-Männer, für die keine Regeln gelten. Europas Fehleinschätzung dieser beide zentralen Akteure bewirkt, dass es nach wie vor in einer reaktiven Ecke verharrt und über kaum ein sichtbares Gestaltungsvermögen mit Blick auf die künftige strategische Machtbalance auf dem europäischen Kontinent verfügt.</p>
<h4>Die Schritte in eine europäische Souveränität sind bislang klein und zögerlich</h4>
<p>Auf der anderen Seite des Atlantiks ist US-Präsident Trump dabei, die gesamte Region des Nahen Osten mit Krieg und Instabilität zu überziehen. Sein Waffengang gegen den Iran ist das Ergebnis krankhafter Hybris, einer Vielzahl von für ihn zentralen innenpolitischen Motiven und einer kompletten Fehleinschätzung der ethnisch-religiösen und politisch-wirtschaftlichen Komplexität des Nahen Ostens. Dass die Welt eine bessere ohne das brutale Mullah-Regime in Teheran wäre, ist unbestritten. Mit welchen Mitteln man es aber von außen wirkungsvoll beeinflussen oder gar grundsätzlich verändern könnte, welche globalen und regionalen Akteure sich notwendigerweise an einem solchen Unterfangen beteiligen müssten und mit welchen multiplen Folgen für den Iran selbst, das Machtgleichgewicht in der Region, internationalen Handelsströme und dergleichen mehr zu rechnen wäre – diese und weitere Fragen hat Trump großzügig ignoriert. Stattdessen hat er der Welt den Einsatz massiver militärischer Gewalt als alternativlos präsentiert.</p>
<p>Ohne den konkreten Ausgang des Irankrieges vorhersagen zu können, steht bereits heute eine Vielzahl von plausiblen Gründen um Raum, um den gemeinsamen Waffengang der USA und Israels gegen den Iran als eine weitere historische Fehlentscheidung einzuordnen.</p>
<p>Politische Fehlentscheidungen, wie wir sie seit einigen Jahren immer wieder erleben müssen, lassen sich hinreichend bedauern, kritisieren oder gut reden; die öffentlichen und politischen Reaktionen darauf variieren je nach Standpunkt. Theoretisch könnte man von unseren politischen Entscheidern aber auch erwarten, ihre Fehler einzugestehen und zu korrigieren. Zumindest ist das Eingestehen von Irrtümern im zwischenmenschlichen Bereich eine immer noch weit verbreitete Handlungsweise.</p>
<p>Bedauerlicherweise lassen die politischen Entscheider in Europa jedoch nicht erkennen, dass sie ihre Grundprämissen gegenüber Putins Russlands noch Trumps MAGA-Amerika überdenken. In vielen Hauptstädten wird zwar gerne und oft die Bereitschaft unterstrichen, eine größere europäische Souveränität zu entwickeln, aber die Schritte dorthin sind klein, zögerlich und benötigen zu viel Zeit. Darüber hinaus sind sie nicht an ein überzeugendes Narrativ gebunden, wie eine auf Demokratie und Rechtsstaatlichkeit basierende künftige europäische Sicherheitsordnung aussehen könnte.</p>
<p>Doch ohne die ernsthafte politische Bereitschaft der Europäer, Putins militärischen Expansionismus mit allen Mitteln und vor allem gemeinsam mit der Ukraine klare Grenzen aufzuzeigen, wird der Russlands Krieg gegen die Ukraine nicht enden. Ohne die Bereitschaft, sich von einem kleptokratischen Trump-Amerika abzugrenzen, das sich immer weiter in ein autokratisches System verwandelt, wird Europa nicht lernen, auf eigenen Beinen zu stehen. Wer argumentiert, dass ein überlegtes, aber konsequentes De-coupling von Amerika aus politischen, wirtschaftlichen und militärischen Gründen unmöglich ist, begrenzt nicht nur Europas Zukunftsaussichten, sondern auch die eigenen Gedankengänge. Und wer sagt, dass die regelbasierte Ordnung bedauernswerterweise tot sei und Europa nichts anderes übrig bliebe, als die reale Macht der ‚Dschungelkönige‘ Putin und Trump zu akzeptieren, der verstärkt den an vielen Orten bereits spürbar schwindenden Glauben an Europa. Fehler kann man korrigieren. Europa sollte den Mut dazu aufbringen.</p>
<p><em>Über die Autorin: <strong>Dr. Stefanie Babst</strong> ist eine deutsche Politikwissenschaftlerin, strategische Beraterin und Autorin. Sie war 22 Jahre im Internationalen Stab der NATO tätig – von 2006 bis 2012 als stellvertretende beigeordnete Generalsekretärin für Public Diplomacy, anschließend bis 2020 als Leiterin des strategischen Planungsstabs. Damit war sie die ranghöchste deutsche Frau im NATO-Hauptquartier. Heute arbeitet sie als Publizistin und Mitgründerin der Beratungsfirma Brooch Associates.</em></p>
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		<title>MSC 2026: Gemeinsame Verantwortung in unsicheren Zeiten</title>
		<link>https://www.atlantik-bruecke.org/msc-2026-gemeinsame-verantwortung-in-unsicheren-zeiten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[b.wild]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Feb 2026 17:39:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sicherheit & Geopolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Teaser]]></category>
		<category><![CDATA[Außen- und Sicherheitspolitik]]></category>
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		<category><![CDATA[Sicherheitskonferenz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sicherheitsfragen, Verteidigungstechnologie und gesellschaftliches Vertrauen: Die Atlantik-Brücke brachte bei der Münchner Sicherheitskonferenz Expertinnen und Experten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.atlantik-bruecke.org/msc-2026-gemeinsame-verantwortung-in-unsicheren-zeiten/">MSC 2026: Gemeinsame Verantwortung in unsicheren Zeiten</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.atlantik-bruecke.org">Atlantik-Brücke e.V.</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Sicherheitsfragen, Verteidigungstechnologie und gesellschaftliches Vertrauen: Die Atlantik-Brücke brachte bei der Münchner Sicherheitskonferenz Expertinnen und Experten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen.</em></p>
