Außen- und Sicherheitspolitik

„Mauern können unsere Probleme nicht lösen“

Ehemaliger Vize-Außenminister Blinken beim MSC-Dinner der Atlantik-Brücke
MSC-Dinnerdiskussion mit Tony BlinkenFoto: Leonard Simon/MSC
MSC-Dinnerdiskussion mit Tony BlinkenFoto: Leonard Simon/MSC
MSC-Dinnerdiskussion mit Tony BlinkenFoto: Leonard Simon/MSC
MSC-Dinnerdiskussion mit Tony BlinkenFoto: Leonard Simon/MSC
MSC-Dinnerdiskussion mit Tony BlinkenFoto: Leonard Simon/MSC
MSC-Dinnerdiskussion mit Tony BlinkenFoto: Leonard Simon/MSC
MSC-Dinnerdiskussion mit Tony BlinkenFoto: Leonard Simon/MSC
MSC-Dinnerdiskussion mit Tony BlinkenFoto: Leonard Simon/MSC
MSC-Dinnerdiskussion mit Tony BlinkenFoto: Leonard Simon/MSC
MSC-Dinnerdiskussion mit Tony BlinkenFoto: Leonard Simon/MSC

Die Wahl Donald Trumps zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten stellte für Tony Blinken ganz persönlich eine Zäsur dar. Blinken hatte bis zu Tumps Amtsantritt 25 Jahre für die US-Regierung gearbeitet und bezeichnet sich selbst als „recovering politics addict“. Blinken, stellvertretender US-Außenminister a.D., war dieses Jahr zu Gast bei einem Dinner der Atlantik-Brücke am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz. In seinem Vortag erläuterte er, weshalb die Welt sich heute an einem historischen Wendepunkt befindet.

Blinken zeichnete das Bild einer Welt, in der sich tiefe Gräben auftun zwischen jenen, die sich angesichts komplexer sozialer, struktureller und geopolitischer Veränderungen verteidigen und abschotten wollen, und jenen, die offene Gesellschaften als beste Antwort auf diese Herausforderungen betrachten. Blinken bezeichnete die Wahl, vor der Gesellschaften aktuell stehen, als „building walls versus building bridges“. Für die entstandene Kluft machte Blinken drei zentrale Ursachen aus: Erstens führe die Tatsache, dass Informationen heute viel schneller und ungefilterter auf die Menschen einwirke, zu einem Gefühl von Überwältigung und Verwundbarkeit. Zweitens gehe es der Menschheit heute zwar besser als je zuvor, gleichzeitig nehme die Ungleichheit dramatisch zu. Das Resultat sei Wut. Und drittens führe die weltweite Machtverschiebung zu einer Krise von Glaubwürdigkeit und Legitimität. Dies führe zu einem grundsätzlichen Misstrauen gegenüber politischen Eliten.

Vor diesem Hintergrund, so Blinken, drängten sich historische Parallelen auf. Bei der Etablierung der Ordnung nach dem Zweiten Weltkrieg hätten die Amerikaner nicht auf das Prinzip des Nullsummenspiels gesetzt, sondern auf den Gedanken des „Win-Win“. Nur so sei eine stabile Weltordnung und die Entfaltung einer globalen Mittelschicht möglich gewesen. Die Herausforderungen der Zukunft wie Epidemien, Terrorismus, Klimawandel oder Cyberkriege könnten heute von keinem Staat unilateral gelöst werden. Blinken betonte: „No wall is high enough to contain those challenges.“ Die Frage sei, wie wie Menschen überall auf der Welt in die Lage versetzt werden können,  ihre Fähigkeiten maximal zu entfalten und damit zum Wohlstand ihrer Gesellschaft beizutragen. Die Amerikaner müssten wieder verstehen lernen,  dass der Wohlstand anderer Gesellschaften auch zu ihrem Wohlstand beitrage. Letztlich müsse eine progressive Ära mit globaler Reichweite geschaffen werden. Hierfür sei es zentral, historische Erfahrungen zu berücksichtigen. Denn es gelte, „those who forget history have to retweet it.“

Bleiben Sie auf dem Laufenden und abonnieren Sie den Atlantik-Brücke RECAP.