Allgemein

Studienreise für Sozialkundelehrer 2014

Jedes Jahr lädt die Atlantik-Brücke eine Gruppe US-amerikanischer Lehrer auf eine Studienreise nach Deutschland ein. Die diesjährige Lehrergruppe kam aus Texas und Oklahoma und besuchte vom 22. bis 29. Juni die Städte Frankfurt, Köln, Bonn und Berlin. Während ihres kurzen, aber intensiven Aufenthaltes in Deutschland lernten die Lehrer hochrangige Persönlichkeiten aus Politik, Medien und der Wirtschaft kennen und besichtigten Schulen, Unternehmen und Institutionen. Die Gruppe aus Texas war dankbar, bei milden deutschen Temperaturen der Hitze aus ihrer Heimat entkommen zu können.

Dank der Gastfreundschaft der Atlantik-Brücke-Mitglieder konnten sich die Lehrer in privater Atmosphäre mit Rednern austauschen. In diesem Jahr luden unser Mitglied Dr. Sebastian Muschter und seine Frau Pamela die Lehrergruppe in ihr Haus in Eltville ein. Die Lehrer wurden von Patrick Kunkel, Bürgermeister von Eltville, und seiner Frau Eva-Maria, begrüßt, spazierten durch Eltvilles duftenden Rosengarten, und nahmen in gemütlichem Setting an einer Weinprobe bei Familie Muschter im Garten teil. In Berlin waren die Lehrer zum Abendessen bei Atlantik-Brücke-Mitglied Dr. Kurt Schwarz eingeladen. Beim Essen berichtete Karsten Uhlmann, Geschäftsführender Gesellschafter der Frankfurter Brauhaus GmbH und Mitglied des Vorstands der Atlantik-Brücke, von seiner Jugend in der DDR. Bei einem weiteren privaten Abendessen auf Einladung unseres Mitglieds Martin Wilhelm und seiner Frau Kathy in Köln sprach der US-General Konsul Stephen Hubler offen über aktuelle transatlantische Herausforderungen, vor allem über die NSA-Affäre, aber auch über die Krise in der Ukraine, und diskutierte mit den Lehrern über Möglichkeiten, das transatlantische Vertrauensverhältnis wiederherzustellen. Sandra Dieckman, langjährige Deutsch- und Spanischlehrerin an der Denton High School in Texas, schilderte ihre Erfahrung des persönlichen Kontakts zu unseren Mitgliedern und deren Gästen wie folgt: “This was the best experience I have had in Germany. The assortment of people and topic fields was so diverse that I feel that every corner of my Germany picture has begun to fill in. Making the personal connection and simply being able to ask questions without judgment was invaluable.”

Um das deutsche Schulsystem mit dem der USA zu kontrastieren, besuchten die Lehrer verschiedene Schulen und setzten sich bei Gesprächsrunden mit Lehrern und Schülern auseinander. In diesem Jahr besuchte die Gruppe die Frankfurter Paul-Hindemith-Gesamtschule, deren Schulleiter Matthew George besonderes Engagement in Hinblick auf die Integration aller Schul- und Kulturformen zeigt. In Bonn besuchte die Gruppe das Clara-Schumann-Gymnasium und lernte durch die Hospitanz im Klassenzimmer, wie Fremdsprachenunterricht mit Geschichtsunterricht verbunden werden kann. In Berlin erfuhren die Lehrer während des Besuchs im Bildungswerk Kreuzberg mehr über das duale Ausbildungssystem. Beth Burau, Deutschlehrerin an der Bishop Lynch High School, Dallas, Texas, beschreibt den Einfluss der Schulbesuche auf ihren eigenen Unterricht wie folgt: „The Atlantik-Brücke Study Trip experience will be an instrumental influence on my teaching. Not only will I be able to share the facts, history, and story of Germany with my students, but I will now be able to fully immerse my Texan students (as much as possible) in the modern German culture. Stereotypes will continue to be dismantled and the significance and importance of the German / American relationship will be examined.

Weiterer Programmpunkt der Reise war der Besuch beim WDR in Köln, wo die Gruppe über Pressefreiheit im deutschen Mediensystem, insbesondere im Vergleich zu den USA, sprach.

In Köln besuchten die Lehrer das Institut der Deutschen Wirtschaft. Wie schon im letzten Jahr sprach Dr. Hans-Peter Fröhlich, stellvertretender Direktor des Instituts, über aktuelle wirtschaftliche Entwicklungen in Europa, beantwortete Fragen zum Arbeitsmarkt und führte die Lehrer in die Diskussion um die geplante Transatlantic Trade and Investment Partnership ein. Beim Besuch der Europäischen Zentralbank berichtete Christine Graeff, Direktorin Kommunikation & Sprachdienste, über die Entwicklung des Euro und des europäischen Bankensystems. In Bonn besuchten die Lehrer die Deutsche Post / DHL und erfuhren beim Lunch mit Christopher Wade, Teamleiter Interne Kommunikation / Unternehmenskommunikation, mehr über das Unternehmen. Der gebürtige Amerikaner Wade berichtete außerdem über seine persönliche Einschätzung der größten kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und den USA – so zum Beispiel darüber, dass man in Deutschland Sonntags keinen Rasen mähen darf. Bei Microsoft Ventures Accelerator in Berlin gewannen die Lehrer Einblicke in die deutsche Start-Up Szene und sprachen beim gemeinsamen Frühstück mit Shelley McKinley, Mitglied der Geschäftsleitung, Assistent General Counsel und Head of Legal and Corporate Affairs bei der Microsoft Deutschland GmbH. Anschließend fand ein Gespräch mit Mitgliedern des Deutschen Bundestags statt. Christian Hirte (CDU), Lars Klingbeil (SPD), Stefan Liebich (Die Linke) und Manuel Sarrazin (Bündnis 90 / Die Grünen) sprachen mit den Lehrern sowohl über das deutsche politische System als auch über das transatlantische Verhältnis und die momentanen Herausforderungen. Die Lehrer waren beeindruckt davon, dass sich die vier Abgeordneten, trotz verschiedener Parteizugehörigkeit, so gut verstanden.

Auch die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte war Teil der Studienreise: bei einem Besuch der Gedenkstätte Sachsenhausen beschäftigten sich die Lehrer mit dem Nationalsozialismus. Ein Rundgang an der Berliner Mauergedenkstätte veranschaulichte der Gruppe die deutsche Teilung.

Suzy Holland, Deutschlehrerin an der Earl Warren High School, San Antonio, Texas, fasste ihre Eindrücke von der Studienreise abschließend so zusammen: „ I am honored that I was chosen to participate and get to know some very fine human beings. This far outweighs any nationality. I am hopeful for our future as I see what kind of people are working for mutual understanding here in Germany.”

Bleiben Sie auf dem Laufenden und abonnieren Sie den Atlantik-Brücke RECAP.