<p>[related] Die Atlantik-Brücke war auch dieses Jahr wieder mit mehreren Side-Events zu Gast bei der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC). In seiner Eröffnungsrede betonte Sigmar Gabriel, Vorsitzender der Atlantik-Brücke: &#8220;Die jüngsten Spannungen in den transatlantischen Beziehungen stellen eine große Herausforderung dar, insbesondere für Europa, und sorgen für Unsicherheit innerhalb des Bündnisses. Differenzen hinsichtlich der Lastenteilung, der Bedrohungswahrnehmung und wirtschaftlicher Fragen verdeutlichen die Fragilität unserer Partnerschaft. Mehr denn je muss Europa in seine eigene Sicherheit investieren, Abhängigkeiten reduzieren und seine Widerstandsfähigkeit gegenüber äußeren Einflüssen stärken. Deutschland kommt dabei eine zentrale Rolle zu und muss mehr Verantwortung für die Sicherheit Europas übernehmen.&#8221;</p>
<p>Den Auftakt der von der Atlantik-Brücke ausgerichteten Veranstaltungen bildete ein Abendessen, bei dem Ulrike Malmendier, Fabian Hoffmann und Nico Lange über „The Role of Private Wealth for the Future of Defense“ diskutierten. Es folgten Diskussionsrunden zu „Technology, Innovation &amp; Power“ mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik sowie ein Gespräch zwischen FBI-Vizedirektor Andrew Bailey und Atlantik-Brücke-Geschäftsführerin Julia Friedlander.</p>
<p>Weitere Programmhöhepunkte waren das traditionelle Female Network Event mit Bärbel Hestert-Vecoli (Edelman Deutschland), Zhanna Nemtsova (Boris Nentsov Foundation for Freedom) und Ann Cathrin Riedel (NeXT e.V.) zu den Herausforderungen demokratischer Institutionen unter Druck sowie die gemeinsame Präsentation des Edelman Trust Barometer mit der BMW Foundation Herbert Quandt und Edelman. Unterstützt wurde die Atlantik-Brücke dabei von langjährigen Partnern wie der BMW Foundation, DTCP Capital, KPMG und Gilead Sciences.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.atlantik-bruecke.org/msc-2026-gemeinsame-verantwortung-in-unsicheren-zeiten/">MSC 2026: Gemeinsame Verantwortung in unsicheren Zeiten</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.atlantik-bruecke.org">Atlantik-Brücke e.V.</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>MSC 2026: Verantwortung in unsicheren Zeiten</title>
		<link>https://www.atlantik-bruecke.org/msc-2026-gemeinsame-verantwortung-in-unsicheren-zeiten-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mateusz Borkowski]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Feb 2026 17:39:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sicherheit & Geopolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Sub-Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Außen- und Sicherheitspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Verteidigung]]></category>
		<category><![CDATA[MSC]]></category>
		<category><![CDATA[Sicherheitskonferenz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sicherheitsfragen, Verteidigungstechnologie und gesellschaftliches Vertrauen: Die Atlantik-Brücke brachte bei der MSC 2026 Expert*innen aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.atlantik-bruecke.org/msc-2026-gemeinsame-verantwortung-in-unsicheren-zeiten-2/">MSC 2026: Verantwortung in unsicheren Zeiten</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.atlantik-bruecke.org">Atlantik-Brücke e.V.</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Sicherheitsfragen, Verteidigungstechnologie und gesellschaftliches Vertrauen: Die Atlantik-Brücke brachte bei der Münchner Sicherheitskonferenz Expertinnen und Experten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen.</em></p>
<p>[related] Die Atlantik-Brücke war auch dieses Jahr wieder mit mehreren Side-Events zu Gast bei der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC). In seiner Eröffnungsrede betonte Sigmar Gabriel, Vorsitzender der Atlantik-Brücke: &#8220;Die jüngsten Spannungen in den transatlantischen Beziehungen stellen eine große Herausforderung dar, insbesondere für Europa, und sorgen für Unsicherheit innerhalb des Bündnisses. Differenzen hinsichtlich der Lastenteilung, der Bedrohungswahrnehmung und wirtschaftlicher Fragen verdeutlichen die Fragilität unserer Partnerschaft. Mehr denn je muss Europa in seine eigene Sicherheit investieren, Abhängigkeiten reduzieren und seine Widerstandsfähigkeit gegenüber äußeren Einflüssen stärken. Deutschland kommt dabei eine zentrale Rolle zu und muss mehr Verantwortung für die Sicherheit Europas übernehmen.&#8221;</p>
<p>Den Auftakt der von der Atlantik-Brücke ausgerichteten Veranstaltungen bildete ein Abendessen, bei dem Ulrike Malmendier, Fabian Hoffmann und Nico Lange über „The Role of Private Wealth for the Future of Defense“ diskutierten. Es folgten Diskussionsrunden zu „Technology, Innovation &amp; Power“ mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik sowie ein Gespräch zwischen FBI-Vizedirektor Andrew Bailey und Atlantik-Brücke-Geschäftsführerin Julia Friedlander.</p>
<p>Weitere Programmhöhepunkte waren das traditionelle Female Network Event mit Bärbel Hestert-Vecoli (Edelman Deutschland), Zhanna Nemtsova (Boris Nentsov Foundation for Freedom) und Ann Cathrin Riedel (NeXT e.V.) zu den Herausforderungen demokratischer Institutionen unter Druck sowie die gemeinsame Präsentation des Edelman Trust Barometer mit der BMW Foundation Herbert Quandt und Edelman. Unterstützt wurde die Atlantik-Brücke dabei von langjährigen Partnern wie der BMW Foundation, DTCP Capital, KPMG und Gilead Sciences.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.atlantik-bruecke.org/msc-2026-gemeinsame-verantwortung-in-unsicheren-zeiten-2/">MSC 2026: Verantwortung in unsicheren Zeiten</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.atlantik-bruecke.org">Atlantik-Brücke e.V.</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die teure Suche nach Verteidigungsfähigkeit</title>
		<link>https://www.atlantik-bruecke.org/die-teure-suche-nach-verteidigungsfaehigkeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[b.wild]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Dec 2025 08:32:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sicherheit & Geopolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Subsub-Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Verteidigung]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzierung]]></category>
