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Studienreise für Sozialkundelehrer 2013

Vom 30. November bis zum 8. Dezember 2013 waren 15 Lehrer aus Südkalifornien auf Einladung der Atlantik-Brücke auf eine Studienreise nach Deutschland gekommen, die sie nach Hamburg, Berlin und Leipzig führte.

Jedes Jahr lädt die Atlantik-Brücke eine Gruppe amerikanischer Lehrer der Fächer Sozialkunde, Deutsch und Geschichte zu einer einwöchigen Studienreise nach Deutschland ein. Das Programm ist eines der ältesten der Atlantik-Brücke und ermöglicht es Lehrergruppen aus unterschiedlichen Landesteilen der USA, das moderne Deutschland kennenzulernen. Die Studienreisen sind äußerst vielseitig: die Lehrer besuchen deutschen Schulen, lernen Unternehmen kennen, setzen sich mit der deutschen Geschichte auseinander und sprechen mit Persönlichkeiten aus Politik, Medien und Gesellschaft. All diese Erfahrungen und Eindrücke nehmen die Lehrer zurück in ihre Klassenzimmer und können ihren Schülern so ein lebendiges Bild von Deutschland vermitteln.

Ein integraler Bestandteil ist auch die enge Anbindung an das Netzwerk der Atlantik-Brücke: Mitglieder öffnen der Lehrergruppe ihre Türen und ermöglichen in privater Atmosphäre Gespräche mit hochrangigen Politikern. In diesem Jahr lud unser Mitglied Ulrich Kissing die Lehrer zu sich nach Hause ein, es sprach Hans-Ulrich Klose, der frühere Koordinator für die Transatlantischen Beziehungen und Vorsitzender der Parlamentariergruppe USA. Bei einem privaten Abendessen auf Einladung unseres Mitglieds Christian Krienke sprach der ehemalige Verteidigungsminister Volker Rühe über die deutsch-amerikanische Freundschaft und die Zukunft des transatlantischen Verhältnisses.

Zu den Kernelementen des Austauschprogramms für amerikanische Lehrer gehört die Auseinandersetzung mit dem hiesigen Schulsystem, was durch Besuche an möglichst unterschiedlichen Schulen ermöglicht wurde. In diesem Jahr besuchten die amerikanischen Lehrer die Hamburger Stadtteilschule Finkenwerder, die jahrgansübergreifenden Unterricht anbietet und an einem sozialen Brennpunkt besonderen Wert auf integrierenden Unterricht legt. Am Berliner Herder-Gymnasium liegt der Schwerpunkt auf zweisprachigem Unterricht und der gezielten Förderung von Schüleraustausch. Durch die Einblicke in die Klassenzimmer lernten die Lehrer nicht nur ihre deutschen Kollegen kennen und unterhielten sich mit Schülern, sondern konnten hiesige Lehrmethoden beobachten und diese mit den eigenen Erfahrungen kontrastieren. In Leipzig setzen sich die Lehrer während des Besuchs an einer Berufsschule mit dem dualen Ausbildungssystem auseinander, das es in dieser Form in den USA nicht gibt. Satinder Hawkins von der Millikan High School in Long Beach, CA, fasste ihren Eindruck zusammen: “I loved learning about the dual education system in Germany. The way that workers of all kinds are honored and trained with the inclusion of communities and business partners goes a long way in explaining Germany’s economic strength.“ Anschließend konnten sich die Lehrer bei einem Besuch der Airbus Operations GmbH in Hamburg ein Bild davon machen, wie die Auszubildenden im Betrieb eingebunden werden.

Beim einem Besuch des SPIEGEL sprach die Gruppe mit der stellvertretenden Ressortleiterin Deutschland, Cordula Meyer über die Themen, die Deutschland aktuell bewegen, von der Bundestagswahl über die Energiewende bis zur Frauenquote. Ein besonderes Anliegen war den Amerikanern, über die NSA-Affäre zu sprechen, was beim Mittagessen mit Journalist und Moderator Ingo Zamperoni fortgesetzt werden konnte. Dieser gab zudem einen umfassenden Überblick über die deutsche und amerikanische Medienlandschaft und die unterschiedliche Nachrichtenformate. Beim Gespräch mit Pastor Alexander Röder im Hamburger Michel erfuhren die Lehrer mehr über die Rolle der Kirche in Deutschland.

In Berlin besuchten die Lehrer das Hauptstadtbüro des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln. Ein Vortrag des stellvertretenden Direktors, Dr. Hans-Peter Fröhlich, verschaffte der Gruppe einen guten Überblick über die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen für Deutschland und Europa. Anschließend fand ein Gespräch mit Mitgliedern des Deutschen Bundestags statt: Reinhard Brandl (CSU), Christian Hirte (CDU), Lars Klingbeil (SPD) und Stefan Liebich (Die Linke) sprachen mit den Lehrern über das Ergebnis der Bundestagswahl und die Koalitionsverhandlungen sowie ganz allgemein über das politische System Deutschlands.

Im weiteren Verlauf des Berliner Programmteils setzten sich die Lehrer mit der deutschen Vergangenheit auseinander. Bei einem Besuch der Gedenkstätte Sachsenhausen beschäftigten sich die Lehrer mit der Geschichte des Nationalsozialismus, an der Berliner Mauer wurde die deutsche Teilung anschaulich. Auch in Leipzig stand die Beschäftigung mit der deutschen Nachkriegsgeschichte im Vordergrund. Besonders beeindruckt waren die Lehrer von einem Abendessen mit Atlantik-Brücke Vorstandsmitglied Karsten Uhlmann. Herr Uhlmann schilderte seine persönlichen Erfahrungen aus seiner Jugend in der DDR. Eric Twisselmann von der LaSerna High School brachte seine Begeisterung zum Ausdruck: “I feel I have a lot of personal stories – real names, with real faces – to bring back to my students and my school, that I did not have before. And so many of these stories, though unique and situated in the ‘German history’, have something universal to communicate that our students need to hear.”

Am Sonntag machten sich die Lehrer voller neuer Eindrücke auf den Rückweg nach Kalifornien. Bereits auf dem Weg zurück in die Staaten wurden erste Pläne für eine „Germany Reunion“ geschmiedet. Wie nachhaltig die Reise wirkt, zeigen verschiedene Dankesbriefe, die die Atlantik-Brücke erreichen. So schrieb Karina Morales von der Albert Einstein Academy in San Diego: “I will describe this trip as ‘The most intellectual and powerful trip I have ever experienced’. Since I have been back and can’t stop talking about it, to my colleagues, students, friends and family. I learned so much about Germany and am eager to learn ever more; I was inspired by this trip.”

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