Gesellschaft

Für eine Zukunft der Demokratie in der digitalen Ära

Im Gespräch mit Frank McCourtFoto: Atlantik-Brücke
Im Gespräch mit Frank McCourtFoto: Atlantik-Brücke
Im Gespräch mit Frank McCourtFoto: Atlantik-Brücke
Im Gespräch mit Frank McCourtFoto: Atlantik-Brücke

Westliche Demokratien stehen unter Stress, und soziale Netzwerke können diesen Prozess befeuern. Über diese Verknüpfung und einen denkbaren Lösungsansatz sprach Frank McCourt, Chairman und CEO der Investmentfirma McCourt Global, in einer exklusiven Diskussion der Atlantik-Brücke.

Von Robin Fehrenbach

Der Zustand der Demokratien in der westlichen Welt und die gegenwärtige Architektur des Internets treiben Frank McCourt um. Dies brachte der Chairman und CEO der Investmentfirma McCourt Global bei einem Dinner-Roundtable zum Ausdruck. Die hohe Geschwindigkeit der Entwicklung sozialer Netzwerke wie Facebook und Twitter sei ein großes Problem, sagte McCourt in der von David Deißner, Geschäftsführer der Atlantik-Brücke, moderierten Diskussion. Soziale Medien heizten täglich schädliche Inhalte wie Wut, Desinformation und Propaganda an. Mit Blick auf die Entwicklung digitaler Technologie befänden sich die USA und Europa in einem Moment großer Dringlichkeit, um eine stärkere und bessere Demokratie zu schaffen. Zwei erschütternde Ereignisse der jüngeren amerikanischen Geschichte hätten die Unsicherheit und zunehmende Erosion der Demokratie und eine dysfunktionale Politik offensichtlich gemacht: die Finanzkrise von 2008 und 2009 und der Sturm auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021. „Das war ein echter Umsturzversuch“, betonte McCourt.

Der amerikanische Unternehmer will daran mitwirken, der Demokratie im digitalen Zeitalter eine Zukunft zu ermöglichen. Zum einen soll dies mit Hilfe der Forschung des McCourt Institute zum Zusammenspiel von digitalem Regierungshandeln und der Entwicklung neuartiger Internet-Technologie gelingen, einer 2015 gegründeten Public Policy School an der Georgetown University in Washington, D.C. und dem Institut d’études politiques de Paris („Sciences Po“). Zum anderen soll das Project Liberty McCourts ambitionierte Ziele verwirklichen. Diese Initiative will eine zivilgesellschaftliche Bewegung durch ein Netzwerk von internationalen Organisationen erzeugen, die Technologie des Internets erneuern und das Regierungshandeln zu einer entsprechenden Reform motivieren. Im Zentrum des Project Liberty steht auf der technologischen Ebene ein neues Internetprotokoll, das im Sommer 2021 veröffentlicht wurde und als Open Source für jeden frei zugänglich ist. McCourts Team nennt es das Decentralized Social Networking Protocol (DSNP).

Neues Protokoll soll die Datennutzung und Funktionsweise des Internets verändern

„Lassen Sie Big Tech nicht tun, was es derzeit macht“, forderte McCourt. Grundsätzlich stelle Konnektivität einen gewaltigen Fortschritt dar. Jedoch sei die kritische Frage, wie die Daten der Nutzer verwendet werden. Das von McCourts Wissenschaftlern entwickelte DSNP sei ein Kern-Internetprotokoll, das die Datennutzung und die Funktionsweise des Internets grundlegend verändere. Man könne sich das DSNP wie ein neues Ökosystem vorstellen, das es Anwendern ermögliche, selbst über deren Datennutzung zu entscheiden. In Kombination mit der Blockchain-Technologie könne das neuartige Protokoll zu einer positiven Weiterentwicklung sozialer Netzwerke beitragen.

Wie die Technologie und Demokratie in Zukunft letztlich ausgestaltet sein werden, sei offen und im Grunde stets unvollendet, erklärte McCourt. „Es gibt keine letzten Antworten in Bezug auf echte Demokratie und echte Freiheit. Aber wir müssen danach streben“, sagte er. Was die negativen Begleiterscheinungen des Internets angeht, werde allein die Regulierung der Technologie durch Gesetzgeber die Problematik nicht lösen. Im abschließenden Gespräch mit Mitgliedern der Atlantik-Brücke diskutierte McCourt die Grundlagen des Internets, das Vertrauen von Bürgern in staatliche Institutionen, ungerechte sozio-ökonomische Verhältnisse, die Rolle großer Plattformen sowie die Stärken offener Gesellschaften und die Verwundbarkeit von Demokratien. „Unser politisches System in den Vereinigten Staaten ist nicht so stark, wie Sie denken“, sagte McCourt. Deshalb sei es entscheidend zu wissen, zu was das Internet imstande ist, um es im Sinne der Menschen einzusetzen.

Bleiben Sie auf dem Laufenden und abonnieren Sie den Atlantik-Brücke RECAP.