		<category><![CDATA[Haushalt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.atlantik-bruecke.org/?p=74325</guid>

					<description><![CDATA[<p>Europa rüstet auf – doch zwischen geopolitischem Druck, fragmentierten Märkten und knappen Haushalten formiert sich ein neuer Verteilungsstreit, analysiert IW-Direktor Michael Hüther.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.atlantik-bruecke.org/die-teure-suche-nach-verteidigungsfaehigkeit/">Die teure Suche nach Verteidigungsfähigkeit</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.atlantik-bruecke.org">Atlantik-Brücke e.V.</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Europa rüstet auf – doch zwischen geopolitischem Druck, fragmentierten Märkten und knappen Haushalten formiert sich ein neuer Verteilungsstreit. Warum der Weg zu echter europäischer Verteidigungsfähigkeit weniger an militärischer Technik als an ordnungspolitischer und fiskalischer Einigung scheitert – und weshalb die Debatte über gemeinsame Finanzierung jetzt unausweichlich wird.</em></p>
<p><em>Von Prof. Dr. Michael Hüther</em></p>
<p>Drei Informationen inspirieren aktuell und grundsätzlich die Diskussion, wie Europa zu neuer Verteidigungsfähigkeit gelangen kann:</p>
<p>1) Das SIPRI veröffentlichte diese Woche, dass „2024 … die weltweiten Rüstungsumsätze den höchsten Punkt erreicht [haben], den wir jemals gemessen haben. Sie lagen bei 679 Milliarden US-Dollar“. Dabei konnten die 26 europäischen Konzerne den Umsatz um 13 Prozent und damit stärker als die 39 US-Wettbewerber steigern, deren Umsatz um 3,8 Prozent wuchs.</p>
<p>2) Die Verhandlungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich über dessen Beitritt zum 150 Milliarden Euro großen Verteidigungsfonds SAFE sind vorerst gescheitert.</p>
<p>3) Die Anzahl der Waffensysteme bei den europäischen Armeen liegt unverändert bei dem Vierfachen der USA; der europäische Markt für Verteidigungsgüter ist entsprechend fragmentiert.</p>
<h4><strong>Der Rüstungshochlauf hat bereits 2015 eingesetzt</strong></h4>
<p>Und er gewinnt nun weiter an Fahrt. Die europäischen NATO-Staaten stehen vor der Herausforderung, ihren Bedarf finanziell tragbar in überhitzten Märkten zu decken. Nachteilig wirkt sich aus, dass sie es nie geschafft haben, die Kleinteiligkeit der Aufträge zu überwinden. Die Militärs haben zudem offensichtlich ein Faible für Sonderausstattungen, obgleich die USA zeigen, dass es auch anders geht. Damit ergeben sich ganz andere Möglichkeiten der Skalierung, allerdings auch Abhängigkeiten von einzelnen oder wenigen Produzenten. Der erwähnte Umsatz für 2024 wurde weltweit von 100 Unternehmen erwirtschaftet.</p>
<h4><strong>Marktordnung für Aufrüstung</strong></h4>
<p>Es stellt sich die grundsätzliche Frage, wie die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie unter den obwaltenden Herausforderungen einer nachholenden und deshalb beschleunigten Aufrüstung in Europa nach ordnungspolitischen Kriterien zu beurteilen ist. Man wünschte sich einen wettbewerbsintensiven Markt, der den Auftraggebern vielen Optionen offeriert und situationsbedingte Zusatzrenditen vermeidet.</p>
<p>[related] Tatsächlich aber ist die Entwicklung der Wehrtechnik mit hohen Synergien in bestehenden Kooperationen und Konsortien verbunden, Kunde und Hersteller erfahren schnell eine wechselseitige Abhängigkeit. Entsprechend enthält der Vertrag über die Arbeitsweise der EU (Art. 346 AEUV) für die militärische Beschaffung eine Ausnahme von den Binnenmarktregeln.</p>
<p>Die 2017 etablierte ständige strukturierte Zusammenarbeit von Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (PESCO) hat bisher nicht zu einer wirksamen Skalierung von Rüstungsprojekten geführt. Denn immer noch dominieren nationale Vorschriften für den Export und den Transfer von Rüstungsgütern.</p>
<h4><strong>Bislang nur wenig Zusammenarbeit</strong></h4>
<p>Kooperationen von Rüstungsunternehmen – wie die deutsch-französische Zusammenarbeit für den „Panzer der Zukunft“ ab dem Jahr 2040 – bilden eher die Ausnahme und bieten im Übrigen angesichts des organisatorischen Rahmens keine Gewähr für funktionale Effizienzgewinne; immerhin erfolgte die Genehmigung seitens der EU-Kommission einigermaßen zügig. Doch die EU geht davon aus, dass derzeit rund 80 Prozent der Verteidigungsgüter auf nationaler Basis beschafft werden.</p>
<p>Passenderweise werden die Anstrengungen zu einer Beschleunigung der Beschaffungsverfahren national vorangetrieben, wie die entsprechende Gesetzesnovelle der Bundesregierung vom Sommer dieses Jahres zeigt.</p>
<h4><strong>Gemeinsamer Verteidigungsfonds</strong></h4>
<p>Der Verteidigungsfonds SAFE soll verbesserte Anreize für eine gemeinsame Beschaffung setzen. Doch die Einbindung der Briten, die während ihrer Mitgliedschaft jede Vertiefung verteidigungspolitischer Kooperation verhindert haben, ist bisher nicht gelungen. Dass die EU auf einen fairen Finanzierungsbeitrag setzt, der den erwartbaren wirtschaftlichen Nutzen und die Größe der Verteidigungsindustrie reflektiert, ist angesichts der Regelung, dass mindestens 65 Prozent der Aufträge Wertschöpfung in Europa schaffen sollen, grundsätzlich verständlich.</p>
<p>[related] Das kann man unter Wettbewerbsgesichtspunkten kritisch sehen, allerdings spricht die notwendige technologische Resilienz der europäischen Verteidigungsfähigkeit genau dafür. Die Erfahrungen mit Beschaffungen in den USA – wie seitens der Bundespolitik im März 2022 für die 35 F-35-Kampfjets beschlossen – zeigen die hohe Abhängigkeit von der Zustimmung der US-Regierung.</p>
<h4><strong>Eigene Förderbank</strong></h4>
<p>Ein jüngerer Vorschlag für die Mobilisierung einer stärker europäisch koordinierten Beschaffung bezieht sich auf eine spezielle Förderbank für die Finanzierung von Rüstungskäufen, eine EU-Rüstungsbank, analog zur Osteuropabank. Diese Idee gewinnt vor dem Hintergrund der finanziellen Restriktionen der öffentlichen Haushalte in der Eurozone in der Debatte an Bedeutung.</p>
