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Briefing zur US-Präsidentschaftswahl mit Carroll Doherty

Kurz vor der ersten TV-Debatte zwischen den US-Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Donald Trump gab der Director of Political Research des amerikanischen Meinungsforschungsinstituts Pew Research Center Caroll Doherty am 23. September in Berlin einen Überblick über die Stimmungslage der amerikanischen Wähler.

Zunächst betonte Doherty, wie unzufrieden die Amerikaner derzeit mit der Auswahl an Kandidaten sind, die zur Wahl stehen. Während im Jahr 2008 noch 72% der amerikanischen Wähler mit den Präsidentschaftskandidaten zufrieden waren, sind es jetzt nur noch 32%. Viele Amerikaner würden nun negativ wählen: Statt aus Überzeugung für einen Kandidaten zu stimmen, wählen viele Amerikaner nun nur noch das kleinere Übel.

Den Aufstieg Donald Trumps zum Kandidaten der Republikaner erklärte Doherty mit mehreren Faktoren. Zum einen betonte er die große Unzufriedenheit der republikanischen Basis mit der Führung der Partei und dem dringenden Wunsch nach Wandel. Auch die große Zahl republikanischer Bewerber in den Vorwahlen habe Trump in die Hände gespielt. Nicht zuletzt sah er in Donald Trumps Medienaffinität und seinem selbstsicheren Auftreten einen entscheidenden Grund für dessen Erfolg.

Trumps Botschaften, so Doherty, entsprechen dem negativen Grundgefühl vieler Amerikaner. So glaubten beispielsweise 81% aller Trump-Wähler, dass das Leben in den USA heute schlechter sei als noch vor 50 Jahren. Clinton-Befürworter sind laut der Umfrage wesentlich optimistischer.

Auch im Blick auf Einwanderung und Ethnizität spalten sich die Lager entschieden: Trump-Wähler hatten eine deutlich andere Wahrnehmung von Einwanderung und Ethnizität als Clinton-Wähler. So glaubten 50% der Trump-Wähler, dass Einwanderer ohne Papiere eher schwere Straftaten begehen würden als amerikanische Bürger. Nur 13% der Clinton-Wähler teilten diese Einschätzung. Hingegen glaubten 57% der Clinton-Wähler, dass Schwarze in der amerikanischen Gesellschaft einen sehr viel schwereren Stand hätten als Weiße. Nur 11% der Trump-Wähler stimmten ihnen darin zu.

Die Haltung der republikanischen Wähler in Bezug gerade in Bezug auf Freihandelsabkommen habe sich seit Trumps Kandidatur deutlich zum Negativen gewandelt. Doch auch bei den Demokraten gebe es großes Unbehagen zu dem Thema, was sich unter anderem darin zeige, dass Hillary Clinton ihre Position zu TPP gewechselt hat. Dass die NATO ein für die USA wichtiges Bündnis ist, stellen beide Seiten nicht grundsätzlich in Frage, viele denken jedoch, dass die NATO wichtiger für die Partner ist als für die USA selbst.

In der anschließenden Diskussion mit den Gästen ging es unter anderem darum, wie verlässlich die Ergebnisse der Meinungsumfragen sind. Doherty betonte, dass Pew zwar verlässliche Zahlen erhebe, jedoch bei jeder Umfrage eine Fehlertoleranz eingerechnet werden müsse. Daran hielten sich die Medien nicht immer. Weitere Themen der Debatte waren die Parallelität von Populismus in Europa und den USA, das Aufkommen von „post truth“-Politik, in der Fakten eine untergeordnete Rolle spielen, sowie die Bedeutung der TV-Debatten zwischen den beiden Kandidaten für den Ausgang der Wahl.

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