Wirtschaft & Innovation

„Bezahlbare Energie, weniger Bürokratie und beschleunigte Genehmigungsverfahren“

MSC 2026

Am Rande der MSC hatten wir das Vergnügen, Staatsminister Tobias Gotthardt (Freie Wähler) aus dem Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie als Panelist unserer Veranstaltung „Technology, Innovation & Power – Europe’s Place in the Era of Geopolitical Rivalry“ zu begrüßen. Im Interview spricht er über das neue Europäisch-Indische Freihandelsabkommen und wieso Bayern energetisch gut aufgestellt ist.

Nach 18 Jahren Verhandlungen wurde Ende Januar ein Europäisch-Indisches Handelsabkommen geschaffen, 90% der bestehenden Zölle sollen über die nächsten Jahre reduziert oder beseitigt werden. Wie profitiert der Wirtschafsstandort Deutschland, und insbesondere Bayern, von diesem Abkommen?

Bayern profitiert massiv von dem Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien (EU-India FTA), das im Januar 2026 unterzeichnet wurde. Indien ist für Bayern ein bedeutender strategischer Partner im Indopazifik. Mit einem BIP-Wachstum von rund 7 % und mehr als 1,4 Mrd. Einwohnern ist das Land eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften weltweit und wird voraussichtlich bis 2027 zur drittgrößten Wirtschaft aufsteigen. Aktuell macht das bayerisch indische Handelsvolumen nur knapp 1 % des gesamten bayerischen Handels aus. Der angekündigte drastische Zollabbau – besonders in für Bayern zentralen Branchen wie Automobil, Maschinenbau und Pharma – eröffnet großes Potenzial zur Steigerung des bilateralen Handelsvolumens. Da geht noch einiges.

2022 musste Deutschland so schnell wie möglich von russischem Gas unabhängig werden. Das ist zunächst gelungen, hat jedoch neue Abhängigkeiten geschaffen, u.a. von amerikanischem LNG. Zudem stockt der Ausbau der Erneuerbaren, insbesondere in Bayern. Welche Pläne hat die Bayrische Landesregierung, um bei der Energieversorgung in Zukunft resilienter aufgestellt zu sein?

Hier muss ich Ihnen widersprechen: Der Ausbau der Erneuerbaren Energien läuft seit Jahren sehr erfolgreich: Im Jahr 2024 wurden in Bayern insgesamt 45,3 Terawattstunden (TWh) Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt, 2,6 TWh mehr als im Vorjahr – ein neuer historischer Höchststand. Der Anteil erneuerbarer Energien an der bayerischen Stromerzeugung insgesamt lag im Jahr 2024 bei über 75 Prozent (Deutschland: unter 60 Prozent). Was die Gasversorgung betrifft, ist Deutschland sehr resilient aufgestellt. Durch erhöhte Lieferungen mittels Pipelines aus Norwegen und dem Vereinigten Königreich über Belgien sowie LNG-Gas über Terminals der Nachbarländer konnten die ausbleibenden Gasmengen aus Russland kompensiert werden. Auch Lieferausweitungen von Algerien her und die Erschließung neuer, europäischer Ressourcen, etwa für Rumänien, Zypern oder Albanien haben wir im Blick. Dennoch sind vor allem die Strompreise weiter zu hoch. Hier ist der Bund gefordert, im Sinne der Wettbewerbsfähigkeit für substanzielle Preissenkungen zu sorgen.

Wo sehen Sie die größten Hebel, um die Wettbewerbsfähigkeit Bayerns, Deutschlands und Europas in Schlüsseltechnologien wie Pharma oder Halbleiter gegenüber China und den USA zu stärken?

Die größten Hebel liegen aus meiner Sicht in drei Bereichen: Wir müssen massiv in Forschung, Entwicklung und den schnellen Transfer in die industrielle Anwendung investieren, damit Innovationen schneller in marktfähige Produkte umgesetzt werden. Zudem brauchen wir wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen – dazu gehören bezahlbare Energie, weniger Bürokratie und beschleunigte Genehmigungsverfahren. Es ist außerdem entscheidend, strategische Partnerschaften in Europa zu stärken und durch Diversifizierung Abhängigkeiten zu verringern. An all diesen Punkten arbeiten wir!