<p>Die Staaten würden die Bank mit Kapital ausstatten, um auf dieser Basis eine bei gutem Rating günstig gehebelte Kreditvergabekapazität zu schaffen. Daraus würden dann beauftragende Staaten, aber auch investierenden Rüstungsunternehmen Finanzierungen zur Verfügung gestellt. So ließen sich Bestellungen bündeln und weltweit ausschreiben, was mit Blick auf das Resilienzargument kritisch erscheint.</p>
<h4><strong>Verteidigungsfähigkeit steht im Verteilungsstreit</strong></h4>
<p>Die Belastung der öffentlichen Haushalte kann am Ende nicht getarnt werden. Man wird deshalb an der politischen Diskussion und der gesellschaftlichen Auseinandersetzung über die künftige Aufteilung des Steueraufkommens für Staatsverbrauch und Verteidigung, also dem damit unvermeidbar verbundenen Verteilungsstreit nicht vorbeikommen. Denn auch die Bereichsausnahme für Verteidigung von der grundgesetzlichen Schuldenbremse ist längerfristig nicht tragfähig, wenn man einen dynamischen Anstieg der Schuldenquote vermeiden will.</p>
<p>Eine Rückführung der gesamten Verteidigungsausgaben in den Kernhaushalt des Bundes muss auf mittlere Frist angestrebt werden. Dafür sind bereits jetzt die budgetpolitischen Voraussetzungen einzusteuern. Die Verteidigungsfähigkeit steht im Verteilungsstreit. Geopolitik betrifft schließlich jeden.</p>
<p><em>Über den Autor:  Seit 2004 leitet Hüther das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Von 1995 bis 1999 war er Generalsekretär des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Zwischenzeitlich hat er im Privatsektor, bei der Deka-Bank, als Ökonom gearbeitet. Hüther ist stellvertretender Vorsitzender der Atlantik-Brücke.</em></p>
<p>Dieser Artikel wurde zuerst bei Süddeutsche Zeitung Dossier veröffentlicht.</p>
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		<title>„Eine Europäische Armee kann die NATO ergänzen – aber nie ersetzen“</title>
		<link>https://www.atlantik-bruecke.org/eine-europaeische-armee-kann-die-nato-ergaenzen-aber-nie-ersetzen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[r.fehrenbach]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Mar 2020 15:26:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Sicherheit & Geopolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehr]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnisfall]]></category>
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		<category><![CDATA[Faire Lastenteilung]]></category>
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		<category><![CDATA[Nuklearer Schutzschirm]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Anlässlich der Veröffentlichung seines Buches "Deutschland und das Europa der Verteidigung" spricht der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Hans-Peter Bartels, im Interview über die großen Sicherheitsrisiken unserer Zeit und warum Deutschland zum Beginn der neuen Dekade seine geopolitische Rolle finden muss.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.atlantik-bruecke.org/eine-europaeische-armee-kann-die-nato-ergaenzen-aber-nie-ersetzen/">„Eine Europäische Armee kann die NATO ergänzen – aber nie ersetzen“</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.atlantik-bruecke.org">Atlantik-Brücke e.V.</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img decoding="async" class="wp-image-27262 alignleft" src="https://www.atlantik-bruecke.org/app/uploads/AB-Impulse-Europäische-Verteidigung_Cover-706x1000.png" alt="" width="102" height="145" srcset="https://www.atlantik-bruecke.org/app/uploads/AB-Impulse-Europäische-Verteidigung_Cover-706x1000.png 706w, https://www.atlantik-bruecke.org/app/uploads/AB-Impulse-Europäische-Verteidigung_Cover-1060x1500.png 1060w, https://www.atlantik-bruecke.org/app/uploads/AB-Impulse-Europäische-Verteidigung_Cover-1085x1536.png 1085w, https://www.atlantik-bruecke.org/app/uploads/AB-Impulse-Europäische-Verteidigung_Cover-1447x2048.png 1447w, https://www.atlantik-bruecke.org/app/uploads/AB-Impulse-Europäische-Verteidigung_Cover.png 2480w" sizes="(max-width: 102px) 100vw, 102px" />»Eine Europäische Armee kann die NATO ergänzen – aber nie ersetzen«<br />
</strong>Ein Gespräch mit Hans-Peter Bartels, Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages<br />
Berlin, 2020<br />
7 Seiten<br />
<a href="https://www.atlantik-bruecke.org/app/uploads/AB-Impulse-Europäische-Verteidigung.pdf">Die Impulse als pdf</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Interview: Robin Fehrenbach und David Deißner</em></p>
<p>Dass die europäischen Staaten mehr in ihre Sicherheit investieren und in der Verteidigung enger zusammenarbeiten müssen, ist eine dieser Tage häufig vorgebrachte Forderung. Doch in der andauernden Debatte über die Schwierigkeiten europäischer Kooperation gerät das Erreichte zuweilen aus dem Blick. Dabei ist die Europäisierung der Verteidigung auf einem guten Weg und in vielen Bereichen längst Realität – so lautet eine der zentralen Einsichten in Hans-Peter Bartels‘ unlängst vorgelegtem Buch <a href="http://dietz-verlag.de/isbn/9783801205621/Deutschland-und-das-Europa-der-Verteidigung-Globale-Mitverantwortung-erfordert-das-Ende-militaerischer-Kleinstaaterei-Hans-Peter-Bartels">„Deutschland und das Europa der Verteidigung“</a>. Der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages analysiert darin die mitunter wirklichkeitsferne sicherheitspolitische Debatte in Deutschland und diskutiert, wie Europa von den „Inseln funktionierender Kooperation“ zu strategischer Autonomie gelangen kann – ohne das transatlantische Bündnis in Frage zu stellen oder gar zu schwächen.</p>
<p>Anlässlich der Veröffentlichung seines Buches sprach Hans-Peter Bartels im Interview mit der Atlantik-Brücke über die großen Sicherheitsrisiken unserer Zeit, warum auch das Klima und knappe Ressourcen dazugehören, wie Europa an den Ostgrenzen des NATO-Raums für militärische Abschreckung sorgen muss und warum Deutschland zum Beginn der neuen Dekade seine geopolitische Rolle finden muss.</p>
<p><strong>Herr Dr. Bartels, Ihr neues Buch handelt von der Europäisierung der Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Es beginnt allerdings mit einem Kapitel über das Wetter. Warum?</strong></p>
