Sachsen trifft USA: Überraschende Einblicke ins amerikanische Schulsystem

Wie unterscheiden sich amerikanische Schulen von denen in Sachsen? Auf ihrer Reise nach Ohio und Michigan erhielten sächsische Lehrkräfte spannende Einblicke in individualisierte Klassenzimmer, den Einsatz Künstlicher Intelligenz und eine teils überraschende Unterrichtskultur.

Wie unterscheiden sich amerikanische Schulen von denen in Sachsen? Auf ihrer Reise nach Ohio und Michigan erhielten sächsische Lehrkräfte spannende Einblicke in individualisierte Klassenzimmer, den Einsatz Künstlicher Intelligenz und eine teils überraschende Unterrichtskultur.

Von Kenny Teucher

Der Teachers’ Trip mit der Atlantik-Brücke führte uns unter anderem auch an drei amerikanische Schulen unterschiedlicher Schultypen in Ohio und Michigan. Dabei wurde schnell klar: Hier läuft Einiges anders als zu Hause.

Vor allem die individualisierten und dekorierten Klassenzimmer der Lehrkräfte ließen uns staunen. In den USA wechseln vorrangig die Schüler – statt wie in Deutschland die Lehrer – zwischen den einzelnen Unterrichtsstunden die Räume, wodurch die Lehrkräfte die Lernumgebung perfekt an ihr jeweiliges Fach anpassen können. Kleine Extras wie beschreibbare Whiteboard-Wände und -Tische sowie Experimentierdisplays für virtuelle Sektionen zum praxisnahen Verständnis der menschlichen Anatomie und Physiologie lassen einen in diesem Zusammenhang eher etwas enttäuscht auf die deutschen Klassenzimmer blicken. Von den Trinkbrunnen auf den Gängen ganz zu schweigen (auch wenn es schon etwas Übung benötigt, um mehr als 20 % des Wassers überhaupt in den Mund zu bekommen).

Klassenzimmer voller Möglichkeiten

Im starken Kontrast zu den liebevoll gestalteten Zimmern und vielfältigen Add-ons stand für uns aber häufig die Unterrichtskultur: Die Kids spielen wild am iPad oder zeichnen an der Tafel, während sich andere stylen und schminken. Wieder andere verwickeln die Lehrkraft in persönliche Gespräche, um die Unterrichtszeit möglichst ohne den „Unterrichtsteil“ verrinnen zu lassen. Im Zweifel wird das Ganze auch noch musikalisch untermalt. Aus Perspektive einer deutschen Lehrkraft erschien der Unterricht daher eher wie eine Beschäftigungstherapie als eine wirkliche Lerngelegenheit.

Auch Künstliche Intelligenz hält zunehmend Einzug in amerikanische Klassenzimmer, verleitet die Lernenden aber mitunter zusätzlich dazu, vom Thema abzuschweifen, anstatt ein tiefgründiges Verständnis des Unterrichtsgegenstands zu fördern und diesen kritisch zu hinterfragen. Hier besteht also – wie in Deutschland auch – noch viel Trial-and-Error-Bedarf.

School Spirit: Wenn die ganze Schule mitfiebert

Wenngleich der hospitierte Unterricht im Allgemeinen eher underwhelming war, beeindruckten usn das Gemeinschaftsgefühl und der Zusammenhalt innerhalb der amerikanischen Schüler- und Lehrerschaft. Der Team Spirit wird vor allem bei den zahlreichen Sport- und Musikevents deutlich.

Im Rahmen der Lehrerreise besuchten wir ein High School Footballspiel und waren komplett baff: vom Catering, über das Cheerleading-Team und die Marching Band bis hin zum prall gefüllten Fanblock und natürlich den Jungs auf dem Spielfeld selbst war die ganze Schule vertreten. Jeder macht mit, jeder ist dabei und jeder ist laut.

Beim Vergleich der deutschen und US-amerikanischen Schulkonventionen zeigen sich also enorme Unterschiede – mal zu Gunsten der einen, mal zur anderen Seite des Atlantiks. In diesem Sinne konnten wir als Austauschlehrkräfte eine Menge mitnehmen. Mal sehen, was davon auch Einzug in die heimischen Klassenzimmer findet.