<p>Weil das eine der großen sicherheitspolitischen Herausforderungen ist, der sich die Staaten stellen müssen. Der Klimawandel führt zu zunehmender Unbewohnbarkeit ganzer Weltregionen, zu Migrationsströmen und Konflikten in Gegenden, die wie die Sahelzone und Teile des Nahen Ostens über die schwächsten Konfliktlösungsmechanismen verfügen. In Zukunft werden Kriege vielleicht nicht um Öl, sondern um Wasser geführt. Wir werden sehen, dass das Klima die sicherheitspolitische Großwetterlage beeinflusst.</p>
<p><strong>Ist der Klimawandel für Sie ein bisher nicht hinreichend beachteter Problemkomplex der Sicherheitspolitik?</strong></p>
<p>Das Erschreckende ist, dass wir im Moment mit vielen Bedrohungen konfrontiert sind, die gleichrangig nebeneinander stehen. Der Klimawandel ist jetzt ins Bewusstsein gerückt und kommt auf die Agenda. Aber solange es beispielsweise immer noch riesige nukleare Waffenpotenziale gibt, ist auch das Risiko eines Atomkrieges nicht verschwunden, nur weil wir nach dem Ende des Kalten Krieges ein vierteljahrhundertlang hoffen durften, dass diese Gefahr wohl gebannt ist. Die erneuerte russische Militärdoktrin sieht zum Beispiel den Einsatz von substrategischen Nuklearwaffen in bestimmten Szenarien vor, mit denen sich die NATO beschäftigen muss.</p>
<blockquote><p>Das Erschreckende ist, dass wir im Moment mit vielen Bedrohungen konfrontiert sind, die gleichrangig nebeneinander stehen. Der Klimawandel ist jetzt ins Bewusstsein gerückt und kommt auf die Agenda.</p></blockquote>
<p><strong>Die aktuelle amerikanische Administration hat eine neue Tonalität im Umgang mit den Allianzpartnern angestimmt und, so behaupten manche, den verteidigungspolitischen Diskurs in Europa in Gang gebracht. Wie erklären Sie sich die politische Unpopularität dieses Themas über die vergangenen Jahrzehnte?</strong></p>
<p>Wir hatten nicht zu jedem Zeitpunkt die gleiche sicherheitspolitische Lage. Mit dem Ende des Kalten Krieges war ja zunächst eine Epoche heraufgezogen, die wir uns immer gewünscht hatten: Wir mussten keine Angst mehr vor einem Dritten Weltkrieg haben. Die Blockkonfrontation in Europa und weltweit war aufgelöst, die Staaten Mittel- und Osteuropas konnten frei entscheiden, welchen Weg sie gehen wollten. Politisch gab es die Chance auf eine freiheitliche Entwicklung für viel mehr Menschen als jemals zuvor in der Weltgeschichte. Freiheit, Kooperation und Partnerschaft lauteten die neuen Maximen dieser Zeit. Damit entfiel die Notwendigkeit, große konventionelle und atomare Abschreckungspotenziale aufrechtzuerhalten.</p>
<p>Von 1989/90 bis 2014 dauerte diese „Hoffnungsepoche“, wie sie Heinrich August Winkler nennt, in der wir uns darauf einstellen durften, dass Konflikte zwischen Staaten in Zukunft durch Verhandlungen und Verträge beigelegt werden, dass Militär dabei keine Rolle mehr spielt, dass Grenzen in Europa sicher sind und dass eben Kooperation und Partnerschaft die kommenden Jahrzehnte prägen.</p>
<p>Mit der Annexion der Krim und der Destabilisierung der Ostukraine endete diese Hoffnungsepoche. Das bedeutet nicht gleich, dass der Kalte Krieg wieder da ist. Heute steht auf der anderen Seite kein kommunistisches Weltreich, das seine Ideologie der ganzen Menschheit überstülpen möchte, kein Warschauer Pakt, keine Sowjetunion. Wir müssen nun allerdings auf die neue imperialistische Einflusssphärenpolitik Moskaus reagieren. Das zentral und autoritär gelenkte Russland stellt heute eine Bedrohung für unsere Bündnispartner im Osten Europas dar. Deshalb müssen wir mit der Realität fertig werden, dass ein Mindestmaß an Abschreckung in Europa wieder nötig ist. Wir Deutsche, wir Europäer, müssen uns für die multipolare, wertegebundene und regelbasierte Weltordnung stark machen. Und Stärke wird jetzt eben auch wieder eine militärische Kategorie, Betonung auf „auch“.</p>
<blockquote><p>Wir müssen nun allerdings auf die neue imperialistische Einflusssphärenpolitik Moskaus reagieren.</p></blockquote>
<p><strong>Von der neuen Bedrohungslage gibt es kein ausgeprägtes Bewusstsein in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung. Wie kann es uns gelingen, dieses politisch herzustellen?</strong></p>
<p>Wir müssen die realen Bedrohungen thematisieren und rational diskutieren. Dabei sollten wir nicht mit falschen Bildern der Vergangenheit hantieren. Es geht heute nicht um Freiheit oder Kommunismus. Wir haben inzwischen ein breites Verständnis von Konfliktlagen in der Welt. Zum einen sehen wir überall eine Renationalisierung von Außenpolitik, zum anderen autoritäre Regime wie China, die sich als Alternative zur Demokratie darstellen. Auch im Inneren sind unsere demokratischen Gesellschaften herausgefordert durch Populismus, Autoritarismus, Antisemitismus, Rassismus und eine neue Art Fake-News-Globalisierung. Hinzu kommt, dass immer mehr Länder, wie heute die Türkei oder Saudi-Arabien, das Recht des Stärkeren für sich reklamieren. Wir haben es mit vielfältigen Infragestellungen einer regelbasierten Weltordnung zu tun. Aber wir dürfen sie deshalb nicht verloren geben!</p>
<p>Ich nehme die Einstellungsmuster in der deutschen Gesellschaft als durchaus ambivalent wahr. Es gibt Umfragen, in denen die Mehrheit unserer Mitbürger sagt, dass wir in der jetzigen Weltsituation mehr für unsere äußere Sicherheit tun sollten. Also darf die Bundeswehr etwas größer werden und mehr Geld aus dem Haushalt bekommen. Andererseits gibt es Umfragen, die ebenso bemerkenswert sind, in denen es um die Bündnisverlässlichkeit geht, zum Beispiel wenn etwas in den baltischen Staaten passieren sollte. Wäre dies der Bündnisfall, in dem Deutschland mit der NATO eingreifen muss? Deutschland ist den Umfragen zufolge einer der NATO-Mitgliedsstaaten, in denen keine 50 Prozent der Bürgerinnen und Bürger diese Frage bejahen. Dabei ist eigentlich klar, dass nur der feste Wille zur Bündnissolidarität wirksame Abschreckung garantiert.</p>
<p>Im Deutschen Bundestag stellt sich die Frage so nicht. Vier von sechs Fraktionen im Parlament sind einig mit Blick auf die Rolle, die Deutschland in NATO, EU und UN spielen soll. Da gibt es einen breiten Konsens. Allerdings würde ich mir von der Bundesregierung wünschen, gelegentlich einmal proaktiv das große Ganze von Deutschlands Rolle in der Welt zu formulieren und zu erklären. Ein Weißbuch zur Sicherheitspolitik alle vier Jahre könnte einen Anlass dazu geben. Es wäre im Parlament zu diskutieren.</p>
<blockquote><p>Ich würde mir von der Bundesregierung wünschen, gelegentlich einmal proaktiv das große Ganze von Deutschlands Rolle in der Welt zu formulieren und zu erklären.</p></blockquote>
<p><strong>Die wichtigste These Ihres neuen Buches lautet, dass Deutschland und die Europäische Union eine globale Mitverantwortung in internationalen Konflikten tragen und diese ein Ende „militärischer Kleinstaaterei“ erfordert. Sie schreiben: „Immer mehr muss jetzt die EU ein internationaler Akteur werden, auch als militärisches Bündnis, als europäischer Pfeiler unserer transatlantischen Allianz.“ Wie weit fortgeschritten ist die Bundesrepublik, ist Europa auf diesem Weg?</strong></p>
<p>Es gibt schon mehr Fortschritt, als man gemeinhin wahrnimmt. Wir sehen drei parallel laufende Prozesse. Da ist erstens das von Deutschland initiierte Framework Nations Concept (FNC) der europäischen NATO-Länder. Es zielt darauf ab, die Interoperabilität der NATO-Mitglieder in Europa zu stärken.</p>
<p>Zweitens sehen wir auf EU-Ebene PESCO, die Permanent Structured Cooperation, die im Vertrag von Lissabon schon angelegt war, aber erst gesondert aktiviert werden musste. Katalysator für den Wunsch, europäische Handlungsfähigkeit in der Verteidigungspolitik zu demonstrieren, war die Brexit-Entscheidung 2016. Inzwischen beteiligen sich 25 EU-Mitglieder an PESCO. Auch hier geht es wie beim FNC um Projekte der Zusammenarbeit und um die Standardisierung von Ausrüstung, Training und Organisationsstrukturen.</p>
<p>Drittens gibt es die bi- und multinationalen Kooperationen. Dieser Pfad der Europäisierung scheint mir am weitesten fortgeschritten. Es handelt sich um Integrationsprojekte wie zwischen Belgien und den Niederlanden, die ein gemeinsames Marine-Hauptquartier betreiben, oder die Eingliederung der beiden niederländischen Heereskampfverbände in zwei deutsche Divisionen. Diese tiefe Integration im Grundbetrieb ist beispielhaft.</p>
<p><strong>Und dennoch steht die Europäisierung der Verteidigung vor großen Hürden: Der politische Wille in den europäischen Hauptstädten ist nicht überall gleich ausgeprägt, das Meinungsbild in der Bevölkerung ist unterschiedlich, ebenso wie die Interessenslagen der Bündnispartner innerhalb der NATO.</strong></p>
<p>Das Wichtigste ist, Meinungsverschiedenheiten und unterschiedliche Rationalitäten auf ehrliche Weise zu thematisieren – in dem Willen, sich zu einigen. Phrasen hat es genug gegeben. Am weitesten auseinander liegen offenbar Deutschland und Frankreich, aufgrund der Geschichte, der strategischen Kulturen und der objektiven Gegebenheiten. Beide wollen sich aber einigen. So steht es zum Beispiel im Vertrag von Aachen, dem neuen deutsch-französischen Freundschaftsvertrag, der unter anderem einen neuen deutsch-französischen Sicherheitsrat ins Leben gerufen hat. So diskutiert es auch die neue deutsch-französische Parlamentarische Versammlung.</p>
<p>Frankreich ist Mitglied im UN-Sicherheitsrat mit Vetorecht, hat Atomwaffen und ein verflossenes Kolonialreich mit 40 Staaten weltweit im Rücken, in denen Französisch gesprochen wird. Die Lage Deutschlands ist komplett anders. Wir haben versucht, unsere schlimme Vergangenheit glaubwürdig aufzuarbeiten, Gott sei Dank mit Erfolg. Uns wird heute in der Welt die Funktion des ehrlichen Maklers zugetraut. Wir haben einen guten Ruf, auch weil wir eine Kultur militärischer Zurückhaltung als Lernerfahrung aus unserer Geschichte pflegen. Wenn wir in Deutschland über militärische Integration sprechen, ist unsere erste Frage, wie wir verbindliche Strukturen schaffen können, die die Notwendigkeit des Einsatzes militärischer Gewalt so unwahrscheinlich wie möglich machen. Im Dritten Weltkrieg wäre ja die Front mitten durch Deutschland gelaufen. Die Franzosen dagegen stellen zuerst die Frage, wie Strukturen aufgebaut werden können, mit denen ihre eigenen militärischen Interventionsaufgaben weltweit Unterstützung durch andere erfahren können: Frankreich hatte ja auch nach dem Zweiten Weltkrieg in Übersee Kolonialkriege zu führen, die ausgesprochen opferreich waren. Franzosen sehen die Welt erst einmal anders, als Deutsche das tun.</p>
<blockquote><p>Wenn wir in Deutschland über militärische Integration sprechen, ist unsere erste Frage, wie wir verbindliche Strukturen schaffen können, die die Notwendigkeit des Einsatzes militärischer Gewalt so unwahrscheinlich wie möglich machen.</p></blockquote>
<p><strong>Dies würde nahelegen, dass die Staaten in Europa nur dann zur Kooperation bereit sind, solange sie eigenen Interessen dient. Was stimmt Sie optimistisch, dass der politische Wille zur Kompromissbereitschaft anhält?</strong></p>
<p>Man unterschreibt Verträge mit dem Ziel, sich zu einigen. Alle politischen Signale stehen auf Integration und Kooperation. Natürlich gibt es Probleme. Aber es sind gute Probleme, weil wir sie mit Partnern teilen. Hier bedroht niemand den anderen. Man muss nur erst einmal anerkennen, dass wir aus unterschiedlichen Positionen auf die Bedrohungen und Gefahren der Gegenwart schauen. Ein schlechtes Problem wäre, keine Partner zu haben, mit denen wir uns streiten können.</p>
<p><strong>Seit einiger Zeit diskutieren Experten für Verteidigungspolitik die Idee einer strategischen Autonomie in Fragen europäischer Außen- und Sicherheitspolitik. Was verstehen Sie konkret darunter?</strong></p>
<p>Autonomie heißt vor allem, dass wir einen eigenständigen europäischen Pfeiler in der transatlantischen Allianz brauchen. Wenn in den USA immer erst entschieden werden müsste, ob Kalifornien Truppen ins Baltikum verlegt oder ob New York das tut, dann hätte man auch dort Friktionen und Effizienzverluste, wie wir sie in Europa kennen. Die Amerikaner aber haben eine Armee. In Europa haben wir – NATO und EU – 32 verbündete Armeen. Das wäre richtig viel Power: mehr als 1,5 Millionen Soldaten! Aber es ist keine Armee. Wir brauchen also eine effektivere Organisation unserer aller Streitkräfte. Es geht letztlich darum, die 32 unterschiedlichen Armeen, die nach 1990 jeweils für sich national reduziert wurden, nach und nach zu einem funktionsfähigen Ganzen zusammenzufügen. Oder erstmal die vielleicht 20 Armeen, die schon zusammengehen wollen. Niemand muss, alle können. Besser ist es.</p>
<blockquote><p>Die Amerikaner haben eine Armee. In Europa haben wir – NATO und EU – 32 verbündete Armeen. Das wäre richtig viel Power: mehr als 1,5 Millionen Soldaten! Aber es ist keine Armee.</p></blockquote>
<p>Strategische Autonomie für Europa bedeutet, auch dann handlungsfähig zu sein, wenn die NATO nicht als Ganzes betroffen ist. In Afrika oder im Nahen Osten muss es außer der NATO andere Akteure geben können, zum Beispiel in der Sahel-Region. Hier sollte die Europäische Union aus sich heraus handlungsfähiger werden. Auf dem Balkan in den 90er Jahren konnten die Europäer, so gern sie es gewollt hätten, noch nicht ohne die Amerikaner aus eigener Kraft die Waffen zum Schweigen bringen. Aus US-Perspektive war der post-jugoslawische Bürgerkrieg tatsächlich eher ein regionales, ein europäisches Problem.</p>
<p>Und außerdem brauchen wir natürlich eine eigenständige europäische Wehrtechnik. Auch das ist Voraussetzung für einen gewissen Grad an strategischer Autonomie. Europa darf sich industriell von Lieferungen etwa aus den USA nicht zu abhängig machen, denn diese bringen immer Restriktionen mit sich. Modernste Waffensysteme kann man dort zwar kaufen, aber ein Teil der Technik bleibt gerne mal in den USA, weil sie wie im Fall des Eurohawk nicht exportierbar ist. Die Europäer sollten dagegen in der Lage sein, moderne Waffensysteme technisch selbst so weiterzuentwickeln, wie sie es wollen.</p>
<p><strong>Tritt ein wie auch immer geartetes europäisches Verteidigungsbündnis an die Stelle der NATO, oder geht es um eine komplementäre Lösung?</strong></p>
<p>Das kann nur komplementär funktionieren. Es gibt nicht um Ersetzen. Der Existenzgrund der NATO ist die Verteidigung des Westens, klassischerweise die Verteidigung Europas. Nach dem 11. September 2001 ging es übrigens auch um Solidarität mit Amerika.</p>
<p><strong>Wesentlich älter als der Begriff der strategischen Autonomie ist die Vorstellung einer „Europäischen Armee“. Unsere amerikanischen und kanadischen Partner in der NATO betrachten dies mitunter mit Skepsis, aus Sorge um die Stärke des atlantischen Bündnisses. Würde die strategische Autonomie aus Ihrer Sicht zwingend in den Aufbau einer Europäischen Armee münden?</strong></p>
<p>Die beste Realisierung der strategischen Autonomie ist eindeutig die Integration der einzelnen nationalen Armeen in einer Europäischen Armee. Das ist ein Generationenprojekt, keine Tagesaufgabe. So wie es für viele europäische Staaten positiv war, zunächst die Währungsschlange zu begründen und den ECU als Verrechnungseinheit einzuführen, um dann ein Vierteljahrhundert später, 2002, den Euro als Einheitswährung zu etablieren, so verhält es sich mit der militärischen Integration. Währung ist genauso wie Verteidigung ein zentrales Element des klassischen nationalen Souveränitätsverständnisses. Aber weil wir diese Souveränität real nicht mehr alleine ausüben können, hat sich in Europa die Einsicht durchgesetzt, dass wir gemeinsame Anliegen besser gemeinsam verfolgen.</p>
<blockquote><p>Die beste Realisierung der strategischen Autonomie ist eindeutig die Integration der einzelnen nationalen Armeen in einer Europäischen Armee.</p></blockquote>
<p><strong>Welche Konsequenzen hätte eine eigenständige europäische Streitkraft für den europäischen NATO-Pfeiler und die jahrzehntelange, höchst erfolgreiche Zusammenarbeit mit unseren transatlantischen Partnern? In Ihrem Buch bemerken Sie dazu Folgendes: „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt würden europäische Verhandlungen über die Gründung einer Europäischen Armee eher Abstoßungsreaktionen, Zwietracht und Verhärtungen hervorrufen.“</strong></p>
<p>Wir sollten uns jetzt auf das konzentrieren, was praktisch möglich ist. Und das ist relativ viel. Ich setze auf die normative Kraft des Faktischen: Je mehr Verbindungen und Verbindlichkeit es im Militärischen gibt, desto mehr muss man auch politische Einigkeit herstellen. Indem wir die Fähigkeiten verschmelzen, wird das Bewusstsein für die Notwendigkeit gemeinsamen Handelns größer.</p>
<p><strong>Wie bewerten Sie das Spannungsverhältnis zwischen den USA und Europa mit Blick auf faire Lastenteilung einerseits und Skepsis in Bezug auf strategische Autonomie andererseits?</strong></p>
<p>Diese Konfliktkonstellation begleitet uns seit Jahrzehnten. Es gibt gute Gründe dafür, dass wir in eine vernünftige Balance kommen, was das Verhältnis des europäischen Beitrags zum amerikanischen Verteidigungsbeitrag angeht. Europa muss mehr leisten können. Aber Europa kann und muss sich nicht alleine verteidigen. Wir konkurrieren nicht mit den USA und veranstalten auch kein Wettrüsten mit ihnen.</p>
<p><strong>Gilt grundsätzlich noch das gegenseitige Sicherheitsversprechen der NATO und die Bereitschaft, zu handeln, wenn es zu einem russischen Einmarsch im Baltikum käme?</strong></p>
<p>Es gibt Fragen, die sich erst konkret stellen müssen, damit realistisch die richtige Antwort gegeben werden kann. Fragen von Krieg und Frieden gehören dazu. Abstrakt wollen wir alle den Einsatz militärischer Gewalt vermeiden. Ein Beispiel aus einem anderen Bereich: Als es zur Atomkatastrophe von Fukushima kam, gab es plötzlich selbst im konservativen Lager Deutschlands klare Mehrheiten dafür, aus der Atomenergie auszusteigen, weil das existenzielle Problem unmittelbar sichtbar wurde. Wenn ein Problem manifest wird, also die Bedrohung wirklich zu sehen oder eingetreten ist, dann wird die Solidarität da sein. Das wäre meine Prognose.</p>
<p><strong>Hatte der besondere Druck, den die US-Administration seit 2017 auf Europa, insbesondere auf Deutschland, aufgebaut hat, die Verteidigungsausgaben auf 2 Prozent des BIP zu erhöhen und den Zusagen von Wales nachzukommen, einen kontraproduktiven Effekt? Es verfestigt sich damit bei vielen der Eindruck, es gehe hier vornehmlich um ein Diktat des Präsidenten – und das prägt Stil und Richtung der Debatte. Dabei entspricht es Deutschlands und Europas strategischem Interesse, mehr für die eigene Sicherheit zu tun.</strong></p>
<p>Die Verbesserung der europäischen Verteidigungsfähigkeiten ist längst vor Trump auf den Weg gebracht worden. Gleichzeitig verfolgen aber alle Europäer das Ziel, auch nicht zu viel Geld dafür ausgeben zu müssen. Wir brauchen grundsätzlich nicht mehr als 1,5 Millionen Soldaten in Europa. Diese müssen allerdings vollständig ausgerüstet und effektiv organisiert sein. Dass Deutschland da mehr tun muss, ergibt sich schon aus den Berichten zur materiellen Einsatzbereitschaft der Hauptwaffensysteme der Bundeswehr seit 2014, die damals der Verteidigungsausschuss von der Bundesregierung gefordert hatte. Die Bundeswehr als Ganzes ist zur kollektiven Verteidigung heute noch nicht einsatzfähig. Meine erste Forderung als Wehrbeauftragter war daher die Vollausstattung der Bundeswehr, und zwar im Sinne von vollständiger Ausrüstung, nicht von Aufrüstung und Aufwuchs. Die Bundeswehr soll lediglich von 185.000 auf etwa 200.000 Soldaten vergrößert werden.</p>
<p><strong>Was ist das schwerwiegendste Problem im Prozess der verbesserten Verteidigungsfähigkeiten der Bundeswehr?</strong></p>
<p>Der Prozess dauert zu lange, weil immer noch die Beschaffung ein Riesenproblem darstellt. Das Beschaffungsmanagement löst die Probleme der Bundeswehr im Moment nicht gut. Man könnte schneller Erfolge produzieren, wenn Strukturen und Prozesse nicht so dysfunktional wären. Nahe läge es auch, einen ersten Schwerpunkt auf die persönliche Ausstattung der Soldaten zu legen. Das Ziel sollte es sein, jetzt alle Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten komplett und modern auszustatten: von der Kampfbekleidung und dem Gefechtshelm mit interaktivem Gehörschutz und Sprechsatz über Nachtsichtgeräte bis hin zur Schutzweste und zum Rucksack. Doch die Regierung ist zögerlich, sie beantragt regelmäßig weniger Geld, als das Parlament am Ende im Haushalt bewilligt. Das ist schon kurios. Und dann müsste man auch noch dafür sorgen, dass das Geld wirklich abfließt.</p>
<blockquote><p>Das Beschaffungsmanagement löst die Probleme der Bundeswehr im Moment nicht gut. Man könnte schneller Erfolge produzieren, wenn Strukturen und Prozesse nicht so dysfunktional wären.</p></blockquote>
<p><strong>Die Bundeswehr beteiligt sich derzeit an elf mandatierten internationalen Einsätzen. Die Friedensdividende nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes ist längst aufgebraucht. Unter der ehemaligen Verteidigungsministerin von der Leyen wurde eine Trendwende bei Personal, Material und Mitteln eingeläutet. Wie müssten die harten Kennziffern der Bundeswehr in Bezug auf Umfang des Geräts in den jeweiligen Teilstreitkräften und Anzahl der Einsätze Ihrer Meinung nach aussehen, damit der deutsche Beitrag Europa angemessen mitverteidigen würde?</strong></p>
<p>In der gegenwärtigen Situation ist es angemessen, was die Bundeswehr unter Anspannung ihrer Kräfte leistet. Sie hat 2019 den Kern der NATO Response Force gestellt, also eine schnelle Brigade. Wir tragen Verantwortung für eine der vier NATO-Battlegroups in den drei baltischen Staaten und Polen, und zwar in Litauen. Deutschland ist die einzige kontinentaleuropäische Nation, die dort solche Verantwortung übernommen hat. Dazu kommt Anfang 2020 die NATO-Readiness-Initiative mit 7.500 deutschen Soldaten, zusätzlich. Kurzum: Deutschland nimmt seine aktuellen Friedens-Verpflichtungen ernst und kommt ihnen nach.</p>
<p><strong>Werfen wir noch einen Blick auf die Vereinigten Staaten. Sie konstatieren, dass sich Amerika als traditionelle Schutzmacht Europas zurückzieht und strategisch längst neu ausrichtet. Kann dies in letzter Konsequenz auch dazu führen, dass der nukleare Schutzschirm der USA tatsächlich eines Tages eingespannt werden wird und Europa vor sicherheitspolitischen Fragen größter Tragweite stehen wird?</strong></p>
<p>Das kann ich mir nicht vorstellen und will es auch nicht. Das wäre eine sicherheitspolitische Frage von globaler Bedeutung. Zögen die USA sich zurück, überließen sie anderen Akteuren das Feld, die sich dann sofort ganz anders aufstellen würden. In der Realität sehen wir gegenwärtig, dass die USA ihr militärisches Engagement in Europa verstetigen und in der Tendenz verstärken. Gerade jetzt wird eine zusätzliche US-Artilleriebrigade nach Deutschland verlegt.</p>
<p><strong>Was macht Ihnen Angst, und was lässt Sie hoffen?</strong></p>
<p>Angst macht die Unübersichtlichkeit und Vielfalt der Bedrohungen, die wir im Moment erleben. Mit Blick auf Cyberattacken, den Klimawandel, hybride Kriegsformen, den totalitären Dschihadismus, Failed States und atomare Bedrohungen müssen wir feststellen: All das macht uns Sorgen. Auch übrigens die zunehmenden innergesellschaftlichen Polarisierungen. Hoffnung schöpfen wir aus der Kraft des trotz aller Widerstände zusammenhaltenden Europas. Der Wille zur Selbstbehauptung ist da, hoffe ich.</p>
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<h5><strong>Redaktionelle Leitung</strong></h5>
<p>Robin Fehrenbach</p>
<h5><strong>Geschäftsführender Vorstand</strong></h5>
<p>Sigmar Gabriel (Vorsitzender)</p>
<p>Dr. David M. Deißner (Geschäftsführer), Prof. Dr. Andreas R. Dombret, Prof. Dr. Michael Hüther, Dr. Norbert Röttgen</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.atlantik-bruecke.org/eine-europaeische-armee-kann-die-nato-ergaenzen-aber-nie-ersetzen/">„Eine Europäische Armee kann die NATO ergänzen – aber nie ersetzen“</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.atlantik-bruecke.org">Atlantik-Brücke e.V.</a>.</p>
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